Harris & Lewis

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Der zweite Teil der Tour auf den Äußeren Hebriden – die Doppelinsel Harris & Lewis

Nach einer kurzen Pause auf North Uist und Berneray setze ich die Trekking Tour auf South Harris, North Harris und etwas Lewis fort.

North Uist / Berneray

Solas / North Uist

Morgens ist es noch trüb, dafür bin ich zur Abwechslung in einem Bett erwacht. Habe vor, noch bis Mittag auf North Uist zu bleiben, erst danach rüber nach Berneray. Sehr ausführliches Frühstück mit geräuchertem Fisch in einer Hebriden Variante (schmeckt etwas speziell…) und einem Scottish Breakfast. Danach breche ich zu einem „Strandspaziergang“ auf. Knapp 3 Stunden Zeit habe ich.

wp_bd_Hebrides_09_01_0686Flaches, grasbewachsenes Land mit teilweise sandigem Untergrund, so ist die Machair kurz vor den Dünen. Dann am Strand Tràigh Iar. Menschenleer, nachher sehe ich einen Mann mit Hund. Erst noch bewölkt, kommen dann ein paar Sonnenstrahlen hinzu.

Angenehmes Gehen auf festem Sand und sogar ohne Gewicht! In der Ferne ist immer eine Hügelkette zu sehen.North Uist Am Strand recht viele Algen, manchmal eine Qualle. Bis zur Halbinsel bei Rubha Bheilis schaffe ich es. Dann zurück, etwas abgekürzt über die Dünen und den Machair. Sehr entspannter Vormittag, hätte aber etwas sonniger sein dürfen. Im B&B hole ich noch meinen großen Ruck­sack ab. Zum Bus, diesmal klappt alles! Aber auch für das kurze Stück nach Berneray ist ein Buswechsel notwendig.

Über einen Damm nach Berneray. Längs der Straße sind die Häuser wie hingeworfen verteilt. Ganz am Ende der Straße ist das Hostel, eher „Hostel“. Sind sogar schon andere Leute bzw. 2 Zelte dort. Wieder ein Schlafhaus und ein Koch-und Aufenthalts-Haus gibt es. Ganz ähnlich wie in Howmore – kein Wunder; die Hostels in Howmore und Berneray gehören beide zum Gatliff Trust.

Baue das Zelt im Wind­schatten eines der Häuser auf. Blick aufs Meer und die Inselchen. Ist das schon Harris gegen­über? Kurze Erkundung der direkten Umgebung. Viele verfallene Gemäuer unter­schied­lichsten Alters, dazwp_bd_Hebrides_09_04_0736u Schafe, die nahe der Ruinen grasen. Irgendwie ist diese Miniinsel zwar interessant, macht aber eBernerayinen noch trostloseren Eindruck als die Siedlungen, die ich bisher gesehen habe. Was gibt‘s hier eigentlich?! Außer der Natur. Menschen begegne ich nur in Nähe des Hostel und später ganz wenige (<5) beim Strandspaziergang. Im Dorf zeigt sich niemand, obwohl recht häufig Autos hin und her fahren.

Nachmittags dann ein Rundgang über die Insel. Längs des Friedhofs zum höchsten Punkt der Insel (ca. 100 m). Dann hinunter zum Strand, der hier schöner ist als zuvor auf North Uist; weniger Algen. Blick auf eine noch kleinere Insel (Pabbay) und (wahrscheinlich) Harris.

Das Wetter wird nun immer besser. Anfangs bewölkt kommt mehr und mehr die Sonne raus. Direkt ändert sich der Eindruck; vom eher bedrückenden grau – blauen Himmel wird es nun sonnig, hellblau, die Dünenlandschaft in grün. Das gute Wetter hat aber leider sehr schnell ein Ende und alles zieht sich wieder zu. Immer­hin, kein Regen.

Über die Dünen, zunächst Richtung Ort – auf der Hinfahrt habe ich ein Café gesehen, da würde ich noch gerne hin. Werde sogar noch mitgenommen. Hier gibt’s den „Lift“ fast bis zum Hostel zurück.

Abends nur noch ein wenig Planung für morgen – dann startet der zweite Teil des Trekkings. Ab Seilebost auf Harris will ich zunächst dem Harris Walkway folgen.

Dieser Ruhetag tat ganz gut, ab morgen geht’s wieder mit einem recht schweren Rucksack weiter.

 

Seilebost – Loch Cùl na Beinne
Etappe 7

Berneray

Über Nacht hat es geregnet aber jetzt scheint die Sonne! Ist aber wohl etwas kühler geworden. Nach dem Packen treffe ich im „Kochsaal“ noch einen Deutschen, der per Fahrrad hier ist. Es soll heute „etwas hier los sein“, ein Musikfestival o.ä. – kaum zu glauben.

Vor dem Aufbruch noch schnell ein paar Fotos der Ruinen beim Hostel, heute bei strahlendem Sonnenschein. Dann muss ich auch schon zum Bus. Der ist exakt pünktlich – und der gleiche Fahrer wie gestern, der mich natürlich auch direkt erkennt. Schnelle Fahrt durchs Dorf, bei diesem Wetter sieht das hier alles viel entgegenkommender aus. Da könnte man es fast aushalten. Bei der Fähre, sind schon einige Autos da und ein weiterer Radfahrer, der ebenfalls im Hostel übernachtet hat.

Gegen 10:30 legt die Fähre ab. Etwas größer als die Fähre von Barra nach Eriskay. In Fahrtrichtung kann man draußen stehen, und die Sonne genießen. Weiterhin fast 360° Sonnwp_bd_Hebrides_10_01_0830e! Viele kleine Inseln und vereinzelte Felsen knapp über der Wasseroberfläche. Die Fähre macht einen Bogen nach Osten und nimmt erst dann Kurs gen Leverburgh auf Harris.

Von der Fähre und in den Bus – diesmal ein größerer Bus – ein „Coach“, der bis nach Stornoway fährt. Erst nach Northton, dann an der Westküste von Harris entlang – da tauchen auch die Sandstrände in goldbraun auf. Sieht schon toll aus. Schade, hier nur vorbei zu fahren. Kurz hinter Seilebost lässt der Fahrer mich raus. Der Harris Walkway startet nur ein paar Meter weiter. Leider gibt es hier keinen Sandstrand. Noch mal alles bereit machen, es ist weiterhin sehr sonnig, den Wind werde ich im Rücken/leicht seitlich haben. Daher ist eine Jacke heute während der gesamten Wanderung nicht notwendig. wp_bd_Hebrides_10_02_0840Gegen 12:15 geht‘s los, erst ein Forstweg, breit und einfach zu gehen. Vorbei an einem See, leicht ansteigend. Zwischen den Hügeln von Harris – hier ist die Aussicht noch nicht sonderlich aufregend, zudem bewölkt es sich leider ein wenig. Der Weg wird derzeit „in Stand gesetzt“, und so treffe ich tatsächlich 2 Arbeiter, die mit einem kleinen Bagger den Weg ausbessern. Etwas weiter noch 2 weitere, die aber gerade ihren Mittagsschlaf halten. Da will ich nicht stören.

wp_bd_Hebrides_10_03_0857Ab nun wird aus dem breiten Weg ein normaler Wanderpfad. Das gute Wetter scheint sich zu verabschieden, aber zum Glück nur scheinbar! Kurz darauf ist die Sonne wieder da und lässt die Land­schaft erstrahlen. Weiterhin hügelig, keine Berge, aber wirklich weit sehen kann man auch nicht. Das ändert sich erst, als der Fjord Loch Stocinis erreicht wird. Hier treffe ich auch kurz auf die Straße an der Ostküste von Harris. Sicht bis zum offenen Meer bzw. bis zum „Minch“. Der Weg verläuft auf Gras oberhalb des Fjords. Dieser ist zwar meist nicht zu sehen, dafür aber das Meer. Der Weg schwenkt nun auf Richtung Nord.

Die Weitsicht ist heute besonders gut. Deutlich ist die Trotternish Ridge auf der Isle of Skye zu erkennen. Da­hinter dürfte bereits das Festland sein. wp_bd_Hebrides_10_06_0873Im Süden sind die Gipfel von South Uist zu sehen, dahinter noch ein weiterer Berg. Vielleicht Ben More auf der Isle of Mull. Hier treffe ich erstmals – neben den Arbeitern – 3 andere Menschen, die wandernd unterwegs sind. Leider endet der Weg nun wieder auf der Straße – der „Golden Road“. Über 1 km Asphaltlatscherei, erst durch ein Minidorf an der Küste, dann leicht landeinwärts. Der Weg wird bald wieder zum Wander­weg, jedoch führt er kurz darauf wieder auf die Straße. Dies will ich unbedingt umgehen. Folge dem Wanderweg durch eine abermals hügelige Weidelandschaft. Dann aber geht es „weglos“ direkt Richtung Nord. So kann ich für heute und auch größtenteils für morgen längeres Straßengehen vermeiden. Durch sumpfiges Heidegebiet geht‘s aufwärts. Das ist sofort deutlich anstrengender als zuvor. Gegenüber der Wanderung auf South Uist ist es aber ein einfaches und flottes Vorankommen. Am Loch Cùl na Beinne schlage ich dann mein Zelt auf. Der Wind hat auf nörd­liche Richtung gwp_bd_Hebrides_10_07_0894edreht, hoffentlich ist das kein Vorzeichen für schlechtes Wetter. Ganz leicht abschüssig und feucht ist der Platz, das sollte aber gehen. Das Wasser aus dem Loch sieht auch recht gut aus. Nachher auf den zweiten Blick kommen mir leichte Zweifel, habe aber ohnehin keine Wahl. Ausruhen, Kaffee, Essen. Ab 20:00 dunkelt es langsam. Mittlerweile (21:45) schon längst richtig dunkel. Kein Wind mehr, vereinzelt ist mal ein Schaf zuhören, sonst vollkommen still.

Loch Cùl na Beinne – Gleann Sgaladail
Etappe 8

 Loch Cùl na Beinne

Aufstehen 6:30. Leider ist das Wetter längst nicht mehr so gut wie gestern: etwas Wind, vor allem aber immer wieder kleinere Regen- und Nieseleinlagen. Blick aus dem Zelt: Bewölkt, Loch Cùl na Beinne Ist aber noch gut zu sehen. Beim Aufbruwp_bd_Hebrides_11_01_0906ch hat der Regen etwas nachgelassen. Über unwegsames Gelände nach Norden. Schon „mein“ Loch muss ausführlich umgangen werden. Dann fängt es leider doch stärker an zu regnen. Also das gesamte Regenzeug an und weiter. Wird direkt noch mühsamer. Zwischendurch wieder Regenpausen. Ich ziehe es dann aber doch vor, auf die nahe gelegene Straße zu wechseln – trotz der Asphaltallergie. Wieder vereinzelt Häuser längs der Straße, bis ich dann an der Küste bin. Nun geht der Weg wieder von der Straße ab. Wieder kurze Momente sogar mit Sonnenschein! Das Wetter weiß heute wirklich nicht, was es will. Weiterhin aber Wind aus Nord, der aber später in Nord-West übergeht.

Erst führt der Wewp_bd_Hebrides_11_02_0912g längs der Küste fast durch die Vorgärten der Häuser, dann wird es besser. Die Bucht vor Tarbert rückt näher. Das Wetter hat nun einen „Takt“ gefunden: 10 Minuten Regen, 5 Minuten Bewölkung und 5 Minuten Sonne, und wieder von vorn. Entsprechend ziehe ich meine Jacke an und aus. Es geht nun auf 12:00 zu, bin genau im Plan. In einem Busunterstand steht ein Schaf. Selbstwp_bd_Hebrides_11_03_0914 dem Schaf ist der ständige Wetterwechsel zu viel, oder wartet es auf den Bus? Kurz vor Tarbert kommt die Sonne endlich mal richtig raus und in Gehrichtung (Nord) ist auch größtenteils blauer Himmel.

Die Fähre aus Uig / Skye ist gerade im Hafen und ist dadurch bestimmendes Bild des gesamten Orts. Suche nach einem Pub oder Café. Zum Fragen findet sich auf den Straßenwp_bd_Hebrides_11_04_0923 aber niemand. In der Nähe der TouristInfo ein „Tearoom“. Erstaunlich voll darin, die Auswahl auf der Karte schaut gut aus. Nehme einen Burger und Cola. Aber dann: Selbst beim Burger kann man also etwas falsch machen… Das Brot ist nur lauwarm. Später kann ich dann noch endlos warten, um einen Cappuccino zu bestellen. Ich kann wirklich keine Empfehlung für diesen Laden geben.

Kurz nach 13:00 geht‘s weiter. Das Wetter hat sich gehalten, weiterhin sonnig und so kann ich nur im Fleece den Weg aus Tarbert hinaus nehmen

Den Fjord entlang, dann auf den nächsten Teil des Harris Walkway. Die folgenden Kilometer sind mir schon von meiner Tour vor 2½ Jahren bekannt – jedoch in entgegengesetzter Richtung. Am lang gestreckten Lochannan Lacasdail entlang. Wieder ein kurzes Regen-Sonne-Intermezzo. Sonne gewinnt. Hab‘ mir in Tarbert noch ein Irin Bru gekauft, das ich nun trinken darf/muss. Komme kurz danach am nördlichen Ufer des Lochs vorbei, hier war mein damaliger Zeltplatz. Es geht nun eine Anhöhe hinauf. Richtig warm ist es geworden. Kurz danach natürlich wieder Wind und Regen. Der Fußweg führt nun auf die Straße. Von einem Parkplatz hat man einen tollen Blick auf Loch Seaforth und die Berge dahinter. Gerade ist auch ein Radfahrer dort angekommen. Wir unterhalten uns ein wenig. Der Hügel hier hinaus war wohl ziemlich anstrengend, er kommt heute aus Uig/Lewis – eigentlich aus London. Nahe Uig kann er den Campingplatz bei Cnip (sprich Niep) empfehlen. Dann brechen wir in entgegengesetzten Richtungen auf.

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Abhainn Sgaladail

Ich verzweige wieder auf den Harris Walkway. Erst wenig spektakulär, dann kommen von dunklen Wolken ganz in schwarz gehüllte Berge im Norden zum Vorschein. Ich verlasse hier den Weg und biege nach Nordwesten ins Tal des Abhainn Sgaladail ab. Dies sollte auch für eine eventuelle Besteigung des Clisham morgen eine gute Ausgangsposition sein. Das Tal Richtung Loch Seaforth ist nun von der Sonne erleuchtet – zumindest für ein paar Momente. Abstieg über Gras, danach wird es längs des Flusses sumpfig und matschig. Bin nun im „Zeltplatz Suchmodus“. Nicht so ganz einfach. Fast überall ist es sehr sumpfig, direkt am Fluss ist es einfach zu laut. Der Fluss hat einige kleine Wasserfälle, entsprechend rauscht es. Schließlich finde ich eine akzeptable Stelle. Relativ hohes Gras, der Boden zwar feucht, aber noch ok. Und extrem starker Wind ist hier auch nicht zu erwarten. Zeltaufbau, während dessen wechselt das Wetter mal wieder kurz von Sonne auf Regen. Im Zelt! Erstaunlich eben ist es, trotz der huckligen Umgebunwp_bd_Hebrides_11_08_0962g. Ab 20:00 wird es schon spürbar dunkler. Nun immer wieder kräftige Schauer, dann Regenpause. Es hat sich zugezogen, stelle ich beim Abwasch und Zähne­­putzen fest. Später dann noch Tagebuch schreiben – auch dabei Wechsel von Regen / Regenpausen. Derzeit (21:30) ist es aber fast windstill und es regnet nicht. Hoffentlich wird es morgen ähnlich oder sogar besser! Ein insgesamt sehr interessanter Tag mit den wohl häufigsten Wetterwechseln, die ich je auf einer Wanderung hatte.

 

Gleann Sgaladail – Loch Langabhat
Etappe 9

Gleann Sgaladail

6:30, wegen „leichter Hangneigung“ nur mäßig geschlafen. Ganz schnell mal nach draußen, diesmal mit Schuhen und Hose. Aus der Midges-Erfahrung am Anfang der Tour hab‘ ich gelernt! Bewölkt, Sicht ist aber einigermaßen. Immer wieder ganz kurze leichte Schauer. Kurz ist von draußen Rotwild zu hören. Werde nur ca. 1,5 km nach Westen zu einem Loch gehen. Von dort dann mit kleinem Gepäck auf den Clisham. Zumindest ist das der Plan. Wetter scheint besser zu werden, es lockert schon auf, wie ich bei einem Blick aus dem Zelt feststelle. Aber die Midges sind auch schon da!

Beim Aufbruch ist es dann trocken aber immer noch stark bewölkt. Ich folge dem Fluss aufwärts. Sumpfig und immer wieder müssen kleine Hügel überwunden werden. Der Clisham und die anderen Berge sind schon bald alle zu sehen. Teilweise hängen in den Gipfeln aber noch Wolken. Von hier hätte ich auch die Möglichkeit, auf recht direktem Wege hinauf zu kom­men (nur Clisham). Ich gehe aber weiter, so dass ich auf die Route „Clisham Horseshoe“ gelange. „Route“ ist aber nur die Idee einer Route – einen Pfad oder dergleichen gibt es nicht. Wieder minimale Verbesserung des Wetters. Sicht zwar bis Loch Seaforth, jedoch ist in der Entfernung alles sehr diesig.wp_bd_Hebrides_12_01_0980

Gegen 10:30 habe ich den Startpunkt für die Bergtour erreicht. Kleinen Rucksack packen und GPS-Koordinaten des großen nehmen. Erst hier wird mir richtig bewusst, dass die geplante Strecke ganz schön lang ist. Es ist nicht „nur“ ein Anstieg auf 800 m sondern immer wieder wird es wohl 100-250 m hinunter und dann hinaufgehen. Naja, schaun‘ mer mal. Es geht erst angenehm und nicht zu steil über Gras bergauf. Dann kommen auch schon Bereiche mit größeren Steinblöcken. Entweder umgehen oder ein paar Meter darüber kraxeln. Im Norden zeigt sich erstmals Loch Langabhat. Längs dieses Lochs wird mein weiterer Weg sein. Aber zunächst auf den ersten Gipfel Mullach an Langa auf ca. 620 m (Rucksack bei ca. 240 m zurückgelassen). Bis hierhin war es recht einfach. Nun vereinzelt auch Sonnenschein um mich herum.wp_bd_Hebrides_12_02_0985 Weiterhin aber zu diesig für eine wirklich gute Fernsicht. Nun ein gutes Stück bergab bis es wieder auf über 650 m hinauf geht. Der Weg auf dem teils breiten, grasigen Grat, teils auch über Fels wird schwieriger. Bin mir nicht sicher, ob ich noch weitergehen soll. Das Wetter ist zwar leicht besser geworden – in Richtung Clisham ist es aber eher stark bewölkt. Und zeitlich wird die ganze Runde wirklich knapp – dann schaffe ich nichts mehr in Richtung Uig. Habe mich fast schon zur Umkehr entschieden, da kommt eine Frau den Berg hinauf gewandert. Wir sprechen kurz – sie meint, das Wetter sei gut, kein Regen zu erwarten. Nun ja, etwas weitergehen kann ich ja noch. Leider erst mal wieder abwärts, sobald es etwas „verblockt“ ist und abwärts geht, ist das nicht mein Lieblingsgelände. Übervorsichtig taste ich mich dann hinunter.

Bis zum nächsten Gipfel, dem Mulla bho Dheas auf 749 m schaffe ich es. Dort treffe ich auch die Frau wieder, die dann schon zum Clisham eilt. Es würde noch ein gutes Stück bergab, dann nochmals bergauf und bergab gehen. Erst dann folgt der Aufstieg zum Clisham. Ich gehe noch ein Stückchen weiter, dann wird mir der Weg zu schwierig (oder dies ist gar nicht mehr der Weg). Irgendwie käme ich hier hinunter, aber ich habe genug. Den gesamten Weg vom Clisham zurück, würde nun auch zeitlich nicht mehr passen. Ich müsste dann die kürzere Variante gehen – unklar, wiewp_bd_Hebrides_12_03_1012 schwierig das wäre. Also zurück! Immerhin, ein paar ganz gute Ausblicke auch nach Süden zum Meer gibt‘s vom letzten Gipfel. Weiterhin verhindert aber das diesige Wetter eine wirklich gute Sicht. So ist der Strand bei Seilebost / Luskentyre zwar auszumachen, aber nur sehr verschwommen. Zurück heißt mal wieder über Verblocktes bergab, dann noch mal ein Aufstieg. Den Aufstieg zum Mullach an Langa spare ich mir und steige schon vorher über grasige Hänge steil bergab. Geht ganz schön in die Knie. Das Wetter ist nun deutlich besser geworden. Auch hinter dem Clisham zeigt sich blauer Himmel. Hätte ich den Clisham doch noch versuchen sollen…

Schöner Blick auch ins Tal Gleann Sgaladail.

Gegen 16:00 erreiche ich dann endlich meinen Rucksack. Hatte nun ein lockeres Gehen zum Loch Langabhat erwartet. Dem ist aber nicht so! Das folgende Stück sumpfig, dann längs eines kleinen Flusses sehr matschig. Als ich Loch Langabhat erst­mals sehe, geht es weiter in den höheren Lagen eines Tals. Das bedeutet ständig am Hang hinab steigen. Mal grasig, dann wieder sumpfig und matschig. Wechsle schließ­lich auf einen breiten Pfad, kurz bevor der Talgrund ohnehin erreicht wäre. Der Pfad führt aber bergauf, so dass ich abermals den Hang hinabsteige. Nun habe ich die Stelle er­reicht, an der ichwp_bd_Hebrides_12_06_1052 vor 2½ Jahren gecampt habe. Dachte, dies sei ziemlich nah am Loch Langabhat. Es ist aber noch 1 km (Luftlinie) bis zum Ufer des Lochs. Der „Weg“ wird nun wieder schlechter. Erst sumpfig, am Ufer des Lochs ziehen sich alle 10-20 m kleine Torfbäche hinunter.

Hmm… heute, morgen und übermorgen wird es ständig sumpfig und matschig sein, so dass die ständige Erwähnung schon fast überflüssig wird.

Keinerlei Gehfluss kommt da auf. Will jetzt so schnell wie möglich einen Zeltplatz finden. Alles sehr sumpfig (ja, ist ja gut!!). In Ufernähe längs eines kleinen Bachs findet sich aber ein Stückchen fast ebenes Gras. Zeltaufbau, bis ich endlich im Zelt bin ist es ca. 19:30 und es dunkelt. Während ich schreibe (jetzt 22:00) immer wieder kurze Schauer. In 2 Tagen bis Uig zu kommen, sollte aber mach­bar sein. Auf meiner geplanten Strecke kann ich teilweise auch „richtige Pfade“ nutzen – zumindest laut Karte. Detail­planung aber morgen!

 

Loch Langabhat – Loch Duastal
Etappe 10

Loch Langabhat

Diesmal recht gut geschlafen und um 7:00 schon gefrühstückt! Draußen noch wolkig, aber trocken und anscheinend kaum Wind. 7:45, die Sonne scheint! Endlich mal ein trockenes Zelt! Es geht nun ans Packen. Beim Zeltabbau merke ich auch auf andere Weise, dass es windstill ist: die Midges sind da! Schnell das Mückennetz über den Kopf, es juckt aber auch so bereits. Häufigste Worte in diesem Bericht? Ohne es gezählt zu haben, tippe ich mal auf „Sumpf“ und „Midges“.

Aufbruch kurz vor 9:00. Die ersten Meter heute früh genau wie gestern Abend. Ständige Torfgräben, alle paar Meter. Nach ca. 20 Minuten wird es etwas besser. Weiterhin aber durch Sumpf (ah, ja!), Gras und niedrige Büsche am Ufer des Loch Langabhat nach Norden. Nur 4 km sind es, bis ich nach Westen abbiegen kann. Hier sind 4 km aber eine ganze Menge, kleine Hügel verstellen den Blick, mein Ziel kann ich daher noch nicht sehen. Endlich kommt auch ein leichter Wind auf, ich kann das Mückennetz abnehmen. Nach Süden sehe ich weiterhin die Steilwand, in dessen Nähe ich gezeltet habe.

Obwohl ich schon über eine Stunde unterwegs bin, scheint die so nah zu sein. Jetzt auch Sonnenschein; vereinzelt werden die Berghänge in Gehrichtung angestrahlt. Der Loch Langabhat macht nun einen „Knick“ nach Nord-Ost, soweit werde ich ihm aber nicht folgen. Immer wieder kurze Pausen auf den Steinen in Sitzhöhe. Durch das unebene, sumpfige Gelände kommt kein Gehrhythmus auf und der Rucksack sitzt nie wirkl­ich richtig. Kurz bevor ich die Strecke am Ufer verlasse, sehe ich ein kleines Boot im Loch, an­scheinend ein Ruderboot mit 3 Personen.

… ich gehe jetzt mal kurz in den „Live-Modus“: Schreibe dies abends im Zelt und einige Midges sind ins Zelt gelangt! Terror! Die müssen sofort terminiert werden! … geschafft, weiter geht’s

Endlich sind die 4 km (Luftlinie) bis zum Wendepunkt nach Westen geschafft. 2 Stunden habe ich gebraucht und mache eine Pause in der Sonne. Dann zur kleinen Passhöhe längs des Flusses Abhainn Gleann Shanndaig gen Westen. Überreste eines Hauses (sehr alt); der Untergrund wie gehabt: sumpfig (ach ja…) und hügelig. Auch dieses Teilstück zieht sich hin. Zum Glück werde ich gleich auf einen Pfad/Weg wechseln, dort sollte es angenehmer zu gehen sein. Von der Höhe in der Ferne Loch Langabhat, dahinter kleinere Berge.

wp_bd_Hebrides_13_03_1088Noch einige Meter weiter und der sehr lang gestreckte Fjord Loch Reasort Ist im Westen zu sehen. Davor eine kleine Hütte. Bis zu dieser Stelle war ich vor 2½ Jahren gelangt. Es ist nun noch sonniger geworden. Aber wo ist der auf der Karte angegebene Weg? Sowohl die OS-Karte als auch meine digitale Karte kündigen einen Weg an. Weg gefunden: etwas nieder gewalztes Gras, dadurch ist das Gehen aber genau so schwierig wie zuvor. Sumpfig und matschig ist auch dieser Weg. Auf dem GPS ist er als „unbefestigte Straße“ angegeben. Sehr interessante Beschreibung.

Aber jetzt wieder nach Norden. Die Berge von Harris entfernen sich und die Hügel von Lewis kommen näher. Im Sonnenlicht erstrahlt die Um­gebung. Wegen des Bodens komme ich aber weiterhin nur mühsam vorwärts – in dieser Hinsicht ist diwp_bd_Hebrides_13_04_1099e heutige Etappe sehr konstant. Pause an einigen Old Shielings – unklar, ob hier tatsächlich mal gewohnt wurde oder es nur Gemäuer zur Lagerung waren. Schon deutlich zu sehen ist ein Haus am nächsten Loch; Loch Morsgail. Dies ist Morsgail Lodge. Kurz vorher werde ich aber den „Weg“ verlassen und nach Westen ganz weglos fortsetzen. Ein Unterschied zwischen „Weg“ und weglos ist aber nicht feststellbar.

wp_bd_Hebrides_13_05_1112Zuvor soll noch ein Fluss auf einer „Footbridge“ gequert werden (in der OS-Karte ist zumindest ein „FB“ angezeigt). Die Brücke gab es wohl mal – jetzt sind nur noch ein paar Steine übrig. Stattdessen auf Stepping Stones hinüber. Einer ist so glatt, dass ich mich unfrei­willig hinsetze.

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Standard Sumpf- und Modderweg (ja, das gilt als Weg!)

Im Folgenden wie gehabt, Sumpf (… grüßen, Murmeltier) und Matsch, umgeben von Torf­abbrüchen und Modderflüsschen. Mir tun die Füße mittlerweile ziemlich weh, da hilft auch das gute Wetter nichts. Am Loch Duastal schließlich Ende für heute. Direkt an einem kleinen Fluss (leise!) findet sich eine ebene, grasige Stelle. Ohnehin ist das Ufer von Flüssen immer ein guter Kandidat für relativ trockene Stellen.

wp_bd_Hebrides_13_07_1130Zeltaufbau, im Zelt heute schon um 18:15. Kaffee, dann essen und erstmals auf der Tour gönne ich mir dann über eine halbe Stunde Nichtstun und Ausruhen. Dann noch mal aus dem Zelt, auch für ein paar Fotos. Windstill, und die Midges sind wieder da! Gehe zum Loch Duastal, die Wolken spiegeln sich im Wasser, kein Wind. Im Osten ist der Mond zu sehen. Eine sehr weite Landschaft mit ganz „hohem Himmel“. Ins Zelt (einschließlich einiger Midges) und Tagebuch schreiben. Ob ich morgen bis nach Uig gehe, entscheide ich unterwegs. Es sind noch ca. 7 km sumpfiger Weg, dann ca. 10-11 km auf einem „Track“, was auch immer dies sein wird. Mal sehen, eventuell heute letztes Mal „Wild Camping“ auf der Tour.

Loch Duastal – Uig/Lewis
Etappe 11

Loch Duastal

Aufstehen wieder ab 6:20. Heute ist Tag 14 der Reise. Noch ein oder 1½ Wandertage liegen vor mir. Wetter (vom Zelt aus): stark bewölkt, sieht zur Orientierung aber noch ok aus. Es tröpfelt leicht, kein Wind. Später ist eine kleine Auflockerung in der Bewölkung zu erkennen. Packen fängt an (8:15) und kurz vor 9:00 breche ich auf. Wetter ist unverändert; wegen der guten Wetterentwicklung in den letzten Tagen bin ich aber noch optimistisch, dass es besser wird. Ansonsten beginnt der Tag bzw. die Strecke, wie sie gestern aufgehört hat.

Hier hab‘ ich mal die genauere, aber ewig gleiche Schilderung von Sumpf und Co. aus dem Tagebuch heraus genommen.

wp_bd_Hebrides_14_01_1144Anstatt aufzuklaren wird es erst mal dunkler. Eher Herbstatmosphäre abends im November als ein Vormittag im September. Der Wind hat auch weiter gedreht, kommt nun aus West bis Süd-West. Dies bedeutet für mich etwas Gegenwind. Allerdings ist der Wind noch schwach. Einige Hügel/Berge im Westen rücken ganz langsam näher. Ich vermute, dass sie das lang gestreckte Tal begrenzen, das ich später noch entlang gehen werde. Ob ich es heute bis Uig schaffe, ist noch nicht entschieden. Obwohl ich derzeit nur langsam im Sumpf vorankomme; falls der Talweg tatsächlich ein richtiger Weg ist, dann sollte es langen.

Linker Seite (südlich) passiere ich mehrere Lochs mit unmöglichen Namen. Dann die Ruine eines Torfhauses – vergleichsweise gut erhalten.wp_bd_Hebrides_14_02_1159 Sogar der Kamin ist deutlich zu erkennen. Unglaublich, dass in dieser Einöde mal Menschen gelebt haben. Zeit für eine Pause. Heute werde ich mein ge­samtes Essenspaket ausnutzen: 2 Powerbar und 1 Snickers! Nun ja, die Sachen müssen auch weg. Nützt nichts, das für die nächsten Tage noch einzuteilen. In der „Zivilsation“ gewöhne ich mir dieses Powerzeugs binnen Minuten ab…

Schließlich setzt leichter Regen ein als ich mich Loch Tamnabhaigh nähere. Von dem ungleichmäßigen Gehen, ständigem Um­gehen von ... you get the idea!? … bin ich jetzt ziemlich fertig. Für eine Strecke von 5 km habe ich 3 Stunden gebraucht. Wobei die 5 km als Luftlinie zu ver­stehen sind, die ich nie gegangen bin.

wp_bd_Hebrides_14_03_1167Dann endlich am Fjord Loch Tamnabhaigh, wo der Weg beginnt/endet. Diesmal ist der Weg ein gut befestigter Schotterweg. Ist mir nicht ganz klar, wofür er angelegt wurde. Egal. Nach kurzer Pause drängt mich der Niesel­regen vorwärts. Der Wind hat nun noch stärker auf Süd-Süd-West gedreht, so dass ich den Wind meist im Rücken habe. Die ersten Schritte auf dem Weg fühlen sich fast wie Schweben an, so leicht ist es trotz des Rucksacks. Etwas vergeht meine gute Stimmung als ich sehe, dass es bis auf Weiteres bergauf geht! Na gut. Viel ist auch hier nicht zu sehen. Die Wolken hängen in ca. 300 m in den Hügeln. Der Weg führt bis auf 270 m hinauf, was ziemlich schlaucht. Trotzdem geht es viel schneller voran alswp_bd_Hebrides_14_04_1170 im … ja, genau! Von der Passhöhe aus ist in ca. 2 km der große Loch Reonasgail zu sehen. Hinunter zu diesem, der Wind hat nun deutlich zugenommen. Wegen des engen Tals wird die Wind­stärke wohl noch erhöht.

Ich bin schon davon ausgegangen, auf diesem Weg weder Menschen noch Autos zu begegnen. Dann – kurz hinter Loch Reonasgail – 2 Autos und 3 Personen die daneben stehen. Scheinen eher beruf­lich hier unterwegs zu sein – unklar was genau. Einer bietet einen „Lift“ nach Uig. Ich lehne ab, diese letzten Kilometer will ich dann doch noch gehen. Der Weg findet sich nun hin und her, schließlich gehe ich das letzte Stück querfeldein. Kurz zuvor war erstmals etwas vom Sandstrand in Uig zu sehen. Noch einmal über weiches, sumpfiges Gras, mein Begleiter in den letzten fast 2 Wochen. Und Begleiter des Lesers!

Thema Begegnungen: Heute zu Beginn noch eine Herde Rotwild gesehen, viel zu schnell sind die allerdings, dass ich ein Foto machen könnte. Schließlich auf der Straße und die letzten ca. 2 km bis zum Campingplatz – Uig Sands. Direkt am Strand ge­legen, als ich ankomme ist wohl gerade Ebbe, einige Leute gehen recht weit draußen umher. Leider weiter bewölkt, die Farbe des Meeres und des Sands kommen so nicht besonders gut zur Geltung. Zeltaufbau in Dünennähe. Nur relativ wenige Leute zelten hier. Es gibt immer­hin Wasser und Klos. Später noch ein kleiner Rundgang am Strand, anscheinend ist nun Flut, der Strand nur noch 2-5 m breit, und der größte Teil der Bucht nun wasserbedeckt.

Plan für morgen? Ich setze auf einen Request-Bus gegen Mittag, den ich aber noch bestellen muss. Im Zelt dann schreiben, während draußen das Meer rauscht!

Die Trekking-Touren (South Uist und Harris/Lewis) sind geschafft! Jetzt nur noch entspanntes „Ausklingen lassen“.

 

Uig/Lewis – Stornoway

Uig/Lewis

Heute früh (6:30) ist es erst noch bewölkt, schaut aber besser aus als am gestrigen Morgen. Ein eher harmloses Tier hat meinen Schuh als Zwischenstation entdeckt – eine Schnecke. Später kommt auch de Sonne raus.

wp_bd_Hebrides_15_05_1240Mache nach dem Frühstück einen kleinen Rundgang. Zunächst zu einer großen aus Eiche geschnitzten Figur, die eine Figur (den König) der Lewis Chessmen darstellt – ca. 2,50 m groß. Leider gibt es hier nur sehr spärliche Infos dazu. Immerhin ist Uig der wahrscheinliche Fundort dieser Figuren – vielleicht der Strand Tràigh Uige an dem ich gezeltet habe oder etwas weiter südlich bei Mealasta.

Und zum Teil auch verantwortlich für den „Berserker“ im „Trekking Berserker“.

Dann über die Dünen zu einem höher gelegenen Hügel mit tollem Blick über die Bucht. Die Bestellung des „Request Bus“ für kurz nach 12:00 folgt – hoffentlich klappt das auch.

Noch unklar, ob die Flut oder die Ebbe gerade kommt. Derzeit ist der Strand größtenteils noch wasserbedeckt. Schlendere am (Rest)-Strand und oberhalb in den Dünen umher. Der Himmel wird immer blauer, die Sonne kommt raus. Mittlerweile der fast klassische Blick auf einen weiten Sand­strand, begrenzt von grünen Wiesen und einigen Felsen. Selbst über die Bucht kann man nun ein gutes Stück gehen. Von den Wellen „gerillter“ Boden mit Restwasser.

Dann muss ich leider aufbrechen, ein bisschen „Programm“ habe ich noch für morgen geplant. An der Kreuzung Androil holt mich der Bus ab – sogar ein paar Minuten vor der Zeit. Die Fahrt in dieser Ecke von Lewis – um Uig herum – ist sehr in­te­ressant. Immer wieder küstennah, tiefe Fjorde, sonnenbeschienen. Die Fahrt geht über Cnip, das von dem Radfahrer empfohlen wurde. Wirklich dramatische Lage. Im weiteren Verlauf wird es auf Lewis deutlich flacher und landschaftlich nicht mehr so sonderlich aufregend.

Umsteigen in Gerrynahine und weiter nach Stornoway. Kurz vor dem „Zentrum“ verlasse ich den Bus und gehe den restlichen Weg zum Laxdale Camping­platz. Hauptsächlich Caravans hier, aber nicht voll. Kostet immerhin 18 £ für 2 Nächte (2 £ waren es in Uig – wobei der dortige Platz auch sehr basic ist).

Auf der Wiese nahe einiger Bäume will ich mein Zelt aufschlagen. Ein kleines Zelt steht in der Nähe. Plötzlich taucht hinter dem Zelt ein bekanntes Gesicht auf. Der Rad­fahrer, den ich auf Berneray (im Hostel) und später auch auf der Fähre nach Harris getroffen habe! Das ist ja ein Ding! Die Hebriden sind also wirklich nicht so groß. Wir sprechen kurz, was wir in den letzten Tagen gemacht haben. Er fährt dann per Rad in den Ort, ich baue mein Zelt auf.

StornowayDanach in die große Stadt; – vom Campingplatz zieht sich der Weg bis zum Hafen und Zentrum doch ziemlich hin. Über 2 km längs einer sehr stark befahrenen Straße – echt nervig.

StornowaySchaue am alten Hafen und in der TouristInfo vorbei. In der An Lanntair Gallery treffe ich den Radfahrer – heißt übrigens Simon und kommt aus Dundee – wieder. Gönne mir im HS1-Café dann ein Ginger Beer (Crabbie’s) und beende den Tag mit Souvenir-Shopping und etwas planlosen Umhergelatsche. Schließlich zurück zum Campingplatz. Morgen stehen noch Callanish und Dun Carloway mindestens auf dem Programm – eventuell auch noch Butt of Lewis.

 

Stornoway, Callanish, Carloway

Stornoway

Kurz vor 7:00, ziemlich kühl im Zelt und noch bewölkt. War aber wohl die kälteste Nacht seit dem ich auf den Hebriden bin. Später sieht das Wetter sehr vielversprechend aus.

Um 8:30 bin ich an der (angeblichen) Busstation. Es stellt sich aber heraus, dass hier nur Schulbusse halten. Kann aber auch sein, dass ich zu blöd war, den Fahrplan zu verstehen.

Von daher docCallanishh zu Fuß und etwas in ECallanishile, da ich den Bus nach Callanish unbedingt erreichen will. Mittlerweile blauer Himmel und nur ein paar Wolken! Noch rechtzeitig komme ich am Hafen an. Mit mir in dem großen Bus ist nur eine weitere Person. Die Callanish Stones kenne ich zwar schon, diesmal ist das Licht aber besser. Sieht direkt viel interessanter aus, diese uralte Formation. Allerdings sind heute auch einige andere Touris hier unterwegs. Schwierig, keinen im Bildausschnitt zu haben. Ist halt so, ich laufe anderen sicher auch vors Bild. Dadurch und da ich diesmal nur knapp eine Stunde Zeit habe, geht von der Atmosphäre dieses Orts doch vieles verloren.

Mache viele Bilder, eine Spinne hat am höchsten Stein ein Netz aufgespannt! Wie gesagt, das Mystische des Orts geht durch die Knipserei der Leute (einschließlich mir) verloren, interessant ist es trotzdem.

CarlowayDanach auf den Bus nach Carloway warten, das schon ¼ Stündchen später erreicht ist. Dun Carloway, ein Broch aus der Eisenzeit (über 2000 Jahre alt). Wurde wohl als Wohnhaus, Werkstatt und Ausblick genutzt. Liegt leicht erhöht, jedoch nicht auf dem höchsten Punkt der Umgebung. Dahinter ein paar Häuser des „neuen“ Carloway.

Vom Broch ist ziemlich viel erhalten. Von der runden Grundgestalt ist ca. die Hälfte des Mauerwerks noch intakt und reicht bis auf ca. 5 m hinauf. VielleCarlowayicht war das Broch ursprünglich also noch höher. Auch von innen ist es gut erhalten und begehbar. An der Außenmauer führen Stufen entlang. Die ganz Mutigen könnten sogar bis nach ganz oben gehen. Treffe dort noch eine Engländerin, die mir erzählt, dass der „Balkenstein“/ Headstone über dem Eingang eine Gravur hat, die erst ganz kürzlich – vor ca. 2 Monaten – entdeckt wurde.Tatsächlich, feine Linien/Rillen sind zu erkennen, die durchaus Zeichen bilden könnten. Das erzählt mir danach auch die Besitzerin des kleinen Shops beim Broch. Demnächst werden wohl Archäologen mit geeigneter Ausrüstung (entsprechende Kameras usw.) den Stein analysieren. Die Zeichen könnten piktisch sein.

wp_bd_Hebrides_16_09_1344Weiterhin Sonne, auf zur nächsten Station. Den Weg wp_bd_Hebrides_16_10_1347zum „Butt of Lewis“ spare ich mir aber – zu viel Fahrerei. Stattdessen geht’s nach Dalbeg, eine kleine Siedlung bzw. Bucht an der Westküste von Lewis – gar nicht weit von Carloway. Im Bus wieder der gleiche Fahrer wie heute früh.

Schon von der Straße ist nicht weit entfernt die Bucht mit einrahmender Steilküste zu sehen. Erst zum kleinen Strand (sogar 2 Schwimmer dort!). Dann steige ich auf den südlichen, grasigen Hang für einen besseren Überblick. Einige Fels­klippen stehen einzeln in der Bucht, nur für Vögel erreichbar. Etwas Wind fördert eine leichte Brandung der Wellen. Jetzt, die Sonne ist etwas gedämpft, sieht das Wasser in der Bucht tatsächlich türkisfarben aus.

Die Küste dürfte hier eine Abbruchkante zwischen 30-70 m haben. Also hoch genug, um besser nicht hinunterzufallen. Tolle Motive, komme kaum voran bei so vielen Fotos. Immer wieder einzeln stehende Klippen, Brandung herum. Die Küste ganz aus zu laufen und jede Bucht mitzunehmen würde sich ganz schön hinziehen. Andererseits mehr im Inland über die größeren Hügel zu gehen wäre Verschwendung. Also komme ich nur so weit, dass ich die nächste größere Bucht im Süden sehe.

Hier ist sonst niemand unterwegs. Nur ganz wenige andere Leute parken am Parkplatz, schleichen 100 m zum Strand und zurück. Meinet­wegen, so habe ich unverstellten Blick aufs Meer und die Bucht.

Danach noch eine letzte Busfahrt zurück nach Stornoway zu erreichen. Die Fahrt ist nicht sonderlich aufregend. Von der Küste relativ weit entfernt, dann gen Norden vorbei an leicht gewellten Heide-und Moorebenen. Keine Hügel oder Berge mehr in Sicht. Nach der Ankunft gehe ich wieder ins HS1, wieder mit Ginger Beer (diesmal Grouse).

wp_bd_Hebrides_16_14_1433Bevor ich‘s vergesse: nächste Woche ist in Schottland die Unabhängigkeits­ab­stimmung. Wenn nur die Hebriden abstimmen würden, wäre es ein klares Yes zur Unab­hängigkeit. Überall an den Straßen und Häusern sind Yes-Schriftzüge zu sehen. Es gibt auch No‘s, die sind aber sehr, sehr selten hier. Schaun‘ mer mal.

Ja, das ist ein gutes Beispiel, dass der Augenschein deutlich trügen kann, bzw. dass die Deutlichkeit mit der öffentlich für oder gegen etwas gestimmt wird, fast gar nichts über die tatsächliche Befindlichkeit aussagt. In der Zeit auf den Hebriden habe ich längs der Straßen und in den Orten wirklich sehr viel der Yes-Schilder gesehen. Bestimmt ein 95%-5% -Verhältnis zwischen Yes und No. Und das Resultat? Selbst auf den Hebriden war nur eine Minderheit bei der Abstimmung für Yes…

Das war’s dann fast. Zurück zum Campingplatz und noch einmal im Zelt übernachten.

Teil 1 Schluss