Inchnadamph – Tongue

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Inchnadamph – Reay Forest

Etappe 6

Inchnadamph, 28.03.

Heute ist langes Ausschlafen angesagt, das heißt erst ab 6:30 geht es los. Warm – ungewohnt warm – ist es im Zimmer. Die „Morgenroutine“ mit Müsli und Kaffee geht deutlich schneller und so breche ich schon um 7:45 auf. Wetter schaut unverändert aus; sonnig, ein paar Wolken und kalt. Rotwild direkt vor der Inchnadamph Lodge. Erst folge ich dem schon von gestern Abend bekannten Weg längs der Straße Richtung Ardvreck Castle. Nochmals ein paar Bilder, jetzt mit der Sonne im Osten.

Ab hier kann ich die Straße verlassen; obwohl nur wenig befahren, war es doch etwas nervig. An einem Bergrücken führt ein recht guter Pfad stetig aufwärts bis auf ca. 300 – 350 m. Noch einmal taucht rückblickend auch der Suilven auf. Im Folgenden ein Wechsel von Sonne, Wolken, leichten Schneeschauern.

Obwohl nur geringfügig höher als direkt am Loch Assynt nimmt die Temperatur direkt spürbar ab. War es beim Ardvreck Castle noch fast „warm“, müssen nun die Handschuhe wieder angezogen werden. Zudem sind Teile des Wegs gefroren. Wohl doch ganz gut, nicht auf 700 m zu gehen und dann weitergehen zu müssen. Der Weg führt leider wieder zur Straße hinunter, der ich dann bis Kylesku folge.

Gegen 12:00 erreiche ich die „Vororte“ von Kylesku und Unapool – nur einige Häuser längs der Straße. Kurz darauf Kylesku; dies ist nur eine Nebenstraße mit einer Handvoll Häusern. Am Ende der Straße das Kylesku Hotel. Dort ist meine Hauptpause des Tages und ich gönne mir Fish’n’Chips und ein Skye Ale. Das Ganze mit Blick auf Loch Glendhu, an dessen anderen Ufer ich vor 2 Jahren (beim Cape Wrath Trail) schon unterwegs gewesen bin.

Kylesku BridgeGut gestärkt geht es gegen 13:30 weiter. Über die Kylesku-Brücke, die 1984 errichte Brücke führt über die Fjordenge zwischen Loch Glendhu und Loch a‘ Chàirn Bhàin und schaut richtig modern aus. Ich gehe ohne Hetze; da ich auf den (zeitlich) längeren Weg über die Berge des Inchnadamph Forest verzichtet habe, langt es für heute, wenn ich in die Nähe von Achfary / Reay Forest gelange.

An dieser Stelle der gern angebrachte Hinweis, dass es sich bei einem schottischen Forest“ fast nie um einen Wald mit Bäumen handelt. Ein Forest“ ist ganz allgemein ein Jagdgebiet – zu dieser Jahreszeit wird aber auch nicht gejagt.

Hinter der Brücke biege ich gen Osten auf einen Forstweg ab, der später zu einer steinigen Jeep-Piste wird. Teilweise werden längs des Wegs anscheinend Kabel verlegt und so hat der Weg teilweise Baustellencharme. Zunächst stetig bergauf, bis sich großartige Blicke über Loch Glendhu, Loch Glencoul sowie die Berge von Assynt auftun. Meist bläst dazu der allgegenwärtige kalte Ostwind.

Bis auf 2 Tageswanderern begegne ich niemandem. Bald erkenne ich rudimentär die Strecke wieder, die ich vor 2 Jahren gegangen bin. Damals war es zwar viel wärmer, jedoch regnete es bei sehr schlechter Sicht. Da ist das Wetter diesmal doch wirklich viel besser! Die Landschaft ist echt toll, der Weg etwas nervig (wie erwähnt: Baustellencharme). Bis auf knapp 400 m geht‘s wieder hoch, in Richtung meines morgigen Wegs sind nun auch einige Berge zu sehen, meist schneebedeckt.

Noch gut 2 km (Luftlinie) bis Achfary. Bis in das Minidorf will ich nicht gehen, daher suche ich einen Zeltplatzt abseits des Wegs. Auf ca. 300 m direkt an einem Loch – natürlich gefroren. Im Zelt geht die Temperatur bis auf 1,5 ° C hinunter, für nachts dürfte es also Richtung 0° C sein. Noch einmal raus, diesmal Sternenhimmel! Ich wundere mich etwas, dass vom Mond nichts zu sehen ist, vor kurzem war noch Vollmond?!

 

Reay Forest – Srath Coir an Easaidh

Etappe 7

Reay Forest/ Meall Diamhain, 29.03.

Diese Etappe führt bis nach Srath Coir an Easaidh, ganz in der Nähe ist der Abhainn Srath Coir‘ an Easaidh… also irgendetwas mit Fluss Zugegebenermaßen mag ich es, diese recht eigentümlich ausschauenden gälischen Ortsbezeichnungen in meinen Berichten zu haben. Selbst wenn ich (und wohl auch die meisten Leser) sie kaum aussprechen können. (Bei den isländischen Bezeichnungen macht mir das mittlerweile aber kaum noch Mühe)

Aufstehen ab 5:30 – also wieder das übliche Frühaufstehen auf Tour. Trotz zusätzlichem T-Shirt, Fleece war es wieder sehr, sehr kalt. Mittlerweile (7:00) hat es sich im Zelt auf ca. 0° bis 1° „erwärmt“, nachts war es sicher unter 0°. Beim Öffnen des Zelts rieselt erst mal eine Ladung gefrorener Raureif auf mich hinunter. Aber sonnig, und es schaut insgesamt ähnlich gut wie in den vorherigen Tagen aus.

Reay Forest

Der Restwald von Reay Forest

Aufbruch gegen 8:20. Die direkte Richtung zum Forstweg verpasse ich, stattdessen stehe ich plötzlich vor einem sehr steilen Grasabhang. Darauf verzichte ich liebe. Also weite Teile wieder zurück, bis ich doch wieder auf dem Weg von gestern bin.

Dann hinunter in Richtung Lochmore Lodge, diesmal lasse ich Achfary links liegen und gehe auf Trittsteinen zwischen Loch More und dessen nördlichen Anhängsel Loch nan Ealachan weiter nach Nord-Osten. Diesen eher mühsamen Weg habe ich sutherland2013_08_02_352ca. 2 km Straße vorgezogen, ob das eine gute Idee war… Die Straße vermeide ich zwar, aber unterhalb von Ben Screavie ist es sehr sumpfig, dann wegloses Auf und Ab über diverse Hügel. Endlich ist der Hauptweg bei Loch Stack erreicht und es geht zügiger voran. Hinter mir Ben Stack, dann komme ich an einer Stelle namens Lone vorbei: Sehr übersichtlich, nur ein baufälligen Haus nebst Stall.

Loch Stack

Loch Stack und Ben Stack

Ab jetzt auf einem guten Weg immer Kurs Ost. Sonne, dann Wolken mit kaltem Ostwind. Es geht erst steil von 0 auf 200 m bergauf, danach moderat bis auf einen Pass auf 450 m. Auf dem Pass bin ich gut kaputt, letzter Blick auf die Berge im Westen. Mäßig steil bergab entlang des Abhainn an Lòin und eines Wäldchens, endlich geht‘s ssutherland2013_08_05_368chnell voran. Die Zeltplatzsuche gestaltet sich schwierig, da es in Nähe der Bäche doch sehr sumpfig ist. Erst nach längerer Suche kann ich an einem kleinen Bach mein Zelt aufschlagen. Ein eher unspektakulärer Tag geht zu Ende. Für morgen hoffe ich, doch noch in größere Höhen zu gelangen und einen Munro zu machen. Diese Hoffnung heißt – natürlich – Ben Hope. Im Zelt ist es wie üblich; kalt (ca. 3°), so dass ich kaum noch schreiben kann.

 

Srath Coir an Easaidh – An Gorm-loch

Etappe 8

Srath Coir an Easaidh, 30.03.

Wie üblich früh auf (5:45). Obwohl ich auf nur noch 150 m bin, wurde in dieser Nacht wohl der Kälterekord der Tour erreicht: wp_bd_sutherland2013_09_01_372Nachts gegen 3:00 zeigte das Thermometer an meiner Uhr -4,4° an! Im Zelt. Und da dies die einzige valide Nachtmessung war (i.a. habe ich die Uhr am Handgelenk) nehme ich an, dass es insgesamt wohl noch kälter gewesen ist. Insbesondere die folgende Nacht habe ich sehr im Verdacht, die Marke von -4° noch deutlich unterschritten zu haben. Morgens dann leichter Schneefall! Und zwar im Zelt, als das kondensierte und dann gefrorene Wasser hinunter rieselt. Mache mir Kaffee und Müsli, wärme dann das Zelt auf, indem ich erstmals den Kocher im Zelt aufdrehe. Sonne geht auf, ich gehe kurz raus. Kalt, so kalt, dass das kleine Flüsschen vor dem Zelt gefroren ist. Aber sonst: Sonne und nur blauer Himmel! In der Ferne sind die schneebedeckten Höhen des Ben Hope zu sehen. Mal sehen, wenn möglich, möchte ich schon gerne hoch.

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Gobernuisgach Lodge

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Dun Dornaigil

Aufbruch, kurz danach komme ich an der Gobernuisgach Lodge vorbei. Interessant, dass einige Leute so abgeschieden wohnen. Ein Wäldchen, dann längs des Strathmore River bis zu einem Broch, Dun Dornaigil. Ein über 2000 Jahre alter Wehr- und Wohnturm aus der Eisenzeit, der hier direkt am Fluss liegt. Als Aussichtspunkt ist dieser Broch aber eher ungeeignet. Hier beginnt (so ziemlich auf 0 m ü. NHN) mein Weg zum Ben Hope.

Der Pfad ist anfangs kaum zu erkennen, wird dann aber deutlicher und steigt bis auf 200 m wp_bd_sutherland2013_09_03_381recht steil an, bis ein kleines Flüsschen erreicht wird. Hier endet der eindeutige Pfad.

wp_bd_sutherland2013_09_05_395Ab nun weglos, den Gipfel von hier auch erstmals im Blick, aber nur noch leicht ansteigend geht’s bis auf ca. 450 m hinauf. Dort treffe ich dann auf die die Hauptaufstiegsroute, das heisst in einiger Entfernung sind nun in meiner Gehrichtung immerhin zwei Personen zu sehen, die ebenfalls aufwärts kraxeln.

Schneegrenze, es wird kühler aber auch deutlich heller; also kommen Regenhose und erstmalig auch die Sonnenbrille zum Einsatz. Einige deutliche Fußspuren – die „offizielle“ Route. Der Schnee ist griffig, nicht verreist, und zwischen 10 und 40 cm tief. Insgesamt also sehr gute Bedingungen!

Es geht nun stetig aufwärts, keine Orientierungsprobleme, mit großem Rucksack aber etwas anstrengend. Noch knapp 2 km (Luftlinie) und ca. 400 Höhenmeter bis zum Gipfel des Ben Hope. Zwei Wanderer kommen mir entgegen; sogar mit Steigeisen – dies ist aber auch weit oben nicht notwendig.

Dann ist der Gipfel zu sehen – die letzten Meter. Parallel zu mir kommt über die östliche Route eine junge Frau hinauf. Im gleichen Rhythmus aufsteigend kommen wir zeitgleich oben an. Julie aus Inverness macht eine ähnliche Tour wie ich – nur in entgegen gesetzter Richtung und hat sogar einen Eispickel für noch weitere Munros dabei.

Zahlreiche Fotos von hier oben. Nach Osten mehrere zugefrorene Lochs, dahinter Ben Loyal. Zum Westen und Nordwesten bald schon die Küste, nach Westen und Süden blicke ich auf die Höhenzüge der vergangenen Tage. Alles in den Farben weiß und blau, sowie den Brauntönen der Heide- und Sumpflandschaften.

Noch ein weiterer Wanderer kommt in der ½ Stunde, während ich oben bin, hier an – richtig viel Betrieb. Dann abwärts, ich halte mich einfach an Julies Fußspuren – das ist genau meine Route.

Solange es echt bergab geht (nie steil) ist das Ganze richtig entspannend und angenehm. Bei den ebenen und leicht ansteigenden Passagen muss ich aber durchaus kämpfen. Ich sinke immer recht tief in den Schnee ein und das kostet ziemlich viel Kraft. Dann wieder an der Schneegrenze. Weiter auf noch gefrorenem Untergrund, das merke ich direkt in den Knien. (jaja, mal zu weich, mal zu hart) Ich halte nun einen nördlichen, teils nordwestlichen Kurs, um einen Vorgipfel des Ben Hope zu umgehen. Ziel ist Loch Gorm (oder auch An Gorm-loch), den hat Julie erwähnt, in einer Routenbeschreibung ist mir der Name auch schon untergekommen.

wp_bd_sutherland2013_09_16_456Es zieht sich nun ganz schön hin, es geht wieder etwas aufwärts bis auf 450 m. Langsam verschwindet auch die Sonne gen Westen. Ich schaue aufs GPS, das zeigt nur noch 200 m bis zum Loch an, es ist aber noch nichts zu sehen. Ich wäre tatsächlich fast daran vorbei gelaufen. Nach Westen von einer schneebedeckten Wand geschützt, auch nach Norden und Süden von Hügeln verborgen, ist Loch Gorm nur vom Osten aus zu sehen. Sieht ziemlich wild, speziell und kalt hier aus. Sehr kalt. Und natürlich auch zugefroren. Ca. 10 cm Eisschicht, aber es lässt sich mit Hilfe von Steinen ein Loch schlagen. Ein Loch im Loch!

Loch Gorm

An Gorm-loch abends

Im Zelt mache ich sofort den Kocher an. Bringt für einen Moment etwas Wärme. Der beste Tag soweit, aber es wird wieder sehr, sehr kalt. Behalte diesmal die Wanderhose an. Vom gefrorenen Loch höre ich das Eis knacken, wieder Sternenhimmel.

 

 

An Gorm-loch – Tongue

Etappe 9

An Gorm-loch (unterhalb Ben Hope), 31.03.

Aufstehen kurz vor 6:00. Eine fürchterliche Nacht; hab‘ nur wenig geschlafen, da es nie im Schlafsack Loch Gormwarm wurde. Daher bin ich sehr froh, als es endlich hell wird und ich „aufstehen darf“. Abermals den Kocher im Zelt anschmeißen, um etwas Wärme herein zu bekommen. Die Schuhe hatte ich in dieser Nacht im Zelt, trotzdem sind sie gefroren.

Loch Gorm

An Gorm-loch morgens

Kurz aus dem Zelt (das kostet echt Überwindung); im Osten kommt langsam die Sonne über die Berge, der Loch ist erst recht gut gefroren. Frühstücken, dann Aufbruch. Die letzte Etappe; Zwischenziel ist die Kinloch Lodge und insgesamt erwarte ich heute entspanntes Gehen.

Aber erst muss ich von meiner Höhe von ca. 400 m runter kommen. In nordöstlicher Richtung weglos bergab. Der Untergrund wird nun wieder sumpfiger. Auf 400 m war noch alles gefroren. Nochmal wegen der Temperaturen: Bei einer nachträglichen Recherche wurden für die Gegend Tiefsttemperaturen von -12° angegeben. Da war’s mit meinen -4° im Zelt ja richtig warm…

Mache immer mal wieder kurz Pause, heute ist mehr als genug Zeit. Anfangs noch fast in Augenhöhe mit Ben Loyal, muss ich nun immer mehr aufblicken.

Nur der Gipfelbereich bei ca. 700 m ist schneebedeckt. Weiterhin strahlender Sonnenschein, als ich einen Forstweg erreiche. Ab jetzt ist es ganz einfach. Ich folge dem Weg, der nur einmal etwas ansteigt und dann durch ein Wäldchen zur Kinloch Lodge führt.

wp_bd_sutherland2013_10_06_480Ab dort dann die letzten 7 km auf einer praktisch ungenutzten single track road. Dann sind die „Vororte“ von Tongue in Sicht! Die letzten Meter, die ich bei dieser Reise zu Fuß zurücklegen muss (denke ich…). 15:30, das Ben Loyal Hotel in Tongue ist erreicht – der Sutherland Trail ist geschafft!

 

 

 

 

Teil 1 Schluss