Fort William – Inverlael

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Cape Wrath Trail, 1.Teil – in den Highlands zwischen Fort Billy und Ullapool

 

Kinlocheil – Loch Arkaig

Etappe 1

Fort William, 12.04.

Aufstehen 6:40, ganz gut geschlafen. Wetter sah erst nicht so nett aus. Nur ½ Stunde später ist auch wieder blauer Himmel zu sehen. Ich kann also auf gutes Wetter für den ers­ten Wandertag rechnen. Kurz vor 8:00, ein letz­tes ausgiebiges Frühstück. Eine Stunde später Abfahrt des Busses Richtung Glenfinnan, etwas Stau, aber jetzt habe ich ja Zeit. Das Wetter sieht ziemlich „gemischt“ aus.

Cape Wrath Trail - Start

Für den Cape Wrath Trail gibt es keine “offizielle” Beschilderung, daher muss dies als Startpunkt langen. Strathan ist mein heutiges Etappenziel

 

9:35 am Start des CWT bei Kinlocheil. Jetzt noch alles fertig machen, dann geht’s los. Der Regen hat aufgehört!

Start 9:50

Erst ein Forstweg am Fluss entlang. Ganz guter entspannter Anfang. Zwischendurch immer wieder kleine Schauer, dann wieder Sonne. Ziehe schließlich doch die Regenhose an – bleibt an bis zum Schluss des Tages. Erst ist dem Weg einfach zu folgen, dann geht’s zum Pass Coire Reidh (bei Gualann nan Osna) hoch. Ganz oben noch etwas Schnee. Der Weg verschwindet, eine Herde Rotwild in der Ent­fernung. Einem Menschen werde ich heute nicht begegnen.

Aufwärts geht es, aber nicht zu schwierig oder anstrengend. Auf der Passhöhe ein toller Ausblick. Auch der Loch Arkaig ist schon zu sehen. Ich bin viel höher als letztes Mal auf diesem Teilstück.

Dann hinunter zum Fluss Allt Camgharaidh, der sollte direkt nach Strathan führen (führt zwar zum Loch Arkaig, aber überhaupt nicht zu dem Punkt, den ich als Tagesziel eingeplant habe). Recht mühselig, mache immer wieder Pause. Schließlich geschafft – noch den Fluss queren – einige Steine im Fluss helfen. Auf dem Weg geht’s deutlich schneller. Aber! Ist dies überhaupt der richtige Weg??! Nein!! Ich gehe zwar Richtung Loch Arkaig, aber auf diesem Weg würde ich weit von meinem Ziel Strathan abkommen. Zwar zeigt das GPS nur 3,5 km (Luftlinie!) bis Strathan an. Geht eigentlich, aber ein ganzer Bergrücken ist noch zu bewältigen und ein Umweg wegen des Zuflusses in den Loch Arkaig steht auch noch an. So war das nicht geplant.

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Shieling

Immerhin ist das Wetter gut. Auchwp_bd_CWT2011_02_09_0114 der Ausblick ist toll. Ich steige immer höher, in der Hoffnung bald einen einfachen Abstieg nach Strathan zu finden. Nichts!

Überhaupt kein Weg. Schließlich entscheide ich mich, direkt zum Loch abzusteigen. Das ist aber ziemlich steil, matschig und glatt. Fürchterlich. Schritt für Schritt taste ich mich hinunter. Bloß nicht aus­rutschen. So geht das bestimmt 2 Stunden (gefühlte 2 Stunden, in echt war’s wohl etwas weniger). Knie tun schon ganz schön weh – und mein rech­ter Ellbogen (wohl vom Abstützen mit den Stöcken).

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Loch Arkaig – rechts des Flusses ist Strathan

Irgendwann ist es geschafft. Ich bin praktisch am Ufer. Ist zwar auch hier alles etwas sumpfig und feucht, aber zum Zelten langt es so gerade. Ankunft um 19:30! Und noch ca. 2 km bis Strathan (wp_bd_CWT2011_02_11_0117Luftlinie). Hauptsache, gesund angekommen.

Zelt auf­bauen und Essen, danach wird’s auch schon dunkel. Mittlerweile fast 22:00, als ich diese Zeilen schreibe. So war die erste Etappe nicht geplant. Obwohl ich die Gegend doch eigentlich ein wenig kenne, bin ich prompt den falschen Weg gegangen…

 

Loch Arkaig – Sourlies

Etappe 2

Loch Arkaig, 13.04.

Aufstehen 6:15, einigermaßen geschlafen. Aber es regnet – schon die ganze Nacht durch. Erst mal essen, dann langsam packen. Abmarsch um 8:10. Regen, Regen, mal Niesel­regen.

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River Pean

wp_bd_CWT2011_03_01_0122Weiterhin auch sehr sumpfiges Gelände. Ich muss den gesamten Fluss (River Pean Mündung in den Loch Arkaig) umgehen, um schließlich zu einer Brücke zu kommen.

In Strathan erst nach 11:00! Jetzt erst mal Jeep-Track. Der Regen hat fast aufgehört, es nieselt noch. Dann längs eines Wäldchens. Der Weg ist ziemlich schlecht. Total nass und matschig. Erste Flussquerung mit den neuen Wat-Schuhen! Ganz schön kalt, klappt aber gut. Dann nochmal eine Querung. Kurz darauf stelle ich fest, dass ich falsch abgezweigt bin. (Toll, ich dachte ich kenne den ersten Teil des CWT, hat ja gut geklappt…)

Wieder zurück! Diese Aktion hat ca. 1 Stunde gekostet. Wieder im Regen. Nochmal ein Fluss… Schließlich tauchen die beiden Zwillingslochs Lochan a‘ Mhàim auf. Schöne Gegend, aber für eine längere Pause fehlt Zeit – außerdem wird’s sofort kalt. Dann noch mal eine Flussquerung und den Hügel bei Creag an Fhithich hoch. Hinunter nach Sourlies zieht es sich ewig – ich passe sehr auf, es ist glitschig. Sourlies ist erreicht – die Bothy direkt am Fjord Loch Nevis. Noch ein mühsamer Anstieg. Kurz nach 19:00 beschließe ich, nicht mehr weiterzugehen. Zelten ober­halb des Fjords auf einem Hügel. Traumhafter Ausblick. Morgen werde ich sehr früh raus, um etwas Zeit gutzumachen.

Fast alles ist feucht. Schon nach 2 Tagen liege ich hinter dem Plan zurück – wenn ich mich morgen aber nicht schon wieder verlaufe, sollte es aber noch gehen (man beachte das wenn).

 

Sourlies – Loch Hourn

Etappe 3

kurz hinter Sourlies, 14.04.

Loch Nevis

Morgens am Loch Nevis

Aufstehen schon um 5:20, alles ist feucht. Essen machen und Kaffee! Dann in die nassen Klamotten schälen. Draußen regnet es. Aufbruch gegen 7:15. Erst mal wieder sumpfig bergab. Dann eben, aber weiterhin sehr nass. Die Gegend kenne ich ja ein wenig – denke ich mir mal wieder. Erst ein langes Stück längs des Flusses, rechter Hand. Dann geht es hinüber. Relativ einfach, obwohl das natürlich sehr viel Zeit kostet. Spuren eines Weges sind noch zu erkennen. Das Tal wird nun immer mehr zur Schlucht. Schließ­lich gelange ich zu einem Punkt, an dem scheinbar gar kein Weg weiterführt. Rechts und links des Flusses ragt es sehr steil bergauf. Linker (Nord) Hand geht es bergauf; unklar, wo es hinführen soll. Anhand von Karte und GPS ist mir auch nicht klar, wie es weiter­gehen soll. Auf der anderen Uferseite meine ich, einen Pfad zu entdecken. Das muss der Weg sein! An dieser Stelle ist kaum Strömung, der Fluss ist aber ca. 20 Meter breit und ziemlich tief. Bis auf die Unterhose ziehe ich alles aus! Langsam rüber – gut, dass es nicht so kalt ist. Dann wieder alles anziehen und dem vermeintlichen Weg folgen. Nach ca. 50 Metern ist auch hier nichts mehr mit Weg. Ich gehe (krieche) trotzdem noch ein wenig weiter. Sumpfig, Felsen, Bäume, ganz nah am Fluss, der hier wirklich eine Schlucht durchfließt. Nochmal ein Blick auf das GPS.

Der falsche Fluss!!! Wieder ein wenig zurück, dann sehe ich einen mög­lichen „Weg“ auf der anderen Flussseite. Auch mit Karte und GPS würde das  ganz gut passen. Also wieder rüber, genauso tief wie vorher, aber deutlich schmaler (aber wieder fast alles ausziehen…). Dann weglos den Ab­hang hinauf. Das zieht sich. Ich zweifle langsam, ob dies wirklich der richtige Weg ist. Schließ­lich doch ein „echter“ Weg – teilweise wie ein Forstweg, und auch mit der Karte passt es nun. Mit den beiden vollkommen unnötigen Flussquerungen und der Sucherei habe ich bestimmt 2 – 3 Stunden verjuxt.

Im Tal – in der Scwp_bd_CWT2011_04_05_0195hlucht – fliegt plötzlich ein Kampfjet im Tiefflug vorbei – unglaublich! In Serpentinen windet sich der Weg hinauf – und ich.

Hinunter zu Loch Hourn und Barisdale

Hinunter zu Loch Hourn und Barisdale

Von hier ist endlich ein guter Überblick zu erkennen. Aufwärts, ganz schön anstrengend. Bald ist die Pass­höhe bei Màm Unndulain aber erreicht. Hinunter geht es nach Barisdale. Ich merke meine Knie. Noch ca. 2 Stunden kann ich gehen, bevor es dunkel wird. Nun ein echter Jeep-Track und eben. Schnell geht es. Und sogar die Sonne ist heraus gekommen! Insgesamt war das Wetter heute ganz gut. Nun noch ein Stückchen am Loch Hourn entlang – wieder ein Fjord. Die Strecke kenne ich zwar eigentlich. Schon wieder dieses „Eigentlich kennen“ – das langt für Schottland aber nicht! Der Weg ist aber extrem sumpfig – sehr mühsam. Ich entschließe mich, an genau der gleichen Stelle wie im letzten Jahr zu zelten (diese Stelle kenne ich tatsächlich!). Ende daher um 19:20, über 12 Stunden war ich heute auf den Beinen! Gutes Wetter, draußen Kochen und Klamotten noch etwas trocknen.

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… endlich ausruhen

Bin nun aber etwas enttäuscht, was das Vorankommen betrifft. Mal sehen, ob ich per Bus/Zug ab Shiel Bridge abkürzen kann oder erst einen Tag später in Forest Way ankomme.

 

 

Loch Hourn – Gleann Undalain

Etappe 4

Loch Hourn, 15.04.

Wecker geht schon um 5:00! Noch ganz dunkel, ich esse mein Müsli, leg‘ mich dann für 20 Minuten nochmal hin. Kurz vor 8:00; bewölkt mit Aufheiterungen, als ich aufbreche. wp_bd_CWT2011_05_01_0223Vom Auf und Ab längs des Fjords, das nun folgt, bin ich ziemlich geschafft, als ich Kinloch Hourn schließlich erreiche. An den wenigen Häusern (Lodges) vorbei geht es dann im Wäldchen sehr steil bergauf. Zwar ist dies ein ganz „normaler“ Weg, aber ich komme richtig ins Schwitzen.

Heute begegne ich insgesamt 4 Per­sonen – richtig überlaufen! Aus dem Wäldchen heraus wp_bd_CWT2011_05_02_0232noch etwas bergauf – die Landschaft ist hier viel weitläufiger. Noch kann ich einem Weg folgen, bald geht es aber wieder Richtung Nord ein zunächst weites Tal entlang. Nun weglos – letztes Mal bin ich hier vom Weg ab­ge­kommen. Das Ziel ist aber recht klar. „Einfach“ zur Passhöhe am Bealach Coire Mhàlagian. Erst noch moderat steil, wird es dann doch anstrengend. Schließlich oben! Linker Seite geht es zum „The Saddle“. Etwas windig, ich ziehe daher die ganze Montur an. Gut, dass ich den Abstiegsweg kenne. Ein sehr, sehr steiniger Weg, der zunächst auf gleicher Höhe bleibt. Extrem mühsam. Danach angenehm, ich kann auch den Ausblick genießen. Dann steil über Gras abwärts – anders geht’s nicht.

Schließlich noch das Tal Coire Caol entlang (sumpfig!) bis ich schließlich an der gleichen Stelle wie im letzten Jahr campe.wp_bd_CWT2011_05_06_0252 Ankunft ca. 19:10. Nieselregen, später auch stärkerer Regen setzt ein.

Bin leicht ramponiert; Knie tun weh, linkes Knie aufgeschürft. Es hat sich wieder etwas bewölkt, leichter Niesel. Muss mir aber morgen früh überlegen, wie meine Tour weitergeht. Gegenüber dem Plan liege ich nun schon fast einen ganzen Tag zurück.

 

Gleann Undalain – Shiel Bridge & Achnashellach – Coulin
Etappe 5

Gleann Undulain / kurz vor Shiel Bridge, 16.04.

Aufwachen 5:20. Kurz draußen – ganz schön kalt. Der Regen hat zwar aufgehört, es ist aber alles sehr wolkenverhangen und feucht.

Hab‘ mich nun entschieden, der Tag Rückstand hat nun doch Konsequenzen: Ich werde den Weg etwas ab­kürzen und versuchen, ab Shiel Bridge per Bus weiterzukommen.

Den geplanten Weg hinauf zu den Falls of Glomach und dann größtenteils weglos Richtung Achnaschellach werde ich nicht gehen. Naja, bis zu den Falls und hinunter kenne ich die Strecke auch bereits. Würde ich die Etappe wie geplant gehen, würde ich sicher einen Tag später an meinem Zwischenziel in Forest Way bei Inverlael ankommen. Unklar, ob dann überhaupt ein Zimmer frei ist – und schnell mal nachfragen konnte ich gestern nicht und auch heute wäre das frühestens in Shiel Bridge möglich (kein Handynetz). Und für den zweiten Teil des CWT wäre dann auch ein sehr sportliches Programm angesagt. So schaffe ich zumindest das Zwischenziel in Forest Way wie geplant und habe dann noch alle Möglichkeiten.

wp_bd_CWT2011_06_01_0258Abmarsch gegen 7:40, ich habe mir morgens sehr viel Zeit gelassen. Jetzt wolkig, aber kein Regen. Nun geht es recht schnell bis Shiel Bridge. 8:30, ich bin bereits am dortigen Campingplatz. Die Bushaltestelle ist auch schnell gefunden, aber kein Fahrplan.

Wann kommt der Bus? Ich gehe erst noch etwas in den „Ort“ hinein bis zu einer weiteren Haltestelle. Auch hier keine Infos. Immerhin ein Souvenir­shop hat geöffnet; dort erhalte ich Getränke, Snacks und einen Bus­fahrplan. Der Bus kommt aber erst kurz vor 11:00 – noch fast 2 Stunden! Da hätte ich gut noch etwas länger schlafen können. Direkt an einer Schnellstraße gelegen, außerdem ist es ungemütlich kühl und windig. Irgendwie ver­geht die Zeit. (Rückblickend hätte ich es auch per Anhalter versuchen können, allerdings gab’s von Kyle of Lochalsh auch keinen früheren Zug)

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Ach­nas­hel­lach Sta­tion – viel mehr gibt’s da nicht

Der Bus kommt! Ganz ungewohnt warm darin. Keine ½ Stunde später bin ich schon in Kyle of Lochalsh. wp_bd_CWT2011_06_02_0264Schnell zum Bahnhof rüber, ein Foto von der Brücke zur Isle of Skye. Der Zug fährt recht bald, schon um 12:00. Einsteigen und Fahrt bis Achnashellach Station. 13:00, selbst wenn ich hier bleiben würde, hätte ich einige Stunden Vorsprung vor meinem Plan. Aber etwas will ich heute doch noch gehen. Die Sonne traut sich leider fast gar nicht raus. Nun erst mal durch ein Wäldchen (den Weg hab‘ ich letztes Mal verfehlt), dann in Serpentinen auf steinigem Weg bergauf.wp_bd_CWT2011_06_04_0272 Gar nicht mehr sumpfig. Schnell ist eine Höhe erreicht, die Ausblicke auf die „eigentlich geplanten Berge“ lassen. Unangenehmer Wind, ich ziehe schließlich die Mütze an. Hier oben habe ich einen sehr schönen Blick. Die Berge der nächsten Tage sind in der Ferne schon zu erkennen.

Der Weg führt nun leicht bergab – meine kleinen Zehen machen sich bemerkbar; sie sind schon stark angescheuert. Auch deswegen nur ein kurzer Wandertag heute.wp_bd_CWT2011_06_05_0279 Neben einem schönen Wasserfall eine Bothy. Wohl erneuert, aber darin schlafen möchte ich nicht – es riecht alles wie frisch gestrichen. Nur Tisch, eine Bank, das Hüttenbuch und ein paar Zeitungen gibt es. Ich schlage stattdessen gleich daneben mein Zelt auf. 16:00 ist es erst! Ca. 4½ Stunden Wanderzeit waren es heute, eine Erholung nach den 12 Stunden-Touren der letzten Tage. Aber ich habe nun Zeit. wp_bd_CWT2011_06_06_0281Der Wind weht, es ist trocken (jedoch kaum Sonne), also kann ich endlich meine Socken trocknen. Fast alles ist wieder gebrauchbar! Essen und viel Zeit lassen, mittlerweile 19:30, morgen werde ich nicht wieder so extrem früh aufstehen.

 

 

Rückblick: Shiel Bridge – Falls of Glomach – Attadale

Das Stück zwischen Shiel Bridge und Ach­nas­hel­lach bin ich auf dieser Tour nicht gegangen. Durchaus ein Grund, den CWT nochmals und dann in einer “100-Prozent”-Variante zu machen.

Für diesen Bericht gibt es aber eine einfache Möglichkeit, dies zu korrigieren und die Lücke zu füllen: Im Vorjahr (2010) war ich schon zwischen Glenfinnan und den Falls of Glomach / Attadale unterwegs.

Ein paar Impressionen des Wegs:

Der Weg zu den Falls of Glomach:

Falls of Glomach – da aber immer nur ein kleiner Teil des Wasserfalls zu sehen ist, ist’s nicht ganz so beeindruckend. Aufpassen, wenn der Weg hinunter matschig oder rutschig sein sollte! Zur Abbruchkante des Wasserfalls ist es immer ganz nah.

Unten angelangt geht es entlang des Glen Elchaig (ein weites U-Tal) bis zum Hof bei Killian und dann über leicht hügeliges Gelände zur Bahnstation Attadale. Dieses Teilstück gehört zu den eher unspektakulären Abschnitten des CWT. Geplant hatte ich daher für 2011 die Tour stattdessen über Loch na Leitreach – Killian Forest – Bendronaig Lodge – Achnashellach Forest – Achnashellach Station fortzusetzen. Bzgl. Karte und anderer Reiseberichte macht dies einen interessanteren Eindruck.

 

Coulin – Lochan Fada

Etappe 6

zwischen Achnashellach und Kinlochewe, 17.04.

Aufstehen 6:00, diesmal nicht so gut geschlafen – der Wasserfall war wohl doch zu laut. Draußen trocken aber kalt. Wolkig, ganz vereinzelt Sonne beim Aufbruch um 8:15. Der Weg ist zunächst angenehm zu gehen und zu finden – auch meine Zehen freuen sich. wp_bd_CWT2011_07_01_0301Hier wieder ein sehr weiter Blick. Zwei (Jagd-) Häuser, dann geht es in ein Wäldchen. Mittlerweile ist es überwiegend sonnig – die Regenhose kann endlich ausgezogen werden. Etwas bergauf, ganz schön schweißtreibend. Dann vom Hauptweg ab und eine Lichtung empor. Zum ersten Mal wird es wieder matschiger. Aus dem Wald heraus ist der Blick wirklich sehr schön, die Berge (Liathach, Beinn Eighe) vor mir erkenne ich noch von der Tour vor zwei Jahren.

Zu einem Wäldchen geht es nun laut Karte. Dieser Wald ist aber abgeholzt und vom Sturm weggeknickt. Eigentlich ist nur die Einzäunung übrig. Unschöner Forstweg, aber immerhin ist das Ziel bzw. Kinlochewe schon zu sehen. wp_bd_CWT2011_07_02_0312Nachdem dieser „Wald“ durchschritten ist, sollte es eigentlich ganz einfach sein. Aber der Weg verliert sich, weite Bereiche sind eingezäunt. Die Sonne kommt nun richtig raus – puh, ganz schön warm. Dem Hauptfluss A‘ Ghairbhe zu folgen ist auch nicht möglich – teils sehr steile Ufer. Ich treffe noch einen Wanderer aus Stuttgart, er geht von Ullapool nach Glenfinnan. Die erste Person, die ich heute sehe – und es ist schon weit nach Mittag.

Kinlochewe

Ceann Loch lù

Dann bin ich schon in Kinlochewe – mal sehen, ob man etwas essen oder kaufen kann. Tatsächlich, ein Pub hat geöffnet. Ich nehme Stew (eine Art Gulasch) und ein kleines Bier und Cola. Gut, etwas zu essen. Das Beste war aber die Cola! (meist hat mir das Bier in Schottland ganz gut geschmeckt, hier leider nicht…) Danach noch in der Tankstelle etwas Snacks und Getränke kaufen.

Da ich Zeit habe folgt ein kleiner Fuß- und Bein-Check; ich hab‘ 3 Zecken im linken Unterschenkel! Die werden direkt heraus operiert (heraus gezogen).

Das Wetter ist richtwp_bd_CWT2011_07_05_0332ig gut ge­worden! Ca. 15:30, eigentlich will ich nur bis zum Anfang von Loch Maree gehen und dort campieren. Es geht sich aber so gut, zudem sind die Zeltmöglichkeiten nicht besonders, also beschließe ich, noch bis zum Lochan Fada weiter zu wandern.

Nun einfach der lang ge­streck­ten Schlucht Gleann Bianasdail folgen. Swp_bd_CWT2011_07_06_0334owohl am Anfang als auch am Ende dieses Abschnitts lande ich mal wieder etwas abseits des Weges. Dieser geht meistens bergauf. Die Sonne steht schon sehr tief und nur noch die höchsten Berge werden angestrahlt. Es geht auf die 20:00 Uhr zu, ich werde es wohl nicht schaffen, noch vor dem „offiziellen“ Sonnenuntergang mein Zelt aufzubauen. Nun aber nur noch eine Flussquerung. Eigentlich swp_bd_CWT2011_07_07_0340ind genügend Steine zum darüber balancieren vorhanden. Trotzdem lande ich teils voll mit dem Schuh im Wasser.

Eine Bucht mit „Strand“ habe ich als Ziel ausgemacht. Etwas Rauch steigt in einer der Buchten auf. Tatsächlich, hier bin ich nicht der Erste. Zwei Mädels sitzen am Feuer – ich könnte nachher auch noch dazukommen. Morgen wollen sie ebenfalls Richtung Loch an Nid. Ich baue mein Zelt in einer Bucht ca. 5 Minuten weiter auf. Zum ersten Mal ist der Boden so hart, dass ich die Heringe nur mit Hilfe eines Swp_bd_CWT2011_07_08_0345teins in den Boden bekomme.

Schon 22:30; hier am Lochan Fada ist es unglaublich still. Nichts ist zu hören. Kein Wind, also auch keinerlei Wellen auf dem Loch. Bin viel zu müde, um noch bei meinen Nachbarinnen vorbei zu schauen. Noch ein paar Nachtfotos, dann schlafen.

 

Lochan Fada – Dundonnell Forest

Etappe 7

Lochan Fada, 18.04.

Aufstehen ab 6:30, eher schlecht geschlafen, Es ist weiterhin super still hier – jedoch scheint die Nässe des Sees über Nacht in einfach alles ! gekrochen zu sein. Alles fühlt sich feucht und klamm an. Hin und wieder das Geschnatter von vorüber fliegenden Gänsen. Im V-Flug und wirk­lich sehr hoch. Ich kann mir auch heute noch Zeit lassen – da die Sonne teilweise raus kommt, können viele Sachen wieder getrocknet werden.

Und Zeit, mir diesen sehr schönen Platz etwas anzuschauen. Von 3 Seiten ist der Loch von hohen Bergen (alle um die 1000 m) umgeben, Wegen der Windstille spiegeln sich Berge und Wolken im Loch. Aufbruch gegen 9:30, einen Weg gibt es zunächst nicht, grobe Richtung Nord-Ost und aufwärts. Wieder mal viel Sumpf und Matsch und Bereiche, die weiträumig umgangen werden müssen. Ich komme nur langsam vorwärts.

Die Berge um Lochan Fada sind noch lange zu sehen. Heute auch wieder mehr Kontrolle von GPS und Karte, noch mal Verlaufen muss nicht sein. Schließlich ist das Tal Bealach na Croise zu sehen, das nun das nächste Ziel ist.

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im Hintergrund Loch an Nid

Sonne, Wind meist von hinten, wieder ziemlich schweiß­treibend. Gegen 12:00 ist der Loch an Nid erstmals zu sehen. Ich wäre tatsächlich fast ins falsche Tal (Richtung Abhainn Loch a‘ Bhraoin) abgebogen. So nur noch einen Abhang hinunter und dann Richtung Loch. Der Loch an Nid ist ca. 1 km lang. Am Nordufer (mit Strand) mache ich eine schöne längere Pause (1 Stunde). Von den Mädels von gestern ist nichts zu sehen.

Danach endlich ein echter Weg. Es geht nun flotter. Ab hier könnte ich eigentlich jederzeit meinen Campplatz suchen. Aber ich möchte morgen eine entspannte Etappe. Erst weiter bis zum Talende. Hier sind die Berge um den An Teallach.wp_bd_CWT2011_08_07_0436

Dann geht es einen Fahrweg bergauf – immer noch mit Sonne! Super Ausblicke. Bis zur Passhöhe nördlich des Cnoc nan Righereon, dann suche und finde ich einen Platz zum Zelten. Etwas abseits des Weges auf einer Hoch­ebene des Dundonnell Forest mit kleineren Seen (Lochain Dubh).wp_bd_CWT2011_08_08_0446 Relativ uneben und feucht aber es geht. Erst noch windig, legt sich dies später. Mittlerweile ist es wieder vollkommen still!

 

 

Dundonnell Forest – Inverlael / Lael

Etappe 8

vor Corrie Hallie, 19.04.

Langsames Aufwachen ab 6:30, erstaunlich gut geschlafen. Weiterhin windstill, aber nun stärker bewölkt. Die Berge sind noch alle etwas schemenhaft und diesig verborgen. Nochmal fertig packen – morgen gibt es ein „echtes“ Bett! Heute ist die letzte Etappe vor dem Zwischenstopp in Forest Way – dadurch ist der Rucksack angenehm leicht; also mehr oder weniger. Erst durch den Sumpf zurück zum Weg. Dieser führt nun fast ständig bergab.

Bald kommen dann bekannte Wege (von vor 2 Jahren) zum Vorschein. Ist mir unklar, wo und wie ich damals den falschen Weg einschlagen konnte. Etwas steiler bergab geht’s an einem Wasserfall vorbei. Kurz danach endlich mal die Möglichkeit, etwas Wasser nachzutanken. Gegen 8:30 bin ich heute aufgebrochen und noch sehr gut in der Zeit. Die ersten kleinen Wäldchen wieder, dann ist Corrie Hallie schon erreicht.

Cor­rie Hal­lie

Cor­rie Hal­lie

Hier gibt es aber nichts wirklich zu sehen. Also weiter, etwas Straße, dann ziemlich steil einen grasigen Hang und durch ein Wäldchen hinauf. Zum ersten Mal wird’s heute anstrengend. Kurz darauf die offizielle Mittags­­pause (11:30), es fängt etwas zu nieseln an. Auf der nun folgenden Hochebene (mehr oder weniger eben) komme ich flott voran. Der Weg ist bis kurz vor Schluss ganz gut. Die Gegend nicht ganz so interessant – aber die Berge für die nächsten Tage sind bereits in Schemen zu erahnen. Der Nieselregen konnte sich doch nicht durchsetzen – es bleibt trocken, später kommt sogar etwas Sonne.

Dann ist Inverlael schon zu sehen, auch mein Ziel – Forest Way – meine ich längs der Straße bereits ausmachen zu können. Nun nur noch hinunter steigen. Wird aber eine ziemliche Murkserei. Steil, umgestürzte Bäume, Brombeer- und Ginstersträuche erschweren den Weg. Endlich geschafft! Zur Straße. Das GPS zeigt noch 1.8 km an. Das geht ja noch. Längs der recht stark befahrenen Straße zu gehen, ist sehr mühsam. Irgendwann geschafft. Ich klingele – niemand da. In einem Schuppen finde ich jemanden. Der Mann kann mir aber nur mitteilen, dass dies noch nicht Forest Way ist! Noch ca. 1 Meile längs der Straße. Na toll! Ich bin nun wirklich kaputt. Dieses letzte Stück zieht sich unglaublich hin. Dann Forest Way. Im Garten werkelt schon jemand herum – Iain.

Er zeigt mir das Bunk House. Sieht sehr gut aus – eher wie ein Hostel. In meinem 4’er Raum bin ich allein. Später kommt noch im anderen Raum ein Ehepaar an. Mein Paket ist auch da! Endlich wieder duschen! Das tut gut! Einiges noch im Trockenraum verstauen. Das Zusammenpacken lasse ich bis morgen. Iain bietet mir an, mich später noch nach Ullapool mitzunehmen, er muss dort sowieso hin. Das nehme ich gerne an.

Ullapool

Big City Ullapool

Per Auto sind es keine 10 Minuten bis in die Big City. Kurz vor 20:00, ich bin tatsächlich in Ullapool – das hätte ich am Anfang dieses Tages wirklich nicht gedacht. Der hiesige Supermarkt hat noch länger geöffnet, also kann ich noch etwas Essen gehen – im The Arch – direkt am Hafen. Ich nehme Fisch (Haddock) und ein lokales Bier (die Biere sind irgendwie alle etwas „lasch“ schmeckend, war auch in Kinlochewe so). Aber doch ganz lecker. Das wird ja ein richtiger Erholungsurlaub! Heute Abend tun mir mal zur Abwechslung Finger und Ellbogen weh – vom Schreiben!

Ab morgen geht es dann in für mich ganz neues Gebiet. Ich hoffe mal, dass der Weg gut zu finden sein wird. Dann bin ich auch optimistisch, am Ostermontag tatsächlich am Cape Wrath zu sein. Danach in den Supermarkt (hat bis 22:00 geöffnet) ein paar leckere Kleinig­keiten. Iain holt mich dort wie geplant ab – supernett von ihm. Er ist einer dieser „Munro-Jäger“, ca. 220 von 280 hat er schon. Für morgen gäb’s auch die Möglichkeit, gegen 9:00 mit ihm bis nach Inverlael zu fahren. Das würde eine große Erleichterung bedeuten – Straßengehen ist immer ziemlich nervig.

 

Intro  Teil 2