Snæfell – Askja

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Der zweite Teil der Wanderung von der Lónsöræfi bis zum Mývatn

Von der Hütte am Snæfell ausgehend wird es immer wüstenhafter als es über Alf­t­a­dals­hæðir und Krepputunga zur Askja geht.

 

Snæfellsskáli – Búrfellsalda

Etappe 7

Snæfellsskáli

Aufstehen 6:30, recht gut geschlafen. Kaum Wind, die Sonne ist jetzt schon da! Essen (heute mit kleinem Bounty aus dem ever ever ever Paket!), danach geht das große Umpacken des neuen Essens los. Die Dusche hier am Vortag war sehr gut, ansonsten sind die Unannehmlichkeiten eines kleinen Campingplatzes doch spür­bar: Autos, Zeltgeraschel, Türenschlagen(!) Bin froh, dass es weiter geht. Rucksack gepackt, spürbar schwerer, aber es fühlt sich besser an, als zu Beginn der Tour (bei praktisch identischem Gewicht). Ich gehe noch kurz in der Hütte vorbei und verabschiede mich. Dabei gibt’s von Milla auch noch ein paar Tipps wegen des Krepputunga–Gebiets; dazu mehr bei Etappe 10.

9:00, Aufbruch. Sonnenschein fast ganz herum! Nur ein paar Schönwetterwölkchen gibt es. Und wie gestern Wind aus Richtung des Vatnajökull (also aus Süden). Ich habe daher zunächst Seiten­wind, später meist Rückenwind. Das ist auch sehr gut so, der Wind ist ziemlich stark. Ich folge einem Jeep-Track gen Westen zur Vesturöræfi. Dieser ist wegen Schneeschmelze für Autos gesperrt, also ist in diesem Abschnitt mit wenig Verkehr zu rechnen. Auch heute werde ich mal wieder keinen einzigen Menschen sehen oder treffen.

Ganz leicht an­stei­gend zu einem Mini-Pass beim Sauðahnjúkar geht es. Trotz des Gewichts komme ich flott vorwärts. Bald ist die Hütte ein letztes Mal zu sehen. Über dem Pass eröffnet sich ein komplett neues Bild. Eine weite relativ grüne Ebene unwp_bd_Island2014_11_03_0515d dann der Gletscher, die Kverkfjöll, Askja nur schemenhaft, und im Dunst ist auch die Herðubreið auszumachen. Rückblickend ist fast den ganzen Tag über der Snæfell zu sehen. Heute wolkenfrei bis auf wenige Ausnahmen im Gipfelbereich (grr, so hätte es mal gestern sein sowp_bd_Island2014_11_04_0516llen!)

Als ich in den Bereich der Vesturöræfi komme, verlasse ich die Piste und gehe auf west-nord-westlichem Kurs weiter. Später gelange ich wieder auf die Piste, die hier selbst für normale 4×4-Wagen unmöglich wäre. Die Piste (besser „Piste“) ist so tief in den Boden eingefurcht, dass hier wohl nur noch Monsterjeeps durchkämen – und die Fahrer derselben werden hoffentlich nicht auf diese Idee kommen und die Landschaft dadurch weiter verunstalten.

Bis Sauðárkrókur führt mein Weg, dann – etwas überraschend – versperrt ein recht strömungs­reicher Fluss den Weg. Ein Blick auf die Karte zeigt aber, dass eine Querung gar nicht notwendig ist. Der Fluss – die Sauðá – fließt leicht südlich weiter. Und meine Richtung ist eher Nord. Weglos schlage ich die Route zu den Tümpeln und Seen der Sauðáflói ein. Hier wird es etwas sumpfig, das Gehen fällt nicht mehr so einfach (die Sauðá verabschiedet sich noch mit einer schönen kleinen Schlucht mit Vulkan-Gestein).

Flüsse mit richtig gutem Wasser finde ich heute gar nicht mehr. Teil­weise kleinere Seen – wohl hauptsächlich durch Regenwasser gespeist und dünne Rinn­sale, die alle diesen rotbrauen Uferbereich haben. Weiter Richtung Vatnsalda und Fífuleiruvatn wird es immer sumpfiger. Ich sinke bei jedem Schritt mindestens bis zum Knöchel ein, oft auch tiefer.

Ohne Ga­maschen wäre das kein Spaß. Dann wieder trockene, grasige Ab­schnitte, die durch minimale „Flusstäler“ ohne Wasser durchbrochen sind. Diese sind ca. 1 Meter tiefer als die übrige fast ebene Landschaft gelegen und eignen sich daher sehr gut als Windschutz bei Pausen.

Ich gehe nun Kurs auf den nördlich gelegenen Búrfell, der sich als Orientierungs­punkt gut eignet. Mein eigentliches Tagesziel sollte problem­los erreichbar sein, ich spekuliere schon, bis zur Straße 910 zu gehen und im Desjarárdalur zu zelten. Das würde nochmal 1-2 km heraus holen. Nach gut 6 Stunden fällt das Gehen aber immer schwerer. Der Wechsel zwischen Sumpf und dann Buckelpiste ist auf die Dauer doch ziemlich an­stren­gend.

17:00, es geht Richtung Búrfellsalda. Vorher auf dem Hügel Hálsalda ein toller Blick auf Snæfell, den Búrfell und die Berge von morgen. Askja und Herðubreið sind von hier längst nicht mehr zu sehen. Kurz darauf suche ich nach einem geeigneten Zeltplatz. Das Haupt­problem hier ist die Quali­tät des Wassers. Einen ersten Platz verwerfe ich, gehe noch 10 Minuten weiter. Gegen 17:20 nach gut über 8 Stunden ist die Etappe beendet. Wetter weiterhin super gut, des­wegen tut’s mir etwas leid, jetzt „schon“ Schluss zu machen. Wasser holen, ent­keimen (unklar, ob das etwas bringt), dann Essen und Ausruhen.

Gegen 19:30 noch mal ein „Abendspaziergang“, den Hügel hoch, voller Blick auf Snæfell. Jetzt bin ich froh nicht noch weiter gegangen zu sein, bin ganz schön kaputt. Die Straße 910 ist zu sehen, da scheint auch ein Auto zu fahren. Sehe nur 1 Auto während meines ca. ½-stündigen Rundgangs. Bin heute durchaus kaputt und hoffe, dass das Wasser ok ist.

Búrfellsalda – Álftadalshæðir

Etappe 8

Búrfellsalda/Vesturöræfi

Aufstehen um 6:30, jedoch Aufwachen schon um 5:00 durch das laute Mähen eines Schafes, das direkt vor dem Zelt steht. Nachts über hat es geregnet, jetzt hört es endlich auf und es scheint auch aufzuklaren. Es ist ganz windstill, sieht insgesamt nach gutem Wetter aus. Aufbruch um 9:10, erst nur ein kurzes Stück bis zur asphaltierten Straße 910, der ich leider bis zum Lambafjöll folgen muss. Zwar geht es sich recht schnell, es ist aber auch sehr langweilig, die Gegend hier ist sehr hässlich. Kaum Autos, auch auf der nach­folgenden F-Piste. Einen Menschen (zu Fuß) gibt es heute mal wieder nicht zu sehen.

wp_bd_Island2014_12_01_0570Dann wird es aber wieder viel besser. Den Hvannstóðsfjöll umgehe ich südlich. Schon hier bekomme ich einen Vorgeschmack auf die nächsten Stunden: Viele Fliegen (kaum Wind), wieder etwas Regen, Sonne nur in der Ferne und mein Rucksack drückt heute wie verrückt (muss wohl irgendwie sehr blöde gepackt haben). Zudem fühle ich mich – wie nach dem Tag in der Eyjabakkar – etwas schlapp und benommen. Jeweils hatte ich am Vortag das „rostige“ Wasser getrunken. Heute wird dieser Zustand am späten Nachmitttag vergehen. Dann die Regenjacke an. Der Regen kommt direkt von oben (weiterhin kaum Wind), daher nicht ganz so störend. Regen, trotzdem die Fliegen (die müssten doch eigentlich Flugverbot bei dem Wetter haben!). Daher kann ich bei den Anstiegen nur leicht durch die Nase atmen.

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Háumýrakvísl

Immer wieder Pausen und Kurskorrekturen. Auch heute ist der Snæfell weiterhin zu sehen. Ich komme nun in das Gebiet des Háumýrakvísl, ein kleiner Fluss der ohne Gefälle vor sich her „dröppelt“. Dieser Art Gewässer ist in den nächsten Tälern und Talmulden immer wieder zu finden. Der Boden entsprechend sumpfig. In einem dieser Täler nord-östlich des Fagridalur sehe ich wieder Rentiere. Sie sehen mich anscheinend früher und laufen bereits weg.

Ursprünglich hatte ich den Báruvatn als Tagesziel gewählt, dies aber längst verworfen: Da es gut vorwärts geht, will ich nun so weit wie möglich zur Kreppa-Brücke gelangen. Regen, kurze Pausen, auch Sonne und Regen gleichzeitig. Meistens ist ausgerechnet in Gehrichtung (i.a. Nord) eine dunkle Schlechtwetterwolke. Wenn ich um mich blicke sind ca. 2/3 des Himmels blau und die Gegend sieht einladend aus. Der Landschaftstyp ändert sich nun aber, es wird wieder sehr wüstenhaft. Noch einmal eine grüne Talmulde, dann den Hang hoch und ich bin (obwohl nur ca. 50-100 Meter höher) im typischen Hochland: Flacher, fast vegetationsloser Untergrund, meist mit kleinen Steinen bedeckt.

Mein „Peilberg“ ist nun zumeist die Herðubreið. Wenn nicht gerade von einem Hügel verdeckt, ist dieser Berg zu sehen. Gelegentlich sind auch die teils schneebedeckten Hänge des Askja-Kraters zu sehen. Ich merke, dass (zu wenig) Wasser nun doch ein Problem werden könnte. Ich passiere noch 2 oder 3 kleinere Seen, anscheinend durch Regenwasser gespeist. Danach kommen im Süd-Westen die sehr dunklen Hänge des Fagradalsfjall ins Blickfeld.

Verstärkt wird dies noch, da gerade darüber eine sehr dunkle Wolke hängt. In der direkten Umgebung davon jedoch blauer Himmel. Auch die Kreppa ist erstmals zu sehen. Sieht aus der Entfernung ganz harmlos aus; ein scheinbar silbern flackerndes Etwas. Schaut gar nicht nach einem tiefen Fluss aus. Dafür so ein weiter Umweg? (Das ist nur ein Gedanke, den ich unterwegs hatte; die Kreppa ist nicht furtbar. Punkt.)

Mittlerweile hat sich das Wetter wieder für Sonne entschieden. Laut Karte müsste in Kürze ein Fluss oder Flüsschen passiert werden. Ein sehr breites Flussbett gibt es (ca. 50 Meter!), jedoch keinen Tropfen Wasser. In diesem Boden aus Bimsstein versickert jeder Tropfen sofort. Die nächste Mög­lich­keit an Wasser zu kommen, könnte ein kleiner See in ca. 5 km Entfernung sein (Luftlinie! gemäß Karte), danach wohl erst in noch­mals 6 km.

Für die 5 km würde es noch langen, auch mein aktueller Wasservorrat würde das noch gut zulassen. Aber ob es diesen See überhaupt gibt? Ist mir aber zu ungewiss. Was tun? Ganz zu den Seen zurück zu gehen wären bestimmt wieder 3 km – und das auch noch in die falsche Richtung. Nur ca. 1 km entfernt (zwar auch falsche Richtung) ist ein weiterer noch kleinerer See. Das kann ich ja mal versuchen.

Auf dem Weg dorthin erkenne ich in einem trockenen Flussbett einige kleine Schneefelder. Das schaut näher aus, und so steuere ich diese nun an. Trotzdem, der Weg dorthin erscheint quälend lang. Auch die Vor­stellung, nun noch Schnee zu schmelzen, gefällt mir gar nicht.

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ein sehr kurzer Fluss

Endlich an den Schnee­feldern. Und – bei einem fließt ein kleiner Rinnsal heraus, der aber praktisch sofort (nach ca. ½ Meter) versickert. Aber das langt, um bequem an gutes Wasser zu gelangen. Sehr erfreut baue ich mein Zelt im ausgetrockneten Flussbett auf, auch immerhin 5 Gehminuten von den Schnee­feldern entfernt. Sand, Bimsstein, ganz leicht wie Styropor. Einige schwere Steine gibt es zum Glück aber auch. Ansonsten wär das mit dem Zeltaufbau wohl nichts geworden.

Ankunft hier: ca. 18:10, das Zelt steht vollständig erst nach 1 Stunde. Tolles sonniges Wetter habe ich jetzt, daher noch vor dem Essen noch ein Spazier­wp_bd_Island2014_12_08_0607gang heraus aus meinem kleinen Tal auf die Hochebene. Blick bis zum Snæfell und zu den schwarzen Bergen des Fagradalsfjall. Sogar einen Regenbogen gibt es! Bei so viel Regen und Sonne war das auch mal fällig!

Obwohl jeder Tropfen Regenwasser hier sofort versickert, habe ich dank des Schneefeldes genügend gutes Wasser. Später – gegen 21:00: Gar kein Wind mehr und es ist vollkommen still. Eine Stunde später setzt dann doch wieder Regen ein. Regen, Sonne, totale Stille, prasselnder lauter Regen – das war diese 8. Etappe. Ach ja, wo bin ich überhaupt. Die Karte gibt keine wirklich gute Landmarke dafür an. Am besten passt noch Álftadalshæðir. Für das Protokoll: Ich bin knapp nördlich der Álftadalshæðir.

 

Álftadalshæðir – Þorlákslindirfremri

Etappe 9

Álftadalshæðir

Aufstehen heute gegen 7:00. Es ist wieder total still, kein Regen, kein Wind. Lasse mir heute Zeit, es ist ja schließlich Sonntag! Theoretisch wäre heute eine lange Etappe bis zur Brücke über die Jökulsá á Fjöllum möglich – das wären aber mindestens 31 km mit sehr eingeschränktem Wasservorkommen. Ich werde daher nur Richtung Kreppa-Brücke gehen. Nörd­lich davon sollte es ein paar Seen geben.

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Canyon en miniature

Damit müsste ich übermorgen in Dreki ankommen und wäre damit absolut in meinem Zeitplan. 9:00, fange jetzt erst mit dem Packen an, Wetter unverändert. Aufbruch erst nach 10:00, der späteste Start. Sieht sehr sonnig heute aus. Auf den Hang und weiter auf die Hochebene; Blick auf die Kreppa, danach ist Herðubreið wieder meine Gehrichtung. An vielen Stellen sieht man wie das Schmelzwasser in dem weichen Bimsstein einfach versickert. Die Flussbette dieser kleinen Abschmelzbäche sind deutlich zu sehen.

Ich bin nun in der Álftadalsdyngja und erreiche bei 65° 03‘ tatsächlich den auf der Karte an­ge­gebenen See mit (!) Wasser. Also wäre ein Weitergehen gestern doch möglich gewesen.

Um den See herum nur Sand und Stein und Bimsstein. Mache aber hier meine Peronin-Pause. Wie immer; gesättigt fühle ich mich danach nicht.

Zum größtenteils blauen Himmel gesellen sich auch verschiedene Wolken. Insbesondere über oder an der Herðubreið ist fast immer eine Wolke. Bei 65° 04‘ ist ein (auf der Karte) namenloser Berg, der immer etwas die Aussicht gen Nord-Westen versperrt. Also müsste dies doch der ideale Aussichtsberg sein. Hinauf mal wieder auf Bimsstein, bis auf die oberen ca. 30 Meter. Dort ist der Berg von bräunlichem Fels bedeckt. Absolute Top-Aussicht. Von oben kann ich vom Snæfell bis Herðubreið sehen. Der erstere ist nun schon sehr weit von mir entfernt. Das Panorama von Askja über Herðubreiðartögl bis zur Herðubreið ist aber unglaublich.

Ich bleibe ca. 1 Stunde hier oben und schaue und fotografiere. Sonne und Wolken erhellen bzw. verdunkeln immer andere Bereiche der Landschaft. Auch mein Tagesziel kann ich von hier oben bereit sehen: Nördlich von hier gibt es einen See im Gebiet der Þorlákslindirfremri (das ist mal ein Name!).

Ich bin ganz froh, dass ich den See von hier „in Echt“ sehen kann, nicht nur auf der Karte und rätseln muss, ob’s den auch tatsächlich gibt. Davor ist noch die Straße F910, ein paar Autos sind auch unterwegs (ca. 10 in den 2 Stunden, die ich in der Nähe der Straße bin).

wp_bd_Island2014_13_06_0679Schließlich muss ich doch von dem Berg hinunter. Das GPS zeigt noch fast 7 km an, obwohl der See von oben so greifbar nah erschien. Einige der kleinen Hügel haben einen deutlichen Rotton. Nach der Straße noch 4 km auf total ebenem, sandig wüstenhaftem Unter­grund. Jetzt merke ich auch wieder den Rucksack.

In der Ferne ist etwas Grünliches zu er­kennen, aber kein See. Dann endlich doch! Und der Boden wird nun auch fester, ist teilweise bewachsen. Für den Zeltaufbau geeignete Steine gibt es nicht. Gegen 17:20 ist das Ziel erreicht. Eine wirklich kurze Etappe. Zuletzt wurde es aber ganz schön warm und ent­sprechend ka­putt lege ich mich nach Zeltaufbau in meine Behausung. Nur ein ganz leichter Wind weht, im Zelt ist es wegen der Sonne richtig heiß.

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Þorlákslindirfremri

Gegen 20:00 gehe ich für ca. 1 Stunde nochmals raus nach Westen zur Kreppa. Diese wird zwar größten­teils durch einen recht steil aufragenden „Schutzwall“ vom Fremri-Gebiet abgetrennwp_bd_Island2014_13_10_0708t, es gibt jedoch eine Lücke. Dort scheint es ebenfalls direkt an der Kreppa einen kleinen See zu geben. Doch nicht! Zwar fließt ein sprudelnder Bach, dieser mündet aber in eine breitere Stelle der Kreppa. Trotzdem, als Zeltplatz wäre dies noch besser gewesen (u.a. Wind­schutz). Basaltformationen und Herðubreið aus einer anderen Perspektive, dann gehe ich zurück. Der Wind hat zuletzt wieder deutlich zugelegt.

 

 

Þorlákslindirfremri – Upptyppingar

Etappe 10

Þorlákslindirfremri

Aufstehen 6:30. Der Wind hat kaum nachgelassen und ich habe daher schlecht geschlafen. Jetzt erst mal einen Kaffee! Und Müsli wie an jedem Morgen.

Mein Plan für heute ist eigentlich ganz einfach: Ich nehme so viel Wasser wie möglich mit und gehe möglichst bis zur Brücke über die Jökulsá á Fjöllum. Von dort wären es dann noch 17 km bis Dreki. Die Richtung wird größtenteils Süd sein, ganz entgegen meiner eigentlichen Geh­richtung (Nord-West) – leider auch direkt in Windrichtung. Kurz aus dem Zelt raus und Wasser holen (Puh, das wird der schwerste Rucksack der Tour, alle 3 Behältnisse gefüllt: Cola-Flasche, Sigg-Flasche, Trinkbeutel). Der Wind ist immer noch stark, aber nicht so schlimm wie es im Zelt erscheint.

wp_bd_Island2014_14_01_0755Aufbruch um 9:15 mit fast 100% Sonne um mich herum.Trotzdem, heute bin ich ziemlich winterlich angezogen: langes Unterhemd, lange Unterhose, Mütze und Hand­schuhe. Wenn nicht der starke Gegenwind wäre, es wäre das perfekte Wetter. Zunächst ca. 5 km, um wieder zur Piste 910 zu gelangen. Trotz des höheren Gewichts und des Gegen­winds trägt sich der Rucksack weniger unerfreulich als befürchtet.wp_bd_Island2014_14_02_0763 Nach 1 Stunde habe ich 3.5 km geschafft, wenn ich diesen Schnitt halten könnte… Die Piste ist erreicht, ich kann ein wenig zur Kreppa-Brücke abkürzen, indem ich durch ein Lavafeld mit wirklich faszinierenden Gebilden gehe. Aber auch hier Wind. Sobald ich mich hinsetze weht mir Sand und feine Asche ins Gesicht. So richtig lange hinsetzen (mehr als 5 Minuten) werde ich mich heute nie können. Schon seit Beginn der heutigen Etappe gehe ich auf einen markanten pyramiden-artig geformten Berg zu. Denke zunächst dies sei „mein Aussichtsberg“ von gestern. Doch das passt nicht. Dieser Berg ist viel dunkler und noch relativ weit entfernt (Auflösung am Schluss des Tages).

Über die Kreppa-Brücke. Der Fluss Kreppa rauscht mit beträchtlicher Strömung grau darunter vorbei. (nichts mehr mit silbern glänzend wie noch vor 2 Tagen …)

Über die Brücke ein Gatter, das zunächst geöffnet werden muss. „Welcome to Krepputunga“ kündigt es an. Ist das ironisch gemeint?! Muss wohl! wp_bd_Island2014_14_06_0782Es erwarten mich nun mehrere Stunden mit Sand, Asche, Lavawüste und sehr viel Gegenwind. Welcome! Mache eine kurze Pause und folge dann der Piste. Hier im nördlichen Teil macht es keinen Sinn von der Piste abzu­weichen. Der Weg schlängelt sich durch kleine Lavablöcke (1-3 Meter hoch). Hin und wieder überholt mich auch ein Wagen. Natürlich werde ich auch heute keinem anderen Wanderer begegnen. Herðubreið verschwindet nun langsam hinter mir, der Gipfelbereich in Wolken getaucht.

Eben zieht es sich dahin. Sand und Asche, dazu die Sonne und Gegenwind. Mein Buff-Tuch habe ich über Mund und Nase gezogen; das wp_bd_Island2014_14_09_0789schützt vor Sand/Asche und der Mund trocknet nicht so schnell aus. Ich versuche möglichst spar­sam mit meinem Wasser-Vorrat umzugehen. Im Wurst-Käse-Fall muss das Wasser bis zur Dreki-Hütte langen. Darauf bin ich aber nicht so scharf…

Dann hält auch mal einer der Jeeps. Kein Tourist, sondern die Wärterin der Hütte von Hvannalindir; Eygló. Ich er­zähle kurz wo ich hin will und sie hat tatsächlich etwas Wasser dabei und kann es mir überlassen! Ein paar Schlucke aus einer Thermos­kanne, dazu noch knapp 1 Liter in 2 kleinen Flaschen. Das ist wirkl­ich genial. Die gröbste Wassernot ist damit gelindert. Danke!

Weiter geht es mit einem dadurch noch schwereren Rucksack. Im Blick weiterhin der Berg von heute früh. Ist der über­haupt auf Krepputunga? Also zwischen den Gletscherflüssen. Oder bereits westlich des Jökulsá á Fjöllum?

Es be­wölkt sich. Die Gegend sieht nun wirklich unerfreulich aus. Ein leichter Nieselregen setzt ein. Östlich von mir nun der Lónshnjúkur. Hier verlasse ich die Piste und kann zur Brücke über die Jökulsá abkürzen. Das sind nur ca. 2.5 km statt eine Runde von ca. 7 km zu machen. Zwischen und über die Lavabrocken. Eigentlich ganz einfach, jedoch tun meine Füße nun echt weh, der Rucksack drückt und dazu der Regen. Immerhin; durch die geänderte Gehrichtung (West statt Süd) ist der Wind nicht mehr so problematisch.

Dann sind erstmals die grauen Fluten des Jökulsá á Fjöllum zu sehen. Zwischen 2 großen Bergen fließt sie hier in einen Canyon. Noch etwas den schwarzen Asche­berg hinauf, dann ist die Brücke über die Jökulsá und kurz darauf erreicht. Die Strömung überschlägt sich hier ge­rade­zu.

Nun ein Camp suchen. Gehe nun in Richtung eines Berg­rückens, viel­leicht gibt’s sogar grasigen Untergrund? Naja vielleicht, zumindest finde ich ihn nicht. Aber der Hang gibt etwas Windschutz. Gegen 17:20 ist das Ende der heutigen Wanderung geschafft. 8 Stunden, aber dies war der bislang an­strengendste Tag. Zeltaufbau wird sehr mühsam und dauert nochmal 1.5 Stunden!! Auf einem Sand-Bims­stein-Gemisch errichte ich mein Zelt (noch der relativ beste Untergrund). Natürlich hält dies zunächst überhaupt nicht. Also müssen größere Steine angeschleppt wer­den – die leider aber überhaupt nicht in direkter Nähe zu finden sind.

Kurz vor 19:00 bin ich endlich im Zelt und gönne mir einen Kaffee. Für heute Abend und morgen früh habe ich noch ca. 1 Liter Wasser. Warme Küche entfällt heute, stattdessen Pemmikan (das Zeug sieht zwar schlimm aus, aber es schmeckt (mir) lecker und macht richtig satt).

Später entdecke ich in einiger Entfernung zum Zelt noch ein sehr kleines Schneefeld aus dem etwas Wasser tröpfelt! Nicht so ergiebig wie vor 2 Tagen, aber dies und einige Brocken Eis genügen, um meinen Wasservorrat etwas positiver zu gestalten.

Im Zelt, kaputt, Füße und Beine tun weh. Das Wetter hingegen ist besser geworden. Kein Wind, leicht wolkig, aber jetzt gute Sicht bis zur Askja. Ach ja, der Berg vom Anfang des Tages ist der Berg an dessen Südhang ich nun zelte. Es ist der Upptyppingar, 1077 Meter hoch.

Zu Krupputunga:
Krepputunga liegt eingeschlossen zwischen Kreppa und Jökulsá á Fjöllum. Es gibt von daher zwar Wasser – aber nur aus diesen beiden Gletscherflüssen, was für die meisten nicht so bekömmlich sein dürfte. Auf Schmelzwasser kann man vielleicht etwas früher im Jahr noch hoffen, Ende Juli / August dürfte das schwierig sein. Berge und größere Hügel, an denen sich noch Schneefelder halten könnten, gibt es auch nicht. So bleibt nur noch die Hoffnung auf Regenwasser, das sich auf dem Lavagestein gesammelt hat. Das ist aber mit Asche und Sand „gemixt“.

Krepputunga und auch die Álftadalsdyngja empfand ich als den Bereich des Hochlands, der am deutlichsten als Wüste zu bezeichnen ist (nicht nur auf dieser Tour sondern auch aus der Erfahrung von früheren Hochlandtouren). Trotzdem – oder deswegen – eine für mich sehr faszinierende Landschaft!

Kann man / darf man in Krepputunga zelten? Nun, wer motorisiert ist, darf es nicht; siehe Schild: „Übernachten nur in Kverkfjöll (60 km) erlaubt“. wp_bd_Island2014_14_07_0782SAufgrund der „60 km“ gehe ich aber davon aus, dass sich dies nicht an Wanderer richtet. Das wurde mir auch von der Wärterin der Snæfellsskáli bestätigt. Sie war sehr überrascht, warum es denn nicht erlaubt sein solle. Hingegen hat sie mir deutlich davon abgeraten, dort mein Zelt aufzubauen. Die Gründe dürften bei der Schilderung der Etappe deutlich geworden sein: Kein Wasser, weicher Untergrund, Asche. Das Zelt sieht nach Regen in der Aschewüste nicht nur aus wie Sau, vor allem die Reißverschlüsse kann so etwas arg strapazieren.

Also, als Wanderer darf man (theoretisch) dort zelten, sollte es aber trotzdem unbedingt vermeiden.

 

Upptyppingar – Dreki

Etappe 11

Upptyppingar/Jökulsá á Fjöllum

Aufstehen wieder gegen 6:30. Es ist zwar windstill, aber es hat sich leider zu­ge­zogen. Askja ist kaum noch zu sehen. Dann nieselt es und mein Tagesziel ist gar nicht mehr zu sehen.

wp_bd_Island2014_15_01_0825Auch die näheren Hänge des Upptyppingar verschwimmen in der Brühe. 8:10, es hat sich eingeregnet. Ich werde noch abwarten und auf Wetterbesserung hoffen. Es kommt leichter Wind auf und die Hoffnung, dass die Wolken weggeblasen werden. Gegen 10:00 breche ich doch auf – Askja ist so einigermaßen in 17 km Entfernung zu sehen

Ein Stück um den Upptyppingar herum, zur Piste, die ich aber auch schon mit Richtung West wieder verlasse. Geht sich erst ganz gut an. Auf dem Bimsstein und Sand lässt sich zügig gehen. Überall mittelgroße schwarze Lavabrocken. Dies ist die Vikursandur.

Plötzlich falle ich nach vorne und gehe mit allen Vieren zu Boden!? Der Bimssteinuntergrund ist so locker und porös; an dieser Stelle bin ich einfach mal so um die 30 cm abgesackt. Da ich recht flott unterwegs war, hat es mich direkt hingelegt. Im Fol­genden bin ich nun auf dem „Nur-Bimssteinuntergrund“ besonderes vorsichtig. Trotzdem, 2-3 mal breche ich noch ein, dann aber ohne Folgen.

Mittlerweile ist mein Ziel in Wolken und Nebel verschwunden. Ab nun, ca. 11:00 bis kurz vor Ankunft gehe ich nur nach GPS. Bin wohl direkt in einer Wolke. Noch weniger Sicht, dazu Regen, Niesel und nur kurze Pausen ohne Feuchtigkeit.

Der Wind wechselt auf Richtung Nord-Ost; ein fieser Seitenwind, der mir ständig den Regen ins Gesicht bläst. So zieht es sich hin. Alle 300 – 500 Meter checke ich meine Richtung. Manchmal sind prägnante Lavaformationen als Zielrichtung vorhanden, teilweise einfach ins graue und weiße Nass. Weder Wind noch Regen machen eine Pause.

Gegen 15:00 kommt endlich die Hütte von Dreki zum Vorschein, wo ich schon ¼ Stunde später ankomme. Eigentlich eine sehr kurze Etappe. Aber nur Bimsstein, Lava und Regen, Regen, Regen. Bin davon ganz schön geschlaucht und fühle mich leicht dusselig und taumelnd.

Ich baue sofort mein Zelt auf, der Regen hat für einen Moment etwas nach­ge­lassen. Ganz guter Untergrund und viele Steine zum Abspannen. Kurz zur Hütte, mein Paket ist da! (das war längst nicht so teuer)

Erst mal ins Zelt und raus aus den nassen Klamotten. Bis auf die Unterwäsche ist alles nass. Eigentlich kann ich damit sogar zufrieden sein. Wird aber schwierig werden etwas zu trocknen, solange es so feucht ist. Und es ist nicht nur feucht, es regnet weiter bzw. die Wolke wird „versprüht“.

Später dann zur Dusche. Tut gut, bei der Snæfellsskáli war‘s aber besser. Den ganzen späten Nachmittag und Abend regnet es. Erst nach 22:00 lässt es nach, der Wind hat aber immer noch Hochbetrieb..

Bin vor allem von gestern noch kaputt. Die heutige Etappe war zwar kurz, wegen der ständigen Nässe aber keine Erholung.

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