Barra & South Uist

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Der erste Teil der Tour auf den Äußeren Hebriden – Barra & South Uist

Auftakt auf Barra, dann entlang der Ostküste von South Uist mit einem Abstecher nach Howmore.

Castlebay – Loch Uisge

Etappe 0 / Prolog

 

Zurück von der Besichtigung von Kismul Castle, startet nun meine Wanderung über die Äußeren Hebriden.

Nach der Anlandung von Kismul Castle würde ich mich gerne noch kurz in einem Café entspannen. Das einzige am Ort schließt aber leider gerade, also mache ich mich um 16:00 zur ersten Mini-Etappe – eine Art Prolog – der Tour auf. Kurzes Umpacken, mein kleiner Rucksack samt Inhalt verschwindet im Großen. Am liebsten würde ich nun nur ca. eine Stunde gehen und dann mein Zelt aufbauen. Mit Flüssen und Seen ist es auf Barra aber eher mager, mal sehen, was sich so ergibt. Ich folge der Straße nach Osten in Richtung des größten Bergs (oder eher Hügel?) der Insel; Heabhal (384 m). Mit dem Ruck­sack geht sich es trotz der 20 kg flott. Vielleicht hätte ich auf diesem Asphaltboden – zudem noch ansteigend – aber langsamer machen sollen, später am Abend macht sich meine Achillessehne unangenehm bemerkbar. Ein Wagen hält sogar und bietet einen „Lift“ an. Sehr nett, aber ich will nicht schon auf den allerersten Metern gefahren werden. Zudem ist es nur noch ein kurzes Stück auf der Straße, bis ich diese verlasse und über eine über Moor- und Weide­landschaft zum Heabhal fortsetzte. Ca. 250 Höhenmeter sind es ab hier. Zwei andere Wanderer (ohne Gepäck) sind auch unterwegs, wir über­holen uns gegenseitig mehrmals (die nächste Begegnung mit Leuten, die ebenfalls zu Fuß unterwegs sind, werde ich erst über eine Woche später haben…). Ich gehe flott aufwärts, gar nicht so an­strengend. Weiter­­hin hoffe ich, einen Fluss oder kleinen See zu finden und halte danach ständig Ausschau.

wp_bd_Hebrides2014_02_04_0122 Kurz unterhalb des Gipfels steht noch eine Madonnen-Statue aus Marmor, ein ungewöhnlicher Anblick. Weiter zum Gipfel, hier wird es immer windiger. Für die letzten Meter habe ich mich meines Rucksacks entledigt – ist doch angenehmer. Von oben ein genialer Rundumblick! Ganz klein in der Bucht ist jetzt die Burg zu sehen und davor Castlebay, nach Süden verstreut die kleinen Inseln wie Vatersay und Sandray. Zudem die kleinen Ansiedlungen im Osten und Westen der Insel – Breibhig und Borgh.

wp_bd_Hebrides2014_02_05_0139Und – von hier oben ist auch endlich ein kleiner See auszumachen. Von der Größe her schaut das ganz gut aus. Leider muss ich nach dem Abstieg nochmals wieder bergauf. Ab nun vollständig weglos durch teils hohes Gras. Fast am Loch Uisge, noch mal ein Anstieg. Dann ein merkwürdig schneidendes Geräusch, hört sich an wie in einem Horror-Film (Der Sensenmann von Kismul Castle) – auch die Umgebung macht einen leicht gespenstischen Eindruck. Aber Entwarnung: Das Geräusch stammt von einem Mini-Windrad, daneben noch drei andere, die still stehen.

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Loch Uisge

Anscheinend wird der See auch als Wasserkraftwerk en miniature genutzt. Das Ge­räusch ist mir aber doch unangenehm, fast unheimlich. Mit etwas Abstand baue ich mein Zelt auf. Überall starker Wind – kann zunächst kaum einschlafen. Beim „Gang zum Bad“ habe ich ausnahmsweise keine Gamaschen an – und patsche prompt fast bis zu den Knien in ein Sumpfloch. Schuhe total nass.

Mittlerweile 21:00, fast dunkel, Wind und Regen! Dies und das schneidende Geräusch begleiten mich in den Schlaf…

Loch Uisge – Tràigh Mhòr

Etappe 1

Loch Uisge / Barra

Aufstehen ab 6:45. Müde, wegen des Winds habe ich lange nicht einschlafen können (kam aber kein Sensenmann). Nun weniger Wind aber kaum Sicht beim ersten Blick aus dem Zelt. Überhaupt kein schönes Wetter. Vereinzelt wirft der Wind Niesel aufs Zelt. Ich lasse mir morgens sehr viel Zeit, in der Hoffnung, dass es sich noch bessert.wo_bd_Hebrides2014_03_02_0169

Aufbruch erst kurz vor 10:00 bei leider unverändert schlechtem Wetter. Ganz grob Richtung Nord werde ich gehen. Leichter Niesel und Gegenwind in den ersten Stunden – genau dieses Wetter hatte ich auf meiner letzten Island-Tour sehr oft.

Erstes Ziel ist ein Chambered Cairn (Kammergrab). Zwischenzeitlich leichtes Aufklaren, dann aber wieder Niesel, manchmal Regen. Mein Schuh links wird immer feuchter und nasser. Das kann doch nicht nur am Regen liegen. Das Wasser blubbert schon aus dem Schuh heraus! Wie sich später heraus stellt, hat der Schuh am Schaft ein kleines aber nicht mehr reparierbares Loch – also die letzte Tour für diesen Schuh.

Das Cairn ist erreicht – wahrscheinlich ist die Lage auch wegen des (theoretisch) guten Ausblicks gewählt. Man erkennt aber eigentlich nur ein paar Steine, die nicht ganz wahllos aufgeschichtet sind. An einer Stelle war eventuell mal ein Eingang. Nun ja, diese Gräber sind mindestens 3000 Jahre alt, durchaus auch 6000. Da dieses Grab keinen speziellen Namen hat, habe ich keine weitere Information dazu gefunden. Grob gesagt ist es neolithisch, vielleicht auch erst aus der Bronzezeit.

Die Zeitangaben in diesem Bericht stammen teils aus “Uists & Barra – Francis Thompson”, zudem sind sie zusammengegoogelt. Wer also verlässlichere Quellen hat – gerne korrigieren!

Wringe erstmals meine Socken aus. Nützt wenig, kurz darauf fühlt es sich genau wie vorher an. Wobei, der Boden ist hier auch sehr feucht, nass, matschig, sumpfig.

Wieder etwas bergauf zum Dùn Bharpa (ca. 5500 Jahre alt). Eigentlich eine alte Befestigungs­anlage oder Wehrturm. Hier ist aber nur noch ein großer Steinhaufen zu sehen. Das Wetter ist jetzt sehr abwechslungsreich. Kurze Momente mit Sonne, danach tröpfelt es wieder. Mal wieder Socken auswringen, bevor es Richtung Taigh Talamhanta (Eisenzeit) geht, wo es ein „Aisled House“ gibt. Erstmals sind hier Pflöcke als Weg­markierungen, diese führen aber zur Küste Richtung Nord-West. Das „Asiled House“ besteht wirklich nur aus den minimalen Resten der Grundmauern. Mittlerweile ist das Wetter erträglicher geworden, vereinzelte Schauer sind die Ausnahme. Nach Nord einige einzelne Häuser, auch die „Ringstraße“ von Barra ist nur 1km entfernt. Ich folge nun doch der Markierung, so lässt es sich leichter gehen. War das „Aisled House“ wohl aus der Eisenzeit so gibt es nun zahlreiche Funda­mente von Gebäuden, die ca. seit den Clearances verlassen sind, also „nur“ ca. 150-250 Jahre alt sind.

Dann ist die Straße erreicht, über 3 Gatter muss ich noch klettern, bis ich freien Weg zur Küste habe. Dünen, Sand, und schon am Strand. Sonne kommt sogar etwas raus! Eben noch im Regen in den Hügeln, nun am Sandstrand – das ist echt Schottland! Vor mir eine weitere Halbinsel (Ceann Àird Ghrèin) mit Radar/Funkturm. Diese Richtung werde ich aber nicht einschlagen. Stattdessen zur Straße zurück und dieser folgen. Ziel ist der Flughafen und der Strand auf der westlichen Seite.

Vielleicht schaffe ich auch noch den nördlichsten Zipfel von Barra, dort soll es eine interessante Kirchenruine geben. Straßengehen bei noch erträglicher Verkehrsdichte.

Schließlich entschließe ich mich aber doch, wieder „Cross Country“ abzuzweigen. Bergauf und weglos, viel langsamer als zuvor. Wieder setzt Regen ein und erstmals fühlt sich der Rucksack eher schwer an. Endlich ist aber der höchste Punkt erreicht.

Super Blick nach Norden auf den weiten Strand von Eòlaigearraidh, türkisfarbenes Wasser; die Sonne hat den Regen bereits wieder verjagt. 2 kleine schwarze Punkte im Wasser. Tatsächlich 2 Schwimmer (oder Surfer) versuchen sich. Bis zum Strand ist es aber noch ein mühevoller Weg bergab.

Viele Buchten, in denen die Brandung gegen den Felsen schlägt. Von hier ist sogar der Flughafen bereits zu sehen, d.h. der „Tower“ dieses sehr speziellen Flughafens. Am Strand; Pause im Windschatten der Felsen. Die „ganz große Runde“ werde ich aber nicht mehr schaffen, da es ab 20:00 bereits dunkel wird. Daher nur noch ein kurzer Gang längs des nun ganz menschenleeren Strands, dann über die Dünen zum Flughafen.

Für heute ist der Flugverkehr aber bereits be­endet – Ebbe ist wohl vorbei, d.h. die Landebahn verschwindet nun langsam im Wasser.

Nun gilt es, einen Platz zum Zelten zu finden. Hoffe aber auf besseres Wasser als gestern und nicht zu viel Wind. Gehe noch ein Stück längs der Bucht An Oitir Mhòr, dann aber in diwo_bd_Hebrides2014_03_14_0240e Hügel. Kurz darauf finde ich schon einen Fluss, dazu auch noch ebene und trockenen Boden. Wind­geschützt ist es auch. Und nur ein paar Meter aus dem Zelt habe ich direkten Blick auf den Flughafen. Morgen will ich früh raus, um sicher zur Fähre zu kommen.

 

Lochboisdale – Loch Stulabhal

Etappe 2

Tràigh Mhòr / Barra

Aufstehen heute schon ab 5:30. Ich will wegen der Fähre bloß keine Hektik aufkommen lassen. Hab‘ gut geschlafen, diesmal kein Wind; auch beim Aufbruch kurz vor 8:00 schaut es weiterhin ganz gut aus. Nur ein paar Wolken. Ein kurzes Stück zur Straße, der ich dann bis zum Fähranleger am Ende von Aird Mhòr folge. Schon nach knapp einer Stunde bin ich am Anleger, also dicke Zeit. Es gibt sogar ein Wartehäuschen. Ganz gut, denn prompt fängt’s stark an zu regnen. Ist aber schnell vorüber. Die Fähre kommt! Dauert dann aber doch noch, bis man an Bord darf. Einige Autos (ca. 10) und auch ca. 10 Leute zu Fuß fahren nach Eriskay, der kleinen Insel südlich von South Uist. Im Ver­gleich zu der langen Fahrt von Oban nach Barra ist es recht teuer: 8 £. Gehe an Deck. Die Landzunge, die ich gestern noch für Eriskay hielt, sind 2 kleine Inselchen (Hellisay und Gighay) bei Barra. Gut ½ Stunde ist die Fähre unterwegs. Hinunter und in den bereits wartenden Bus. Mit mir sind’s 3 Passagiere, kurz vor Lochboisdale kommen noch 2 dazu. Lochboisdale ist so ein Ort, wo man nicht – wie auch immer – über’n Zaun hängen möchte. Kurz noch in die TouristInfo und Extra-Frühstück im Café, das gleichzeitig als Poststation dient (oder umgekehrt).

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Lochboisdale City Limits

Kurz vor 12:00 breche ich auf in die Hügel nördlich von Lochboisdale. Direkt hinter dem pink­farbenen Café führt der Weg von der Hauptstraße weg. Ein Stück Richtung West, um den Fjord Loch a‘ Bharp zu umgehen. Vorbei am Loch nan Smalag, der als Wasser­re­servoir genutzt wird, zur Passhöhe Coire na Cuilc. Bisher ein angenehmer Weg, zwar weglos, teils Heidekraut, teils sumpfig aber insgesamt gut gehbar. Spätestens ab der Passhöhe, wo ein starker Wind weht, wird es aber unklar. Die Büsche, Farnkraut und Kleinst­birken oft hüfthoch. Meine Powerbar Pause. Danach ein besserer Weg mit gutem Blick aufs offene Meer. Die Lichtverhältnisse wechseln ständig. Mal im strahlenden Sonnenschein, dann wieder nur etwas schattig und gedämpft. Ziel ist zunächst der Triuirebheinn. Dafür muss ich einen kleinen Bogen gehen.

Nun größtenteils auf Gras, teils auch Heidekraut, felsige und sehr steile Stellen können ohne Umweg umgangen werden. Checke das GPS, bin erst auf ca. 100 m, der Gipfel ist auf 360 m. Die Wegrichtung ist nun aber klar, die Ausblicke werden immewp_bd_Hebrides_04_05_1070008r besser. Längs der Ostküste von South Uist fährt gemächlich ein Frachtschiff, dann kommt die CalMac Fähre aus Lochboisdale; die ist ganz schön schnell! Ab ca. 250 Höhen­metern habe ich einen gewaltigen Blick nach Süden. Der Ort umgeben von Wasser, sind es Süß­wasserseen oder Meeresarme, die weit ins Land reichen? Lässt sich kaum sagen. Da­hinter geht der Blick bis nach Barra. Der Wind legt mit der Höhe deutlich zu. Versuche so zu gehen, dass ich nur Seitenwind habe. Endlich oben! Es bläst hier gewaltig. Super Ausblick.

Nach Norden der nahe liegende Stulabhal (scheint von hier so nah). Dahinter ist anscheinend schon Beinn Mhòr und Hecla (Thacla) zu sehen, teils aber in Wolken. Und auch Loch Stulabhal, den ich als ungefähres Tagesziel geplant habe, sieht von hier so nah aus. Nur den Berg runter und geschafft – denke ich mir. So einfach wird es aber leider nicht. Der Weg ist nun längst nicht so klar wie hinauf.

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vorne Loch nan Arm, dahinter Loch Stulabhal

Deutlich steiler, an vielen Stellen geht’s fast senkrecht bergab, dies muss immer wieder umgangen werden. Auch wieder hüfthohes Farn und Gebüsch, kaum zu sehen, wohin ich trete. Es geht nur Schritt für Schritt voran. Folge nun einer Schlucht bergauf, die zum Loch nan Arm, kurz vor Loch Stulabhal, führt. Loch nan Arm ist endlich in Sicht; matschig, weiter durchs Gestrüpp. Plötzlich sinke ich mit dem linken Bein ganz tief ein. Mindestens knietief, eher bis zum halben Oberschenkel! Bin in eines der Flüsschen getappt, die hier gut versteckt sind. Die Gamasche hat einiges abgehalten, trotzdem ist der Schuh nun wieder richtig nass. Am Loch nan Arm suche ich vergebens einen Platz zum zelten. Alles mit hohem Gebüsch und Farn oder Sumpf umgeben. Weiterhwp_bd_Hebrides_04_09_1070050in ganz langsam, nach dem Schrecken mit dem Einsinken erst recht. Ob an Loch Stulabhal ein Zeltplatz zu finden sein wird?! Aber ich finde schon kurz vorher etwas. An dem Flüss­chen, das die beiden Lochs verbindet, gibt es tatsächlich ebene und trockene Flächen! Ge­schafft! Am gluckernden Bach eine windgeschützte Stelle. Im bunten Farn baue ich das Zelt auf.

Ausruhen, Kaffee und Essen. Später abends dann absolut geniales Licht, das in mein kleines Tal geworfen wird. Die Büsche, der Farn scheinen geradezu zu brennen! Viele Fotos, auch als die Sonne über Loch Stulabhal verschwindet.

Bis auf meine vom Abstieg strapazierten Füße geht’s mir gut, mal sehen, wie’s morgen weiter geht.

 

Loch Stulabhal – Howmore

Etappe 3

Loch Stulabhal

Aufstehen am Sonntag um 6:45. Windstill, aber noch bewölkt. Kurz zwei Schritte vors Zelt. Sind ja doch Midges hier! Für mich tatsächlich eine neue Erfahrung. Die Midges dürften wohl die Haupteinwohner von Schottland sein. Da ich bislang aber immer im Frühjahr unterwegs war, hatte ich bisher nicht das Vergnügen, deren Bekanntschaft zu machen. Hätte darauf auch verzichten können… Wieder ins Zelt, da merke ich ein recht unangenehmes Jucken an Gesicht und Beinen. Durch die Zeltluke sehe ich dann, wie die Luft geradezu flimmert, alles voll von den winzi­gen Dingern. Und meine Arme sind übersät von kleinen roten Punkten. Alles zerstochen! (oder zerbissen?!) Dann noch eine Zecke im Ober­schen­kel. Diese „eine Minute mal schnell raus in Unterhose“ war wirklich keine gute Idee. Überhaupt nicht… Im Zelt sind auch schon einige Midges. Lege nun mein Moskitonetz an und bereite so viel wie möglich im Zelt schon vor, um draußen dann nur noch schnell das Zelt abbauen zu müssen.

wp_bd_Hebrides_05_01_0367Mittlerweile scheint die Sonne; alles bunt um mich herum, wenn nur diese Viecher nicht wären. Zeltabbau und Rucksack packen in Rekord­zeit, dann sofort los. Nur ein Stück wieder zurück zum Loch nan Arm, dann setzt ein ganz leichter Wind ein. Genug, dass die Midges Flugverbot haben und ich das Moskitonetz ab­nehmen kann – also etwas Entwarnung. Aufsteigend nach Nord, der Hang noch im Schatten. Spärliche Ruinen einer Siedlung tauchen auf. Wechsle auf die Sonnenseite des Tales und habe schon Blick aufs Meer. Direkt am Meer liegt noch die alte verlassene Siedluwp_bd_Hebrides_05_02_0375ng bei Caolas Stulaigh – leider versperrt ein relativ hoher Rotwildzaun den direkten Weg dorthin. Also aufwärts jetzt zum Stulabhal. Der Gipfel ist von hier noch nicht zu sehen. Auf Schafspfaden und mit Zig-Zagging geht es den Gras bewachsenen Berg hinauf. Sehr sonnig, manchmal gibt eine Wolke kurz Schatten.

Der Stulabhal ist auf 374 m; diese Höhe erscheint zahlenmäßig wie nichts, trotzdem ist der Ausblick von oben bereits sehr schön. wp_bd_Hebrides_05_03_0386Unter größtenteils blauem Himmel liegt nördlich unter mir Loch Snigiscleit, dann ein kleiner Hügel und dahinter der Loch Aineort. Dies ist bereits ein Fjord, der fast bis an die Hauptstraße – die A865 – heranreicht. Und nördlich davon ein Ziel des nächsten Tages; der Beinn Mhòr. Dies ist der höchste Berg auf South Uist mit immerhin 620 m – sogar der höchste Berg der Äußeren Hebriden abgesehen von Harris.

Zahlreiche Fotos mit Loch Snigiscleit schließen sich an. Der Abstieg verläuft zunächst sehr angenehm, dann aber doch steiler werdend und mal wieder durch höhere Büsche und Farne – das kenne ich doch schon von gestern. Als ich schließlich die kurze Passage zwischen Loch Drollabhat und Loch Snigiscleit erreicht habe, ist das Wetter leider wolkiger geworden. Über einen Pass und dann neben dem Flüsschen Abhainn Ghleannain zur Straße südlich des Loch Aineort.

Am (wohl ehemaligen) Anleger liegt ein Schiff – genauer ein Schiffswrack. Seetang, Löcher im Rumpf. Dahinter die Ruine eines Hauses und ein Baum – dieser schief gelegt vom Wind. Zusammen mit dem immer düsterer werdenden Himmel ein Bild der Vergangenheit.

wp_bd_Hebrides_05_07_0459Dann längs der Straße, die zur Haupt­straße führt. Hier gibt es auch zahlreiche intakte und bewohnte Häuser. Ich begegne aber auch auf diesem Abschnitt nie­mandem. Nur 2 oder 3 Autos überholen mich bzw. kommen mir entgegen.

Nun setzt doch Regen ein. Da der Wind weiterhin aus Süden kommt, ich aber Richtung Nord-West gehe, ist dies aber halbwegs auszuhalten. Ich entschließe mich, längs der Westküste nach Howmore zu gehen. Die Alternative – eine Um­gehung des Loch Aineort – wäre auch noch eine Variante. Dann wwp_bd_Hebrides_05_08_0466äre ich für den nächsten Tag schon recht nah am Beinn Mhòr. So kann ich mir aber noch den Strand von South Uist und die alte Kapelle von Howmore anschauen.

Von der Hauptstraße folge ich dem weiterhin as­phaltierten Weg nach Ormacleit. Wind und Regen werden stärker. Deswegen fällt auch der Abstecher zu den Ruinen von Castle Ormacleit aus, dies hätte ein Stückchen Richtung Süd, also Gegenwind, bedeutet. Und als Gegenwind ist die Windstärke nun schon im Bereich „kein Spaß“ angekommen…

Auf den Machair-Wiesen vor der Küste treffe ich einen Bauern, der versucht, die Gänse zu verscheuchen. Vogelscheuchen, laute Böller und Umherlaufen sollen verhindern, dass zu viel von der neuen Saat direkt von den Gänsen vertilgt wird. Dann bin ich am Strand. wp_bd_Hebrides_05_09_0468So riesig breit ist der hier nicht, vielleicht ca. 30 m. Da hatte ich von den „Hebridean Beaches“ etwas mehr erwartet. Kann aber auch sein, dass gerade Flut ist.

Der Himmel jetzt über­wiegend grau. Teilweise weicht der Sandstrand auch eher steinigen Abschnitten – die nicht ganz so angenehm zu gehen sind – und die auch einen Wechsel auf den nur gering­fügig höheren Deich notwendig machen. Eine weitläufige Dünenlandschaft gibt es hier nicht. Kurz vor Howmore wird der Strand breiter (jetzt doch „Hebridean Beach Style“), die Wolken reißen auf, etwas Sonne kommt heraus. Resultat ist ein ganz klares Licht, das den Strand nun weiß und die Landschaft da­hinter in einem klaren Grün erstrahlen lassen. Dazu sogar noch ein Regenbogen!

Kurz vor 19:00 bin ich in Howmore. Stelle dann mein Zelt in halbwegs windgeschützter Position hinter dem Hostel auf. Auf morgen verschiebe ich die Fotos von der hiesigen Kapelle nebst Friedhof, mittler­weile ist es zu dunkel dafür.

Ein langer Tag, aber meine Füße haben sich trotzdem erholt. Morgen geht’s wieder Richtung Ost zum Beinn Mhòr und Hecla.

 

Howmore – Glac Lamasaig

Etappe 4

Howmore

Morgens um 6:30 ist es noch etwas bewölkt, leichter Wind. Der Plan, in die Hügel um Hecla zu gehen, sollte aber möglich sein. Allmorgendliche Zeckenkontrolle: ca. 6 Zecken am linken Oberarm. Wer weiß, wo ich noch welche mit mir herumtrage. Vor dem Aufbruch noch eine ausführliche Fotosession: Die Ruine der Kapelle (Mittelalter, zerstört bereits um 1560) und der alte Friedhof von Howmore.

Aufbruch, auf dem Stück bis zur Hauptstraße begeg­net mir nur ein alter Mann. Längs der Hauptstraße auch keine Personen, aber recht viele Autos. Ich gehe ein Stück nach Süden zurück, um dort den Einstieg zum Beinn Mhòr zu finden. Kurz vor einer Baumgruppe (ein seltener Anblick auf den Hebriden!) verlasse ich die Straße nach Osten und folge einem Forst­weg. Auf ins offene Land. Dieser Weg endet auch bald. Einige Säcke mit Torf stehen wp_bd_Hebrides_06_03_0501hier herum. Nur noch vereinzelt ist ein Pfad auszumachen. Es geht leicht aufwärts, die kleinen Siedlungen der Westküste sind kaum mehr zu erkennen. Mein eigentliches Ziel, der Beinn Mhòr in Gehrichtung. Etwas nord-östlich daneben der Beinn Chorodail; in dessen Gipfel­bereich eine deutliche Steilflanke. Mal sehen, ob ich auf diesen Berg auch noch gehe. Dafür wäre aber sicher ein vollständiger Abstieg vom Beinn Mhòr und erneuter Auf­stieg not­wendig.

wp_bd_Hebrides_06_05_0525Aufstieg recht einfach über Gras, hier sind ab ca. 100-200 m auch keine größeren Büsche mehr. Leider zieht es nun doch etwas zu. Insbesondere im Gipfelbereich des Beinn Mhòr hängt schon länger eine Wolke. Auf Aussicht von dort kann ich also eher nicht hoffen. Bis auf 550 m ist die Sicht noch so einigermaßen. Ich lasse den großen Ruck­sack zurück und gehe das restliche Stück mit kleinem Gepäck. Praktisch sofort bin ich im Nebel bzw. in der Wolke. Auf ca. 610 m ein großer Steinhaufen; das sieht wie der Gipfel aus. Sicht ist wie erwartet praktisch Null. Noch weiter zu gehen, erscheint mir daher sinnlos. Nach späterer Kontrolle auf der Karte ist der echte Gipfel anscheinend noch ca. 10 m höher, aber ca. 600 m Gehweg entfernt. Naja, nicht schlimm, dass ich darauf verzichte.

Wieder zurück zuwp_bd_Hebrides_06_06_0540m großen Ruck­sack und besserer Sicht. Ziel ist nun das Gleann Uisinis und der Loch Coradail. Der Ab­stieg ins Gleann Heileasdail ist deutlich schwieriger als der Aufstieg (wieder die gleiche Erfahrung wie schon in den letzten Tagen). Teils steile Stellen, dann sumpfig, hohes Buschwerk. Ca. 2½ Stunden brauche ich, um schließlich bis zum Loch Heileasdail zu gelangen. Ab hier hoffe ich auf eine „einfache Küstenwanderung“ – aber absolut vergebens!

Auf der Karte habe ich zwischen Loch Coradail und der Küste die Über­reste einer Siedlung entdeckt. Luftlinie sind dwp_bd_Hebrides_06_07_0554ies nur knapp 3 km. „In Echt“ sicherlich länger, sollte das in ca. 2 Stunden durchaus gemütlich machbar sein. Da habe ich mich aber sehr geirrt! Die Halbinsel Rubha Heileasdail hinter mir lassend gehe ich gen Norden durch voll­kommen weglose Gegend. Mal für wenige Meter ein Schafspfad, der dann aber im Sumpf, meistens aber in hohen Büschen und Farnen verschwindet. Das sieht zwar sehr schön bunt aus, ist aber extrem anstrengend. Bei fast jedem Schritt muss ich schauen, wohin ich trete, auch sind kleine Bäche unter den Büschen verborgen. Zudem ein ständiges Auf und Ab. Hinunter ins Gleann Choradail, dann wieder steil hinauf. Die nächste Bucht ist bereits zu sehen, hinunter in die Bàgh Lamasaigh soll es gehen. Der Weg wird steiler, die Büsche höher. Gehe vorwärts, meist findet sich hinter den „blinden Hügeln“ dann doch ein gangbarer Weg. Hier am Glac Lamasaigh aber nicht mehr!

Stattdessen Midges ohne Ende, da es fast windstill ist. Eine erste Steilstelle schaffe ich noch. Wirklich nur einzelne Schritte sind möglich. Sehr steil, das Gelände so sumpfig und matschig, dass ich bei zu festem Auftreten direkt einen kleinen Erdrutsch auslösen könnte und unkontrolliert abwärts schlittern würde. Die Midges „zwingen“ mich ins Mücken­netz. Finde jetzt keine geeignete Abstiegsstelle mehr. Versuche noch ein Steilstück, das sich längs eines Felsabbruchs schlängelt. Halte mich teilweise an den Büschen fest – so sollte man eigentlich nicht wandern, wirklich sicher ist es nicht. Nun sind es nur noch gut 5 m bis zu einer ebenen Fläche. Aber es wird anscheinend noch steiler. Genau ist dies aufgrund der Büsche und Farne nicht zu erkennen. Das erscheint mir nun doch zu gefährlich. Ich breche dieswp_bd_Hebrides_06_10_0564en Abstiegsversuch ab! Leichter gesagt als getan. Ich komme kaum wieder hinauf. Gefühlt 90° (in echt eher 50°) geht es hinauf. Aber praktisch keine Möglichkeit, mich irgendwo abzudrücken oder hinauf zu ziehen. Nur sumpfig und matschig, kein Gestein. Greife mit den Händen tief in den sumpfigen Untergrund und ziehe mich auf allen Vieren mit dem – nun sehr schweren – Rucksack hinauf. Endlich ge­schafft! Oberhalb des Glac Lamasaigh komme ich schließlich wieder in halbwegs ebenes Gelände. Die ganze Abstiegs-und Aufstiegsaktion hat ca. 1½ Stunden gedauert; Wegfortschritt 0 Meter.

Im Nachhinein kann ich über diese Aktion nur noch den Kopf schütteln. War eigentlich schon recht schnell ersichtlich, dass der Abstieg dort mindestens “sehr unangnehm” wird…

Jetzt nur noch einen Platz für das Zelt finden! Alles sehr uneben hier, das Wasser sieht auch nicht so toll aus, eher etwas brackig. Einen halbwegs guten Platz – jedoch mit deutlicher „Hanglage“ – finde ich dann doch noch. Muss später noch unbedingt überprüfen, wo laut Karte eine bessere Abstiegs­möglichkeit besteht. An­sonsten müsste ich weit zurück und über den Beinn Choradail weiter nach Norden gelangen. Bin heute echt kaputt, das Tagebuchschreiben entfällt.

 

Glac Lamasaigh – Loch Spotail

Etappe 5

Glac Lamasaigh

Sehr, sehr schlecht geschlafen. Wegen der „Hanglage“ konnte ich mich nie richtig ausstrecken. Kaffee und Müsli, hab‘ wenig Trinkwasser. Das Ergebnis der Zeckenkontrolle: 5. Draußen: teils leichter Nieselregen, meist aber trocken. Höre manchmal Geräusche, das muss wohl vom Rotwild sein. Gegen 9:15 Auf­bruch. Fühle mich nun einigermaßen fit, als der Niesel­regen sich endlich verabschiedet. Wind weiterhin aus Süd, aber bewölkt.

Gehe nun erst fast bis zur Klippe und dann längs der Küste. Laut Karte dürfte es hier – direkt am Meeresufer – nicht so steil sein. Tatsächlich, hier schaffe ich es endlich in die Bucht zu kommen, die ich auch gestern schon seit Stunden gesehen habe. Von dort schaue mir den Steilhang an, an dem ich gestern gescheitert bin. Größtenteils Steilklippe, wenige bewachsene Ab­hänge, aber auch sehr steil. Von unten schaut das zwar nicht mehr ganz so schlimm aus, trotzdem war‘s richtig, dort nicht unbedingt abzusteigen.

Weiter, nun bin ich zwar unten, aber der nächste Aufstieg gen Druim Lamasaigh folgt sofort. Erst über Gras, dann auch noch Farn und hohes Weide­­kraut. Der dann folgende Abstieg ist wieder „Bush Wracking“. Selbst die Pfade vom Rotwild verschwinden hier. Wo immer ein kleiner Bach ist, sind auch die Ufer­bereiche im Ab­stand von bis zu 100 m dicht bewachsen. Manchmal braucht‘s aber gar keinenwp_bd_Hebrides_07_03_0584 Bach dafür. Dieser Teil der Ostküste von South Uist ist so das schwierigste und anstrengendste, das ich in Schottland bisher gemacht habe. Wälder von Farn und Weidesträuchern, teilweise noch verseucht mit Midges. Der Cape Wrath Trail ist dagegen fast schon eine Wanderautobahn. Ok, das ist etwas übertrieben, aber über mehrere Kilometer nur Schritt für Schritt vorwärts zu kommen, ist schon etwas speziell…

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Bàgh Ui­sinis

Danach normalisiert sich der Weg endlich. Gras bewachsen längs der Küste. Jemand hat einen Plastikstuhl hier hingestellt. Wohl wegen der guten Aussicht. An einer Hütte vorbei (Bothy oder Jagdhütte) mache ich in der weiten Bucht Bàgh Uisinis Pause. Nun kann ich mir überlegen, ob ich noch auf Hecla aufsteige. Das Wetter ist unverändert, es wäre auch noch genügend Zeit. Weiter Richtung Nord, fast eben. Dann stoße ich sogar auf einen Weg, einen Jeep-Track. Gut – so geht es sich angenehmer. Andererseits ist der Weg sehr, sehr matschig. Immer wieder muss ich hier Umwege gehen.

Entschluss gefasst: Hecla nehme ich noch mit (Hekla mit K habe ich für 2015 in der Planung, leider blieb es aber bei der Planung). Luftlinie sind‘s 2,3 km, ich starte bei ca. 50 Höhenmeter und muss auf ca. 600. Einen „offiziellen“ Pfad gibt es nicht – gibt’s aber bei keinem der Hügel, Berge, Corbetts, Grahams auf den Hebriden. Corbett, Graham, wer, was?! Wer in Schottland wandern war, wird es wissen; ansonsten kurz googeln!

Packe meinen kleinen Rucksack, nehme die Koordinaten des Großen und los geht‘s. Sehr flott komme ich so aufwärts. Erst noch über Heidekraut, dann grasige Hänge. Bis ca. 400 m sind die noch relativ steil (also im Zig-Zagging hinauf), danach flacht es ab. Erstmals toller Blick nach Norden. Viele kleine Seen, dann Loch Sgiopoirt. Dahinter wird‘s flach und South Uist ist es auch schon zu Ende. Benbecula hat anscheinend gar keine Erhebung. Und noch weiter entfernt ist vage ein Hügel auszumachen, das dürfte der Eabhal auf North Uist sein.wp_bd_Hebrides_07_07_P1070333

Leider ohne Sonne, die Sicht könnte also besser sein. Ab nun geht‘s sich einfach. Zunächst auf einen Vorgipfel, von dort noch besserer Blick nach Norden und die schon bekannte Sicht auf die Strände und Machair im Westen. Nach Süd Hecla in Sicht, dahinter Bheinn Mhòr, der gerade mal nicht in Wolken verborgen ist. Ein guter Wind geht hier oben. Zur Hecla nur noch ein klein wenig bergab, dann wieder bergauf und es ist geschafft. Ruhe mich hinter den Gipfelsteinen aus. Einige bedroh­­liche Wolken kommen auf. Von daher beende ich meinen Aufenthalt hier sehr schnell.

wp_bd_Hebrides_07_05_0638Kaum bin ich aufgebrochen, da zieht es richtig zu und fängt an zu regnen. Gut, dass ich einige GPS-Punkte beim Aufstieg genommen habe, so geht’s auch trotz der schlechten Sicht. Nach ca. 20 Minuten ist der Regen aber wieder vorbei und es klart sofort auf. Zurück beim Rucksack, der ist auch noch da!

Folge nun dem Jeep-Track, der aber immer schlechter wird. Kann mir nicht vorstellen, dass ein normales 4×4-Fahrzeug da noch durch kommt. Steige bis zum Loch Spotail ab. Bin nun zu kaputt, um noch viel weiter zu gehen. Dafür gibt es aber auch keine Notwendigkeit. Für morgen muss ich nur bis zur Hauptstraße (ca. 6km) und dann im Bus nach North Uist.

wp_bd_Hebrides_07_06_0643Finde heute einen sehr schönen Platz für das Zelt; direkt am Loch – nur ein Meter Abstand. Dahinter ein Talkessel und der Beinn na h-Aire mit dem Coire na h-Eitich davor.

Später noch Tagebuchschreiben und auch eine abendliche Zeckenkontrolle. Schon wieder einige Kandidaten dabei.

Eigentlich geht’s mir ganz gut. Nur die Zecken und Midges nerven gewaltig. Und meine Klamotten stinken, ich vielleicht auch – ok, das ist eher belanglos.

Loch Spotail – Loch Druidibeag / Geirinis

Etappe 6

Loch Spotail

Stehe schon um kurz nach 6:00 auf, um ganz entspannt den Bus zu erreichen. Wetter derzeit windstill und trocken. Essen, Kaffee und nochmals Zecken­­kontrolle. Dann Aufbruch gegen 8:40. Bei weiterhin trockenem aber bewölktem Wetter über Gras und Sumpf am Loch Spotail entlang.

Relativ einfach und unspektakulär ist der Weg heute. Bald bin ich schon am Loch Druidibeag. Wenn ich so weiter gehe bin ich schon gegen 12:00 an der Hauptstraße, das wäre viel zu früh. Also langsam machen. Außerdem nehme ich nicht den Weg längs der Nebenstraße sondern gehe weiter durch das sumpfige Gebiet. Schöner Blick auf die Berge der letzten Tage. wp_bd_Hebrides_08_03_0666Im Vergleich zu den letzten Tagen ist das heute aber ein vollkommen unspektakuärer Weg Kurz vor 13:00 bin ich aber dann doch an der Bus­halte­stelle – das heißt, es gibt eine Überdachung, die nach Haltestelle aussieht. Über eine Stunde müsste ich hier noch warten, das gefällt mir überhaupt nicht. Gehe langsam noch bis zur nächsten Station, gut 1 km. Wobei, eigentlich kann man auch an (fast) beliebiger Stelle in den Bus einsteigen.

Das Wetter ist gut, sogar etwas Sonne ist heraus gekommen. Angekommen, noch ca. 50 Minuten Zeit. Warten – dann hält ein Motorradfahrer neben mir, wir reden etwas. Er wartet noch auf seine Mitfahrer. 14:00, der Bus müsste in 2-3 Minuten kommen. Eigentlich ist die Stelle hier etwas blöd, ein „blinder Hügel“, man sieht die Fahrzeuge erst wenn sie nur noch ca. 30 m entfernt sind. Dann kommt ein Bus – großer Reisebus – und fährt durch. Ich sehe etwas wegen „Hebridean Coaches“. Eigentlich hatte ich einen kleineren Bus, einen Postbus, erwartet. Auch die nächsten 10 Minuten kommt nichts. Das war mein Bus!! Und ist einfach durchgefahren! Warum?!? Naja, zum einen ist die Stelle vielleicht doch keine „richtig offizielle“ Haltestelle (hatte ich nur von google earth). Und wegen des Motorradfahrers sah es aus, als ob 2 Personen um ein Motorrad herumstehen.

Trotzdem: maximale Scheiße! Ich stehe extra früh auf, bin 2 Stunden vor dem Eintreffen des Busses fast schon da und verpasse ihn trotzdem! Auch ein Kunststück! Und jetzt? Per Anhalter? Kurzer Versuch, dann gehe ich die 2 km bis zur nächsten Haltestelle. Hier gibt‘s einen Unterstand, wohl wirklich ein „offizieller“ Haltepunkt. Geirinis oder so heißt das Örtchen.wp_bd_Hebrides_08_04_0672 Versuche es nochmals per Anhalter, aber niemand hält. Werde also hier bis kurz nach 16:00 warten. Mal sehen, ob ich dann bis in den Norden von North Uist komme. Eigentlich ist das Busnetz auf den Hebriden ganz gut, überraschend gut.

Das Wetter ist heute so gut wie schon lange nicht, aber was hilft‘s. Versuche es ein paar Mal noch mit dem Daumen, aber ohne Erfolg.

Bisher waren meine Anhalter-Erfahrungen in Schottland ausgesprochen gut. Einmal hielt bereits das allererste Auto an, dann war’s mal so Nummer 10. Also eine sehr gute Statistik. Fairerweise sei gesagt, dass die meisten Autos in das Örtchen abbiegen, also gar nicht so viele in meine Richtung fahren.

Endlich ist es 16:00 durch, da kommt der Bus – und hält auch. Werde zwar umsteigen müssen, aber egal. Erst bis zu einer Schule auf Benbecula, dann ½ Stunde Stopp, auf North Uist nochmal umsteigen. Über Benbecule kann ich nicht viel sagen. Vom Bus aus schaut es nicht sonderlich anziehend aus – kann aber in Echt durchaus hübsch sein.

Auf North Uist Fahrt längs der Küste. Anscheinend gerade Ebbe, weite Sandstrände und Wattgebiete. Kurz vor 19:00 endlich angekommen in Solas beim Bed & Breakfast Rowan Tree (diese unbezahlte Werbung sei erlaubt, das B&B war wirklich gut!). Das Zimmer ist riesig und sehr gut. Mein voraus geschicktes Paket ist auch da. Duschen und dann zum kleinen Supermarkt, ein paar Kleinigkeiten kaufen.

Später wieder Zeckenkontrolle und „rote Punkte zählen“ – Midges. Sind insgesamt bestimmt so ungefähr 100 Stiche. Mein Ärger wegen des Bus hat sich schon gelegt. Heute war ja nur Kurzstrecke angesagt, morgen wird es noch entspannter.

Intro Teil 2