Äußere Hebriden

wp_bd_StoryPic_2014_8ff_500px

 

Planung

Die Äußeren Hebriden – Schottlands Westküste vorgelagert – habe ich erstmals 2012 kennen gelernt. Damals war ich nach dem Skye Trail noch für einen kurzen 5-Tages-Trip in den North Harris Hills unterwegs. Zwischen Miabhaig, Huisinis und Loch Reasort ist man praktisch ständig sowohl am Meer als auch in den Bergen. Ausdrücklich nutze ich die Bezeichnung „Berge“. Auch wenn keine der Erhebungen auf North Harris den Munro-Status erreicht (erst Recht nicht auf den anderen Inseln der Äußeren Hebriden) ist dies aufgrund der Abgeschiedenheit und Unwegsamkeit des Geländes berechtigt. Sie nur als bessere Hügel anzusehen mag zu einer gewissen Leichtsinnigkeit verführen.

North Harris – also nicht die „ganzen“ Äußeren Hebriden? Gut, dies muss ich eingestehen, ich habe also „nur“ etwas von Harris gesehen. Dies hat mir aber so sehr gefallen und die wenigen spärlichen Beschreibungen zudem gereizt, in diese Region nochmals für eine längere Unternehmung aufzubrechen. Genauer gesagt, schwebte mir eine Trekking Tour vor, die mich möglichst über alle Inseln – von Barra bis zum Butt of Lewis – führen sollte.

Die ersten Erkundigungen und Recherchen in dieser Hinsicht waren aber wenig vielsprechend. „Mainland“ Schottland ist mit Langstreckenwanderungen unterschiedlichsten Bekanntheits- und Schwierigkeitsgrads geradezu zugepflastert, nicht jedoch diese Inselkette. Wobei – eigentlich sollte es doch genau dafür gut geeignet sein: Recht dünn besiedelt, die Berge und Hügel von vergleichsweise geringer Höhe.

Von einem Buch / Bericht namens „The Timeless Way“ erfuhr ich über’s Internet; eine Verkaufsquelle war (damals) aber nicht zu ermitteln (dies hat sich aber mittlerweile wohl geändert). Erst in einer Londoner Buchhandlung fand ich dann zufällig „The Timeless Way“ von Peter Clarke. Gesehen, gekauft! Das sollte mir doch ein paar Tipps und Hinweise für meine Unternehmung geben. Aber schon die ersten Zeilen enthielten eine Enttäuschung; „Over 50% of the route described is off road” heißt es dort… Also sind die anderen 50% „on road“; direkt an Straßen? Tatsächlich; als Grundlage für „meine“ Tour konnte ich es kaum nutzen. Straßen- und Asphaltlatscherei lassen sich ja oft nicht ganz vermeiden, aber ein so hoher Anteil ist dann doch ein „no go“.

Auch eine andere Quelle, die ich dann noch fand – John’s Timeless Way Challenge – beschreibt einen Weg mit einer ähnlichen Charakteristik (dort ist es zudem eher eine Folge von mehreren Tagestouren denn eine Trekking Tour).

Trotzdem; insbesondere das Buch kann ich als Einstimmung, Vorbereitung und Information über die Äußeren Hebriden sehr empfehlen. Nur als „richtige“ Trekking-Tour geht das dort Geschilderte nicht durch.

Von einer ganz „richtigen“ und „sauberen“ Trekking-Tour (á la „Unsupported“) nahm ich daher Abstand und passte eher meine Vorstellungen etwas an: Möglichst viele der Inseln wollte ich gehend / trekkend bereisen. Kurze Unterbrechungen sind aufgrund der Insellage (an 2 Fährpassagen und mehreren Dämmen kommt man nicht vorbei) ohnehin nicht zu vermeiden.

Die dabei entstandene Planung entspricht weitest gehend tatsächlich der Tour, wie ich sie im Folgenden beschreibe. Vorhandene grobe Beschreibungen von Tagestouren und Kurz-Wanderungen kombinierend stellte ich mir mehrere kleine Trekkings auf den Inseln zusammen. Das „Anforderungsprofil“ war eigentlich ganz einfach: Abwechslungsreich (also nicht ständig am Sandstrand entlang) und hebridisch – das heißt Wasser, Berge, Meer und das alles fast gleichzeitig!

Auch wenn ich keinen „Barra to Butt of Lewis“ Trekk unternommen habe und nicht wüsste, dass es so etwas gibt: Wer eine längere zusammenhängende Tour auf den Inseln kennt oder besser noch unternommen hat – die auch die Bezeichnung „Trekking“ verdient -, möge mir das gerne mitteilen. Interesse an weiteren Reisen auf die Äußeren Hebriden habe ich nach dieser nämlich erst Recht.

Auf zu den Äußeren!

 

Auftakt

Düsseldorf

Der Wecker klingelt um 5:45. Alles entspannt. Rucksack ist vollständig gepackt. Dazu habe ich noch einen kleinen 15L-Rucksack mit, um für Abstecher auf Berge/Hügel unterwegs flexibler zu sein. Diesmal gibt es keine „Depotstelle“, um Teile des Gepäcks zurück zu lassen. Alles, was ich heute früh mitnehme, muss ich auch unterwegs schleppen.

Flug ab Köln. Das ist für mich als Düsseldorfer schon schlimm genug (ich reise zwar gerne, aber K. ist doch etwas zu exotisch). Hinzu kommt, dass ich zuletzt extrem schlechte Erfahrungen mit dem dortigen Flughafen machen musste – überall sehr, sehr lange Wartezeiten. Daher breche ich schon vor 7:00 auf, obwohl der Flug erst um 11:00 ist.

Der Flughafen ist tatsächlich weiterhin Murks. Herumgelatsche, kein Rolli, mein Rucksack wird hier als „Sondergepäck“ behandelt, nun denn (ist halt K.).

Im Gegensatz zu den letzten Tagen ist es heute sonnig und warm. Ähnliches Wetter ist für Schottland angekündigt. Leider aber nur für heute, eventuell noch für morgen. Freu‘ mich schon auf Edinburgh, auch auf die Bus­fahrt nach Glasgow und Oban.

Um 12:00 (Ortszeit) schon in Edinburgh. Dann die schon bekannte Busfahrt ins Zentrum. Ziemlich sonnig in Edinburgh! An so gutes Wetter zu Hause kann ich mich gar nicht mehr erinnern.Edinburgh Gaskartuschen kaufen und etwas bummeln. Pünktlich Abfahrt um 15:50, immer noch strahlender Sonnenschein. Im Bus bekomme ich davon aber fast nichts mehr mit, die Scheiben sind extrem abgedunkelt. Dann Stau in Edinburgh, Stau auf der Autobahn. Ständiges Bremsen und Anfahren. Mir wird schon langsam etwas schlecht. Am Schluss ½ Stunde Verspätung und ich bekomme noch so gerade den Bus nach Oban. Viel ist von der Landschaft aus dem Bus nicht zu sehen. Nächstes Mal nehme ich den Zug!

Nach 20:00 wird es langsam etwas dunkler, bei Ankunft um kurz vor 21:00 in Oban ist es tat­sächlich Abend. Kurzer Weg zur Unterkunft „Harbour View“ direkt in der Nähe des Fähranlegers.

Das Zimmer ist gut; Doppelzimmer für mich alleine, mit Waschbecken und TV. Nur noch ein kleiner Gang durch den Ort.

Oban

Aufstehen 5:50, gut geschlafen, hätte aber länger sein können. Es wird nun auch hell. Rucksack packen. Meine Standardeinteilung des neu gekauften Rucksacks habe ich noch nicht gefunden. Vielleicht sollte die Iso-Matte doch draußen befestigt werden? Wobei ich nur sehr ungern etwas am Rucksack trage – der Rucksack trägt sich dann schwerer (trotz gleichen Gewichts) und wenn’s ganz blöd läuft, verliert man‘s noch. Egal, für heute ist alles drin und ein kleiner Rest im Mini-Rucksack.

Essen um 7:00, da hab‘ ich jetzt noch etwas Zeit. Wetter: Anscheinend bewölkt, aber noch trocken. Zum Essen; das ist praktisch im Wohn­zimmer der B&B-Besitzerin; ziemlich rustikal. Kaffee, Saft, etwas Cereals, Toast, dazu Rührei und Speck.

Mache mich dann zeitig zum Ferry Terminal auf. Ticket (14 £) gibt’s sofort. Und dann habe ich sogar noch dicke Zeit, bis es auf die „Clansman“ nach Barra geht. Eigentlich geht damit die Reise erst los. Die Busfahrerei verbuche ich als „notwendiges Übel“. Übel passt … hoffentlich aber nicht heute. Die Fahrt bis Barra wird über 7 Stunden dauern.

wp_bd_Hebrides2014_02_01_0046

Sound of Mull

Dann auf die Fähre, auf einem ähnlichen (oder auch gleichen) Typ war ich schon bei einer Fahrt von Stornoway nach Ullapool. Mäßig stark belegt ist es, von „voll“ kann echt keine Rede sein. Ganz leichter Nieselregen, der aber schnell wieder aufhört. Stehe erst an Deck, Blick auf Oban, als die Fähre um 8:15 ablegt. Die „Waterfront“ von Oban ist eher mäßig spannend, funktionell geprägt. Schon nach 20 Minuten ist die Fähre auf der Höhe der Isle of Mull. In dem schmalen Sund (Sound of Mull) zwischen Mull und nördlicher Küste sind beide Uferstreifen immer recht nah. Bewölkt, aber auch blauer Himmel und Sonne in diesen ersten 2 Stunden der Fahrt. Die Gegend nördlich sieht ganz gut aus – von Fort William erreichbar, ein Gewirr von Halbinseln. Mal ein Leucht­turm an Land oder eine Mini-Insel. Am Hauptort von Mull – Tobermory – vorbei, dann kommt die „offene See“. Na ja, so ganz offen auch nicht. Festland, Mull und kurz darauf auch die Insel Coll sind in Sichtweite. Das Anfangs gute Wetter verabschiedet sich. Bewölkt, blauer Himmel nur noch in der Ferne. Als Coll schließlich angelaufen wird, ist wieder Nieselregen und Wind angesagt. Wenige Autos und Personen verlassen die Fähre oder kommen hinzu. Coll sieht eher flach und unspannend aus – wobei von dem kurzen Blick ist ohne nicht viel zu erwarten. 12:00, Tiree wird erreicht. Hier steigen deutlich mehr Leute aus – merke dies vor allem daran, wie leer es auf dem Schiff danach ist.

Wetterverbesserung! Kein Regen – zwar noch Wolken, aber teilweise blauer Himmel. Das Wetter hält sich an den Wetterbericht. Bis Barra sind es – Luftlinie – noch 65 km, das Schiff fährt gleichmäßig 30 km/h. 3 Stunden sind also noch zu erwarten (kein Rechenfehler, bitte weiterlesen). Das ganz leichte Rumoren und Schlingern des Schiffes macht mir nichts aus, ich fühle mich viel besser als gestern im Bus. Ganz „straight“ fährt das Schiff nun nicht. Stattdessen geht’s zurück längs Tiree und Coll, um erst dann Kurs Barra einzuschlagen.

Immerhin deutlich besseres Wetter. Cappucino trinken, bisschen abhängen. Später gehe ich nochmals auf Deck. Strahlender Sonnenschein! Das Wetter ändert sich im ½ Stundentakt. Noch knapp 30 km, schemenhaft sind die Uists (oder Barra) bereits zu sehen. Wieder 360° Sonne überall, als sich die Fähre schließlich Barra nähert. Da kommt auch die Burg – Kismul Castle – direkt in der Bucht in Sicht, dahinter das Örtchen Castlebay.

Alles im besten Sonnenschein! Viele Fotos, finde dann zunächst den Ausstieg aus der Fähre gar nicht. Es sind tatsächlich kaum noch Leute an Bord, nur wenige fahren bis Lochboisdale auf South Uist weiter.

Rucksack geschultert und an Land. Zur Burg und / oder etwas Essen? Erst zur Burg. Ein Boot pendelt alle 30 Minuten hinüber. So lange kann ich am Kai in der Sonne liegen. Überfahrt zur Burg dauert nur eine Minute. Massive, dicke Mauern. Im Inneren sieht die Burg aber etwas zu sehr modernisiert aus. Fast alle Fenster sind verglast, die Räume ziemlich leer. Natürlich netter Blick von hier auf Castlebay. Nehme das nächste Boot zurück.

Soweit der Auftakt; die Tour startet hier: Teil 1

… und wer erstmal wissen möchte, wo meine Tour entlang führt: Hier ist eine Übersicht einschließlich einer Karte der Tour.