Inverlael – Cape Wrath

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Cape Wrath Trail, 2.Teil – in den Highlands von Assynt bis zum Cape

Inverlael – Duag Bridge

Etappe 9

Forest Way / Lael, 20.04.

Aufstehen heute erst um 7:00 (erst ist natürlich relativ zu sehen, zuletzt ging der Wecker meistens schon vor 6:00). Ich werde Iain’s Angebot, mich bis zum Startpunkt zu fahren, annehmen. In Ruhe frühstücken, diesmal zusätzlich ein Joghurt. Dann Packen: Puh, der Rucksack ist wieder ziemlich schwer. 8:40; bin so weit, gleich geht’s auf den zweiten Teil des CWT. Wetter schaut gut aus, sogar mit Sonne. Ferse (diesmal nicht die Achillesferse) links tut etwas weh – in den Wanderschuhen dann aber nicht mehr (besser so als anders herum). Um 9:00 bringt mich Iain zum Anfangspunkt der heutigen 9. Etappe. Gut, dass ich nicht die Straße entlang gehen musste. Startklar machen, die Sonne scheint, der Rucksack ist schwer, der erste Teil durch die Reste eines Waldes auf einem platt ge­walzten Waldweg. Sehr anstrengend und schweißtreibend. Dann noch steil bergauf entlang einer Böschung. Ca. 1½ Stunden brauche ich, um diesen Wald endlich hinter mir zu lassen (immer noch besser als letztes Mal, als ich den Weg kaum gefunden habe). Dann noch lange auf Jeep-Tracks bergauf. Teilweise zieht sich die Sonne auch zurück.

Der Weg wird langsam schlechter, d.h. kaum noch zu finden, schließlich weglos. Mit dem schweren Rucksack ist das sehr mühsam. Zwar ist meine „Navigation“ diesmal ganz gut, jeder Meter des Wegs muss hier aber „erkämpft“ werden. Die Landschaft ist geprägt von weit­läufigen Tälern und dazugehörigen Flüssen. Nun eigentlich nur noch dem Fluss auf rechter Seite folgen, auf dwp_bd_CWT2011_10_03_0501er Karte ist sogar ein Weg angezeigt. Aber in echt: Nichts da! Mal sumpfig, dann steinig einige Abschnitte müssen weiträumig umgangen werden. Auch die tief ein­ge­schnittenen Flusstäler, die den Weg kreuzen, erschweren das Fort­kommen. Für die vielen Wasserfälle habe ich daher gar kein Auge. Noch ein letztes Mal etwas bergab und steil berg­auf, dann ist endlich das Zwischenziel Loch an Daimh erreicht. Kurze Pause, dann weiter. Das Wetter weiterhin gut, wenngleich nicht mehr ganz so sonnig. Nochmal durch Gras und Sumpf, um auf den Weg zu kommen. Diesem Fahrweg / Jeep-Track folge ich nun die nächsten ca. 3½ Stunden. Deutlich schneller als vorher geht es den Loch an Daimh hinunter. Gegenüber ein lang gestreckter Höhenzug.

Nach dem Loch unverändert weiter in diesem weiten U-Tal, so spektakulär wie am Anfang der Etappe ist die Landschaft hier nicht. Ich will aber unbedingt dem geplanten Tagesziel – wenige Kilometer vor Oykel Bridge – nahekommen. Schließlich möchte ich nicht schon wieder (wie in den ersten 3 Tagen) einen großen Rückstand gegenüber meinem Plan haben. Dies gelingt auch. Am Ende des Tals noch mal ein wenig Auf und Ab, dann finde ich einen Zeltplatz in der Nähe von Duag Bridge. Es ist ca. 19:45 als ich endlich ankomme. Wasser holen (leider nicht direkt nebenan), dann Kochen, Essen und etwas Schokolade! Insgesamt sind es noch 120 km bis Cape Wrath – in 5 Etappen. Für morgen stehen ca. 27 km an. Wenn das Gelände so bleibt, sollte das aber gehen.

 

Duag Bridge – Benmore Forest

Etappe 10

Duag Bridge, 21.04.

Aufstehen ca. 6:15, einigermaßen geschlafen. Aber die Iso-Matte hat anscheinend Luft verloren. Draußen noch keine Sonne, die kommt erst später beim Packen. Sieht jetzt nach richtig gutem Wetter aus. Aufbruch 8:15, Rucksack weiterhin unangenehm schwer.

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Kunst am Weg

Aus Baumstümpfen hat ein Künstler einen Fisch und einen Otter (oder ähnliches) geschnitzt. Ganz gelungen. Auf breitem Waldweg geht es so Richtung Oykel Bridge. Waren die letzten Stunden des vorherigen Tages doch eher langweilig, läuft sich dieses Stück ganz gut. Der Fluss, einige sanfte Hügel in der Entfernung. Und der Wald ist in Teilen tatsächlich ein „echter“ Wald. Wasser nachladen – die Bäche sehen hier nicht so 100% ok aus. Bald ist aber Oykel Bridge erreicht, eigentlich nur ein Hotel an einer Brücke (eine alte und eine neue Brücke gibt es). Gerade als ich mich zu einer Pause hingesetzt habe, kommt ein großer Reisebus genau vor mir zum Halt und lässt eine Ladung Touristen hinaus. Um nicht auch als Attraktion zu gelten, flüchte ich lieber und mache einige Meter weiter meine Pause.

Noch gut 20 km liegen aber vor mir! Erst auf recht eintönigem Weg, durch einen ehemaligen Wald, dann durch landwirtschaftliches Gebiet längs des Oykel-Flusses. Schönes Wetter, warm, der Weg aber wieder mal sehr hart gewalzt. Dann längs eines „echten“ Waldes immer noch am Oykel. Hier wird es wieder schöner. Der Fluss ganz nah, der Weg angenehm zu gehen, hin und wieder ein kleiner Wasserfall. Ein paar Wald­ar­beiter sind zu Gange. Eventuell soll der Weg vollständig zu einem breiten Fahr­­weg umgebaut werden – so mein Eindruck. Jetzt ist es hauptsächlich wieder nur ein Trampelpfad. Fast Ende des Flusses, es geht Richtung Loch Ailsh und Benmore Lodge.

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Loch Ailsh

Hier am „Strand“ von Loch Ailsh nochmal eine Pause. In der Entfernung sind auch wieder die Berge zu sehen. Heute waren es bisher nur kleine Hügel. Zur Benmore Lodge – wer hier wohl wohnt – dann auf immer schlechter werdenden Weg in die Berge von Assynt. Kurz vor meinem geplanten Tagesziel finde ich einen sehr guten Zeltplatz, Gras, fast eben und direkt am River Oykel (der sehr leise vor sich hin plätschert). Der Weg für morgen ist schon zu erahnen. Der Weg (Trampelpfad) dürfte bald enden, dann geht es über einen Pass (Bealach Trallgil) nach Inchnadamph. Zumindest laut Karte.

Die „noch-100-km-Marke“ ist heute gefallen! Noch 96 km bis Cape Wrath. Und die Iso-Matte? Scheint weiterhin Luft zu verlieren. Nach 2-3 Stunden fühlt sie sich nicht mehr so prall an. Gegen 22:00 mache ich Schluss für heute.

 

Benmore Forest – Loch Fleodach Coire

Etappe 11

Nach Benmore Lodge, 22.04.

Aufwachen ab 6:00 und einigermaßen geschlafen – trotz der Iso-Matte. Vorher habe ich noch eine Zecke im Arm entdeckt. Beim Packen ist schon zu sehen, dass es wohl wieder ein guter Tag wird. wp_bd_CWT2011_12_01_0589Punkt 8:00 breche ich auf, und genau in diesem Moment erhebt sich die Sonne hinter dem Berg! Das passt!

Erst kann ich dem Pfad noch gut folgen. Etwas aufwärts am Hang geht es entlang des Tals. Der zu querende Pass war schon von meinem Zeltplatz zu sehen – der Pass zwischen Conival und Breabag Tarsainn. Bald endet der Pfad; unklar, ob es besser ist, in der Nähe des Flusses (immer noch der Oykel) oder etwas höher zu gehen. Ich entscheide mich für das Letztere. Der Pass rückt näher – die Berge sehen hier wieder ziemlich mächtig aus. Aber erst noch einiges Auf und Ab über viele grasige Hügel. Schließlich zum Pass hoch – der Wind wird stärker, zum Glück habe ich Rückenwind. Oben angekommen zieht sich der Pass über mehrere 100 Meter – ich kann also noch gar nicht ins nächste Tal hinab blicken. Hier ist aber wieder ein deutlicher Weg. Ich versuche zunächst dem Fluss zu folgen, dem Allt a‘ Bhealaich. Steil geht es aber bergab – an den Flussufern ist auch kein Weg zu erkennen. Also wieder ein kurzes Stück zurück. Jetzt merke ich den Wind mal richtig. Ein deutlicher Pfad führt noch weiter hinauf. Hoffentlich führt dieser auch wieder hinunter und ist nicht der Weg zum Gipfel des Conival (wäre auch ganz nett, aber mit dem ganzen Gepäck möchte ich da nicht „aus wp_bd_CWT2011_12_02_0623Versehen“ hoch latschen…)

Etwas un­an­ge­nehm, auf diesem schmalen Weg bei dem kräftigem Wind. Kurz darauf habe ich dann doch Blick auf den weiteren Weg; ich werde auf diese Weise relativ gut hinunter kommen. Bei strahlendem Sonnenschein und starkem Wind geht es wieder auf Gras be­wachs­enen Hängen hinunter. Westlich von mir ein größerer Loch – der Loch Mhaolach-coire, vor mir geht es in das Tal des Gleann Dubh. Dort ist es auch wieder ein deutlicher Pfad zu er­kennen. Ich bin ganz erleichtert, als ich diesen erreicht habe. Der Abstieg vom Pass war nicht ganz Ohne. Auf direktem Weg, aber mit weiteren Pausen nun Richtung Inchnadamph. Zum dortigen Hotel am Loch Assynt gehe ich erst gar nicht, sondern biege direkt wieder in die Berge nord-östlich ab. Das Tagesziel ist noch ca. 13 km entfernt. Ob das überhaupt noch zu schaffen ist? Zunächst aber mit starkem Seiten- und Gegenwind und viel Sonnenschein recht steil bergauf. Das macht echt fertig! Endlich krame ich auch die Mini-Tube Sonnencreme aus den Tiefen des Rucksacks heraus. Hoffentlich habe ich mir nicht schon einen Sonnenbrand auf Nase oder Händen geholt.

Endlich wird der Weg weniger steil und auch die Umgebung ist ganz interessant. Graue Felswände in der Ferne, derzeit befinde ich mich auf einer Hochebene bei Fleodach Coire. Erst ein paar kleinere Tümpel und Seen dann liegt im Talbecken der Loch Fleodach Coire. Pause machen oder hier bleiben? Knapp 10 km sind es immer noch bis zum geplanten Ziel am Loch an Eircill. Bis ca. 19:30 (ab dann wird’s dunkel) scheint das eigentlich machbar. Aufgrund der aufkommenden Kopfschmerzen und da ich mittlerweile doch sehr kaputt von dem Aufstieg bin, entschließe ich dennoch, hierzubleiben. Der Loch hat einen Zufluss mit gutem Wasser, ebene und trockene Zeltmöglichkeiten.

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Loch Fleodach Coire

Also: 16:00 bereits Ende. Insgesamt liegen noch 81 km vor mir. Dann würde ich erst Dienstag vormittags am Cape ankommen und dann zurück nach Kinlochbervie gehen (oder auf den Mini-Bus nach Durness hoffen). Im Zelt erst mal ausruhen, dann Tee, Schokolade (die Reste) und Aben­dessen – das Tütenzeug habe ich bald satt. Die Iso-Matte hat sich auch nicht verbessert, wie auch… Nach 3 Stunden ist das Ding fast platt. Morgen will ich zeitiger aufbrechen, um den kleinen Rückstand aufzuholen.

 

Loch Fleodach Coire – Glendhu

Etappe 12

Loch Fleodach Coire, 23.04.

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zum Bealach na h-Uidhe

Aufstehen schon ab 5:00, schlecht geschlafen. Warum? Mal war’s der Wind, dann Regen, dann Iso-Matte. Jetzt ist es draußen trocken, sieht ok aus. Aufbruch 7:20, erst mal zum nächsten Pass Bealach na h-Uidhe hoch. Der Weg ist immerhin größtenteils klar ersichtig, doch ganz schön anstrengend, ständig bergauf. Aufstieg zur Passhöhe Bealach na h-Uidhe. Abstieg auf besser erkennbarem Weg in vielen Serpentinen. wp_bd_CWT2011_13_02Die Gegend macht – auch da es noch bewölkt ist – einen sehr düsteren Eindruck. Die Landschaft ist nicht so weitläufig wie noch vor der Passquerung, sondern erscheint „zusammengedrückt“. Schließlich bis zu einer „Weggabelung“. Richtung West (links) geht’s zur Straße A894 nach Unapool und Kylesku. Da ich Straßen vermeiden möchte, schlage ich einen süd-östlichen Weg ein. Zunächst ist noch ein Pfad zu erkennen. Dieser verliert sich aber.

Wer beim “Inchnadamph Forest” oben etwas gestutzt hat diese kleine Schottland-Kunde: Ein “Forest” ist fast nie ein “Wald”!

Keinerlei andere Wanderer sind unterwegs, nur etwas Rotwild schaut mir zu (ok, Wanderer habe ich auch in den letzten Tagen praktisch nicht gesehen, immerhin aber hie und da ein paar nicht wandernde Leute). Nach aufwändigem „Weglosen“ finde ich längs eines Lochs den Weg wieder, gehe sogar etwas zu weit in östlicher Richtung.

Loch an Eircill

Loch an Eircill

Dann Nord über sehr hügeliges und voll­ständig wegloses Gelände zum Loch an Eircill. Zum Schluss noch ein anstrengender Aufstieg mit vielen Torf-Umgehungen. Erst nach ca. 7 Stunden ist die Strecke von 10 km bis zum Loch ge­schafft. Pause, Peronin!

Das dürfte auch ein Rekord sein: 7 Stunden für 10 km, und das Ganze ohne größere Pausen oder Trödeln. Das war für mich der anstrengendste Teil des ganzen CWT.
Hinzugefügt sei aber, dass ich seit der Weggabelung, die mich nach Kylesku geführt hätte, nicht dem “offiziellen CWT” (d.h. wie in den meisten Büchern beschrieben) gefolgt bin, sondern eine wegelose wild-romantische Variante gegangen bin. 

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Loch Glencoul

Dann bei gutem Wetter erst längs eines Jeep-Tracks, der aber im Fjord Loch Glencoul endet. Loch Glencoul ist einer dieser Lochs, die erst wie ein normaler Süßwassersee ausschauen. Tatsächlich bin ich aber am Meer.

Glendhu Bothy

Glendhu Bothy

Es folgt die mühsame Suche des Pfades und die Umgehung der Halb­insel um den Beinn Aird da Loch auf engen Pfaden. Auf der anderen Fjordseite sind Kylesku und Unapool. Schließ­­­­lich durch leicht bewaldetes Gebiet bis zum Ende des Fjords zur Glendhu Bothy. Wie immer über­nachte ich im Zelt, die Bothy ist ohnehin abgeschlossen.

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Abends am Loch Glendhu

Ankunft Glendhu Bothy um 19:50 nach 12½ Stunden. Heute bin ich total fertig. Mein Rückstand gegenüber dem Plan hat sich trotzdem leicht vergrößert – bis nach Cape Wrath werde ich es wohl nicht schaffen.

Zu dieser Etappe hätte ich gerne noch mehr Text gehabt, aber dazu hatte ich abends im Zelt einfach keinen Nerv mehr: An diesem Abend gab’s daher gar keine Tagebucheintragen, der Text wurde erst nach der Tour zu Hause geschrieben.

 

Glendhu – Rhiconich

Etappe 13

Glendhu Bothy, 24.04.
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Aufwachen 5:30 am Ostersonntag. Draußen ist es noch trocken. Bis zum Cape sind es 62 km – wird schwierig. Alternativziel ist nun Sandwood Bay. Beim Start um 7:50 nieselt es etwas, kurz darauf geht es in Regen über, also doch das Regenzeug an. Der Weg führt nun auf der gegenüberliegenden Seite des Loch Glendhu auf Jeep-Tracks entlang. Relativ eben und viel, viel einfacher als gestern. Mit dem Regen macht das aber trotzdem wenig Spaß. Schließlich komme ich an einem Wasserfall vorbei, der wohl auch als Minikraftwerk genutzt wird. Aber wo geht der Weg weiter? Längs des Wasser­falls soll ein Pfad sein – nein, eher nicht.

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Achfary Forest

 

Also einen steilen Grashang bergauf; oben ist tatsächlich ein Pfad – es ist sogar ein Jeep-Track. Weiterhin angenehmes Gehen. Wenn der Regen nicht wäre. Viel zu sehen gibt es daher nicht. Vorbei an einem See mit kleinem Bootsanleger geht es leicht ansteigend immer weiter. Bald ist der höchste Punkt erreicht, ein verlassenes Shieling auf der Hochebene. Hinunter, der echte(!) Wald von Achfary kommt in Sicht. Der Regen lässt langsam nach, als es in einen Nadelwald geht. Nicht abgeholzt, sondern dicht gedrängt steht hier alles. Aus dem Wald etwas die Straße entlang bin ich im Hamlet Achfary (statt Hamlet passt auch das schöne alte Wort „Weiler“). Macht einen sehr ver­lassenen Eindruck. Niemand unterwegs. Wenige Autos fahren nur entlAchfaryang. Das Te­le­fon in der Zelle funktioniert auch schon längst nicht mehr, Spinnweben haben sich an­ge­setzt. Dass es keinen Handyempfang gibt, ist aber ziemlich normal in dieser Ecke Schottlands.

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Kreuz im Loch Stack

Nun kann ich den Standardweg über Wald und Berge nehmen oder ca. 3 – 4 km ent­lang der Straße (A838) gehen. Entfernung fast identisch – wobei es längs der Straße sicherlich schneller ist. Also diesmal Straße! An den meisten Stellen kann ich auf Gras gehen. Asphalt gehen tut richtig weh. Vorbei an Loch Stack, da kommt die Sonne sogar raus! Bis zur Stack Lodge, wo ich wieder auf den normalen Weg in die Berge bin, zieht es sich aber quälend lange hin.

Arkle

Arkle

Dort erst mal eine Pause, Schuhe aus, essen. Ich bin eigentlich ganz gut in der Zeit, das Wetter wird immer besser, und es geht einen angenehmen Jeep-Track entlang. Die Berge (u.a. der Arkle) sind hier „nur“ ca. 700 m hoch, als ich ins sumpfige, weglose Tal am Allt an Riabhach abzweige, gibt es nur noch Hügel. Der Ab­schnitt hat es aber ganz schön in sich! Ein lang gestreckter See (Loch a‘ Garbh-bhaid Mór), direkt am Ufer gibt es eine Art Weg. Matsch, sumpfig, Gestrüpp. Sehr an­strengend und lang­sam. Mittlerweile bin ich aber bereits auf ca. 10 km an mein Tagesziel heran gekommen. Viel­leicht wird es doch noch etwas mit Cape Wrath! Loch, ein Fluss, noch­mal ein Loch (Loch a‘ Gharbh-bhaid Beag). Mit Pausen und Mühen schaffe ich es tat­sächlich wieder in die „Zivilisation“, ich bin wieder am Meer (ein Fjord), direkt am Rhiconich Hotel. In direkter Um­gebung gibt es keine Zeltmöglichkeiten, die 4 km bis zum geplanten Ziel am Loch na Gainimh schaffe ich nicht mehr – es ist schon kurz vor 20:00.

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Loch a‘ Garbh-bhaid Mór

Also frage ich nach einem Zimmer im Hotel. Ein Doppel­zimmer gibt es noch – zum doppelten Preis. Na gut, das nehme ich. Endlich geschafft. Ich bin nicht der einzige Wanderer in diesem Hotel! Plötzlich kommen 2 Holländer (deutlich hörbar) vorbei. Es sind die, von denen Iain in Forest Way schon berichtet hatte. Sie hatten 1 Tag Vor­sprung, nun habe ich sie eingeholt! Nachher beim Essen und Trinken noch viel von den je­weiligen Touren mit Marc und Oscar geplaudert. Ein netter Abend, auch wenn ich so kaum ausruhen konnte. Den Komfort des Hotels kann ich gar nicht genießen, keine Zeit, viel zu müde, gehe ich ins Bett.

Ich bin nun wieder sehr zuversichtlich, was das Erreichen von Cape Wrath angeht. Angeblich fahren Bus und Fähre bereits zwischen Durness und Cape Wrath. Das wäre genial.

 

Rhiconich – Bay of Keisgaig

Etappe 14

 Rhiconich Hotel, 25.04.

Aufwachen 6:45 und gut geschlafen (kein Wunder: ein echtes Bett!). Zunächst tut noch eine Sehne im linken Knie weh, das gibt sich aber schnell wwp_bd_CWT2011_15_01_0800ieder (hatte zunächst leichte Probleme, die Treppe im Hotel hinunter zu kommen…). Großes Scottish Breakfast, ich bin pappsatt – tatsächlich werde ich heute unterwegs nur ein einziges Powerbar essen. Noch etwas Plaudern mit den Holländern, sie werden erst später aufbrechen. Ich versuche, jemanden telefonisch wegen Fähre und Bus ab Cape Wrath zu erreichen – ohne Erfolg. Kurz vor 9:00 geht es los. Es ist sonnig, aber windig und teil­weise kalt. Erst ein kurzes Stück entlang der Straße am Fjord Loch Inchard. In der Ferne ist das offene Meer – der Atlantik – zu sehen. wp_bd_CWT2011_15_02_0802Ich habe mich umentschieden, was die Wegstrecke angeht. Eigentlich wollte ich schnellst möglichst von der Straße weg und einen (theoretisch) kürzeren Weg oberhalb der Orte um Achriesgill durch Berge und Sümpfe suchen. Ich gehe nun doch die Straße weiter. Und das dauert! Ich schaue vorsorglich gar nicht auf die Uhr. Einen Laden für Erfriswp_bd_CWT2011_15_03_0806chungen sehe ich auf der gesamten Strecke nicht (es gibt aber wohl einen, den ich übersehen habe: London Stores). Durch kleinste Orte (ich schätze so 50 – 200 Einwohner) bis nach Blairmore, fast am Ende der Straße. Es ist schon weit nach Mittag, als ich endlich die Straße verlasse und auf einen bequemen Fußweg komme. Das Wetter ist weiterhin gut – sonnig und windig.

Es geht erst zur Sandwood Bay – ein Sand­strand im Norden Swp_bd_CWT2011_15_04_0831chottlands. Ca. 6 km sind es bis dorthin. Hier bin ich nicht der Einzige – viele Tagesausflügler sind auch unterwegs. Vorbei an ein paar Lochs – die Strecke ist einfach – bin ich nachmittags bei Sandwood Bay. Blau-grünlich das Meer, das hier mit schönen Wellen an Land bricht. An einigen Felsen steigen Wasser und Gischt empor. Schuhe aus, und etwas am Strand gehen, nun bin ich wirklich am Atlantik. Ziemlich kalt für die Füße, auch das Gehen im Sand ist nicht so entspannend wie erhofft. Eine Stunde ver­bringe ich hier, bis Cape Wrath sind es noch ca. 12 km.

Noch eine einfache Fluss­querung und dann wieder ab in die Wild­nis. Ab hier werde ich heute keinen einzigen Mensch mehr sehen. Von den Holländern auch keine Spur. Der Weg ist schwierig, könnte aber schlimmer sein. Gut ist, dass es in den letzten Tagen wenig geregnet hat. Sehr sumpfige oder unpassierbare Stellen gibt es kaum. Trotzdem sinke ich bei jedem Schritt im Boden ein bzw. Gras und Gestrüpp geben nach. Es gibt keinerlei Weg mehr. Die Orientierung ist nicht so einfach. Direkt an der Küste (Steilküste) kann man nicht gehen. Schon etwas davowp_bd_CWT2011_15_08_0866n entfernt sieht die Landschaft in allen Richtungen fast gleich aus. Ich komme prompt vom Kurs ab und gehe viel zu weit östlich (statt nördlich). Diese Umwege, der Boden, und der Eindruck, kaum vor­wärts zu kommen, sind etwas frustrierend.

Ich muss nun auch an eventuelle Wasserknappheit denken. Ich fülle nochmals alles auf, um bei Bedarf überall mein Zelt aufzuschlagen. Erst ein Fluss, der noch als „schwierig passierbar“ erwähnt wird – hat kaum Wasser – dann noch etwas weiter. Bis zum Ziel noch ca. 8 km! Der Atlantik ist die gesamte Zeit nur zu hören, keine direkte Sicht. Bis zum mi­li­tärischen Testgelände gehe ich noch. Ein langer Zaun und Tafeln weisen darauf hin, dass zu bestimmten Zeiten dieses Gebiet um Cape Wrath gesperrt ist. Jetzt zum Glück nicht! Also noch einmal über den Zaun gestiegen. In der Hinsicht hab‘ ich echt Glück: Der Zaun ist deutlich höher als die sonstigen Zäune, und hat außerdem meist wp_bd_CWT2011_15_09_0877Stacheldraht. Nur gerade an der Stelle, an der ich zufällig ausgekommen bin, ist der Stacheldraht durch einen harmlosen Draht ersetzt.

Am Kesgaig River – Nähe Bay of Keisgaig – ist für heute Schluss. Ich finde eine nicht ganz ebene Stelle und auch Wasser – also umsonst ab­ge­schleppt. Dann das Übliche, bin ziemlich fertig. Die lange Schlucht entlang blickend kann ich nun den Atlantik von hier auch etwas sehen. Bis zum Ziel sind es noch 6½ km, dafür nehme ich mir morgen 3 Stunden Zeit.

Nur noch eine kurze Etappe bis zum Ziel!!! Wegen Bus / Fähre hatte ich tagsüber nochmals telefoniert, aber noch immer keine definitive Antwort bekommen.

Bay of Keisgaig – Cape Wrath

Etappe 15

Keisgaig River / Bay of Keisgaig, 26.04.

Erstes Aufwachen gegen 6:00 und noch müde und kaputt. Bus und Fähre müssen!!! einfach in Betrieb sein!!! Wetter schaut ähnlich gut aus wie gestern. Nur noch gut 6 km, aber das Packen fällt mir heute sehr schwer. Erst um 9:00 bin ich soweit. Das Wetter ist nun wirklich sehr gut; die Sonne ist da, meine Stimmung wird besser. Die Achillessehne tut mir von der Wanderung der letzten 2 Wochen nun doch weh, also will ich für heute jede Art von steilem Gehen möglichst vermeiden.

Erst geht’s in die kleine Schlucht hinunter und wieder herauf. Langsam aufsteigend meist über Gras und Moorboden. Die Torfflächen sind heute etwas trockener als zuvor, so dass keine aufwendigen Umgehungen notwendig sind.

Sandwood Bay – insbesondere die charakteristische Felsnadel Am Buachaille – ist noch lange zurückblickend zu sehen. So weit bin ich noch gar nicht weg. Obwohl ich nun wieder relativ hoch bin, ist vom Kap aber immer noch nichts zu sehen.

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Cape Wrath ist erstmals zu erahnen

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… die letzten Meter

Dann um ca. 10:00, 1 Stunde nach Aufbruch, habe ich eine Sicht, die (für mich untrügerisch) bis zum Cape Wrath reicht. Ja, es ist praktisch geschafft! Nach über 2 Wochen ist das Ziel nun zum Greifen nahe. Kurzes Verschnaufen, Foto, und dann muss ich mich auf die Reststrecke machen. Zu erahnen ist bereits, dass es noch einige Male ab und wieder auf geht. Die Reststrecke liegt aber bei nur noch gut 3 km. Mal ist vom Atlantik nichts zu sehen, dann gibt es wieder sturmumtoste Buchten. Irgendwann müsste auch die Straße für den Minibus hier auftauchen. Da ist sie erreicht. Ungewohnt harter Untergrund. Noch um ein paar Kurven und der Leuchtturm von Cape Wrath ist erstmals zu sehen!!! Da ist das Ding!

Nicht ganz so spektakulär wie der Weg hierhin sehe ich in knapp 1 km Entfernung den weißen Leuchtturm. Umgeben von einigen kleinen Gebäuden und kleinen Steinmauern. Noch ca. 15 Minuten und ich bin da. Um 12:35 am Mittwoch, den 27.4.2011 erreiche ich Cape Wrath nach rund 300 km Wegstrecke! Insgesamt 14 Tage 3 Stunden 35 Minuten habe ich gebraucht.

 Cape Wrath Lighthouse

Da ist das DIng! Der Leuchtturm von Cape Wrath. Geschafft !!!!!!

Und der Minibus fährt auch!! Der Busfahrer und einige Touris, später auch Radfahrer, sind dort. Der Bus fährt gleich bzw. in ca. 3 Stunden nochmal. Da bleibe ich erst mal hier. Ein Ankunftsfoto mit Rucksack, dann kann ich das Teil endlich abnehmen. Es ist nun geschafft, bin fix und fertig! Ein kleines Café gibt es hier. Zwar kein Bier, aber eine kühle Dose Cola auf den Erfolg tut schon gut. Später noch 2 davon und einen Kaffee. Dann erst mal ein kleiner Rundgang entlang der Klippen. Vögel segeln umher, so früh im Jahr leider noch keine Papageitaucher.

Das Wetter ist brilliant, blaues Meer mit leichtem Grünschimmer, dazu die blau-weißen Wellen, die sich zu Küste und Klippen brechen. Ungefähr 2 Stunden nach mir treffen auch die beiden Holländer ein. Sie sind auch froh, es geschafft zu haben (wollen aber noch bis Blairmore zurück gehen).

Bald kommt auch der Minibus wieder. Gegen 16:00 geht’s durch eine hügelige, einsame Landschaft innerhalb von 30 Minuten zum Kyle of Durness; ein weit ins Land hinein ragender Fjord. Die Fähre kommt auch bereits – der Bus bleibt hier. „Fähre“ ist dabei etwas missverständlich, es ist nur ein kleines, offenes Motorboot, in dem Passagiere und Fahrräder so gerade Platz haben. Keine 5 Minuten dauert die Überfahrt.

 

Teil 1 Schluss