Askja – Mývatn

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Der dritte Teil der Wanderung von der Lónsöræfi bis zum Mývatn

Ab Dreki über den Öskjuvegur gen Norden bis über Suðurárbotnar schließlich Reyk­jahlíð am Mývatn erreicht wird.

Dreki – Dyngjufjalladalur

Etappe 12

Dreki

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Askja im Sommer 2011 – diesmal gab’s diesen Ausblick leider nicht

Aufstehen kurz vor 7:00 und trotz des Windes gut geschlafen. Es windet weiterhin, dazu Sprühregen. Die heutige und morgige Etappe sind mir bereits recht gut bekannt, da ich 2011 auf dem Öskjuvegur unterwegs war – das Wetter war damals aber besser…

Schon bei der Snæfellsskáli habe ich erfahren, dass es im Südosten des Kratersees Öskjuvatn einen gewaltigen Erdrutsch gegeben hat. Von einem kleinen Tsunami und einem deutlichen Anstieg des Wasserspiegels war die Rede. Mein Plan ist nun längs des Öskjuvatn via Drekagíl und Víti zu gehen. Das war bereits vor 3 Jahren ein Highlight der Tour, vielleicht spielt das Wetter doch noch mit.

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Dreki

Hier in Dreki ist etwas mehr los als bei Snæfellsskáli. 4 oder 5 Radfahrer, dann so 20 – 30 Leute, die per Bus oder Auto angereist sind. Fußgänger sind wieder Fehlanzeige. Gehe später in der Hütte vorbei und erfahre von der Wärterin (wieder eine Wärterin), dass das Wetter zumindest nicht schlechter wird (weiß das auch das Wetter?!).

Endlich lässt der Regen leicht nach, sogar die Sonne kommt ganz kurz raus! Traue dem aber noch nicht ganz und breche mit voller Regenbekleidung gegen 9:30 auf. Am Startpunkt Richtung Drekagil er­wartet mich aber eine Überraschung! Der Weg ist gesperrt! Obwohl der Erdrutsch in den Öskjuvatn doch im Südosten des Sees stattgefunden hat. Kurz zurück und bei der Wärterin fragen. Der Wan­der­weg am wp_bd_Island2014_16_02_0843Ufer ist tatsächlich gesperrt; geothermale Aktivitäten – der Boden dort ist nicht wirklich safe. Verstehe nicht, warum sie mir das nicht schon vorher gesagt hat.

Also zu­nächst ca. 8 km längs der F894. Schon nach wenigen Minuten setzt Regen mit Gegenwind ein. Eine Situation wie sie sich über die nächsten Stunden kaum ändern wird. Da kann ich eigentlich ganz froh sein, dass der Drekagíl-Weg gesperrt ist – dort hätte ich nämlich bei diesem Wetter ebenfalls nichts gesehen (aber anstrengender wär’s).

Entlang der Nordseite der Askja. Ein paar Hänge mit Schneefeldern. Keiner­lei Weitsicht. Einige Jeeps überholen mich auf dem Weg zum Parkplatz am Ende der Straße. Eine ganz schwache Sonne versucht immer wieder erfolglos durchzudringen. Der Effekt ist aber nur ein kümmerlicher Schatten.

wp_bd_Island2014_16_03_0847Nach ca. 2 Stunden ist das Ende der Straße erreicht. Ich muss mich kurz orientieren, wo „mein“ Weg weiter­führt. Den offensichtlichen Fußweg gen Víti will ich ja nicht gehen. Ein Schild weist den Weg nach „Dyngjufell 14 km“. Es geht direkt hinein in ein Lavafeld, teils mit Schneefeldern bedeckt. Insbesondere am Rand der Schneefelder ist immer etwas Vorsicht angesagt – ein Einsacken ist dort immer möglich.

Hier im Vikraborgir ist es eine „aufgerissene Kissenlava“ (weiß nicht, wie der geologische Fachbegriff lautet). Sehr unangenehm zu gehen. Die ersten ca. 500 Meter sind noch Markierungen und Fußspuren zu sehen. Dann nichts mehr bis zur Passhöhe Jónsskarð.

Die generelle Richtung ist aber prinzipiell einfach: Richtung West und als nördliche Begrenzung habe ich die Kraterwand der Askja. Weiter­hin Regen und Niesel mit Gegenwind, meine Sicht also extrem schlecht, die Brille ist wie „blind“.

Die Kissen­lava hört bald schon auf, dann geht es über „Blumenkohllava“ weiter. Einige größere Gebilde (bis 3 Meter hoch). Weite Teile sind nun unter Schneefeldern be­gra­ben, was das Gehen vereinfacht.

Eine leichte Besserung tritt ein, als der Niesel in Schneegriesel übergeht, das perlt besser ab. An einer etwas wind­geschützten Stelle kurze Sitzpause im Schnee. Die typischen „Sitzsteine“ zum Aus­ruhen gibt es hier leider nicht. Nur Schnee und scharfkantige Lava.

Die Sicht ist weiterhin schlecht. Auf 100 Meter ganz gut, Konturen bis ca. 300 Meter erkenn­bar. Von der Askja oder gar dem Öskjuvatn sehe ich heute keine einzige Spur (Ganz anders als vor 3 Jahr­en. Dort wurde das Wetter auch im Bereich des Jónsskarð schlechter, war aber noch relativ ok).

Schaue immer wieder auf’s GPS – der Weg ist richtig, der Pass nicht mehr weit. Aufstieg zum Pass von der Goðahraun. Erst leicht ansteigend, dann an Steilheit zu­nehmend. Auf der Passhöhe des Jónsskarð (1280 Meter) bläst mir ein sehr heftiger Wind ent­gegen.

Ab hier sind auch Mark­ierungen und Fuß­spuren vorhanden – wenn ich sie denn mit der „blinden“ Brille erkenne. Auf dieser Seite des Passes ist der Schnee teils sehr matschig und weich.

Hinter einem Felsen meine ich ein kurzes Blinken zu erkennen. Wohl eine Täuschung. Es ist nichts zu hören (naja, bei dem Wind würde ich auch nichts hören). Ich folge nun den Fußspuren und Mar­kie­run­gen, zusätzlich kurzer Check per GPS. Ein Stückchen weiter abwärts wieder ein einmaliges Blinken. Kann aber nicht dasselbe Blinken gewesen sein. Ständig Wind, Regen, keine Sicht, und jetzt noch Hallus…

Plötzlich meine ich in Gehrichtung schemenhaft etwas sich Bewegendes zu sehen. Wohl wieder eine Täuschung? Nein, kurz darauf tauchen aus Nebel und Regen tat­säch­lich 2 Wanderer auf. Das ist seit Etappe 1 die erste Begegnung mit anderen Leuten auf der Wegstrecke! Es sind 2 Franzosen; Ludovic und Renaud (Ludovic spricht auch Deutsch), die vom Mývatn zur Askja und weiter nach Landmannalaugar und Skógar wollen.

Dann ver­schwinden sie wieder im Nebel. Ich hingegen komme nur ein kurzes Stück später endlich aus Nebel und Wolken heraus! Auch der Regen hat erst mal auf­ge­hört. Vor mir schon das Dyngjufjalladalur (bzw. die Hügel der Westseite, in der Ferne ist einer der Berge vor dem Mývatn zu sehen. Wahrscheinlich der Sellandafjall).

Die Schneefelder hören hier ebenfalls auf. Dafür überall kleinere Flüsse. Das Gehen wird nicht angenehmer: Auf scharfkantiger, recht grober Lava abwärts – es sind fast nie mehr als 2 Schritte auf ebenem Untergrund möglich. Noch ein etwas steilerer Abstieg an auffällig braun-gelben Felsen vorbei und über eine weite Ebene. Hier fließt sehr breit (ca. 50 Meter) ein mäandernder, extrem flacher (5 – 20 cm) Fluss. Letztes Mal war von diesem Fluss keine einzige Spur.

wp_bd_Island2014_16_11_0883Danach ist das graue Tal Dyngjufjalladalur in Sicht. Noch ein Abstieg, dann entlang der Piste und des Flusses zur Hütte. Niemand da. Ich schaue ganz kurz in die Hütte, 4300 ISK soll eine Über­nachtung kosten. Aber ich ziehe ohnehin mein Zelt vor.

Zelt­aufbau, kein Regen mehr, bewölkt, leichter Wind. Bin fast fertig, da fahren 2 Jeeps zur Hütte vor. Dabei ist auch ein Ranger, mit dem ich heute früh noch bei der Dreki-Hütte ge­sproch­en habe. Aber auch diesmal handelt es sich nicht um „normale“ Touris oder Wanderer, sondern Volontäre für – ja, wieder für Wege & Gedöns.

Kurz vor 19:00, bin total kaputt. Ins Zelt und ausruhen, Tee, essen und ausruhen. Draußen tröpfelt es hin und wieder etwas, ansonsten relativ kalt – so ca. 4°- 7°.

 

Dyngjufjalladalur – Suðurárbotnar

Etappe 13

 Dyngjufjalladalur

Aufstehen um 7:00, heute mal mit Zahnschmerzen. Das Wetter ist wieder nur so „mittel“.

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Mein Hüttenbucheintrag von 2011 und Antwort

Lasse mir daher sehr viel Zeit bevor ich zusammenpacke und aufbreche. Schaue nochmal kurz in die Hütte und lese im Hütten­buch. Da ist auch noch mein Eintrag von vor 3 Jahren! Sogar ein anderer Wanderer hat darauf Bezug genommen.

Dyngjufjalladalur

Tonne @ Dyngjufjalladalur

Aufbruch erst um 11:00, der Regen hat nachgelassen. Los geht’s, der Piste folgen. Ziemlich eintönig. Anfangs ist noch kurz der Sellandafjall zu sehen (besser: zu erahnen), danach bis zum späten Nachmittag nichts mehr. Der andere Berg in Nähe des Mývatn, der Bláfjall, zeigt sich gar nicht. Regen, Niesel und Gegenwind. Nun schon der dritte Tag hintereinander, an dem das so geht. Wind kommt von Nord, ich gehe Richtung Nord.

Flache Sandwüste, kaum Orientierungs­punkte. Manchmal leuchtet kurz die Sonne auf, erhellt aber nichts. Der Rhythmus ist nun 10 Minuten Regen, 10 Minuten trocken oder Niesel, dann 1 Minute eine fahle Sonne. Soweit das Auge reicht fast alles grau. Der Himmel und die Wegstrecke vor und hinter mir. Vereinzelte, „blaue Himmel­sfetzen“ helfen auch kaum.

Zunächst war mein Gehtempo noch ganz flott, nun machen sich der Rucksack und eine allgemeine Erschöpfung bemerkbar. Hab‘ auch etwas Magen­pro­bleme. Die Gegend wird nun sandiger, hie und da die bekannten verdrehten Lava­formationen. Im Westen scheinen die Wolken so langsam aufzubrechen.

Bald verlasse ich die Piste und es geht auf einem Wanderweg („Gönguleiðir Botni, 8 km“) weiter. Der Weg ist eine ehemalige Piste. Die Lava wird nun anders; haupt­säch­lich „Fladen­lava“. Der Weg ist alles andere als „direkte Linie“. wp_bd_Island2014_17_06_0911Kaum noch Regen – endlich! Auch der Wind hat etwas abgeflaut. Und als Belohnung für den heutigen Tag gibt es immerhin einen schönen Regenbogen!

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Botni

18:40, die Botni-Hütte ist erreicht. Niemand hier, schaue kurz hinein. Die Ausstattung ist identisch mit der in der Dyngjufjöll-Hütte. Hier am See mit trübem Wasser will ich nicht zelten. Also noch ca. 15 Minuten weiter. Dann ein totaler Land­schafts­­wechsel: Ein Fluss, fester Untergrund aus Gras, einige Lava­form­a­tionen. Gut, diesmal wusste ich ja bereits, dass mich dies erwartet. Vor 3 Jahren hatte mich dieser extreme Wechsel ziemlich geflashed

Hier, am Ufer der Suðurá, im Suðurárbotnar baue ich endlich mein Zelt auf. Kein Regen mehr, sieht sogar recht freundlich aus. Der Zeltplatz ist aber wirklich sehr genial. Einer der besten der Tour, wenn nicht der Beste.

Direkt am leise plätschernden Bach (etwas weiter hinten rauscht eine Mini-Stromschwelle), schön im Grünen, umgeben von etwas Lava. Die beiden Mývatn-Berge im Sichtfeld.

Jetzt (22:30) ist es praktisch windstill, jedoch ziem­lich kalt. Schätze derzeit 5° – obwohl ich nur noch auf 450 Meter Höhe bin. Die morgendlichen Zahnschmerzen waren wohl nur Fehlalarm – ich bin bereit für den „Endspurt“.

 

Suðurárbotnar – Sellandafjall

Etappe 14

Suðurárbotnar/Botni

Aufstehen 7:00. Erstmals musste ich nachts „raus“. Nur in Unterhose und mit Stirnlampe draußen umher zu tappen ist doch kein so großer Spaß. Und meine Zahnschmerzen sind wieder zurück. Erstmals auch kleiner Defekt der Ausrüstung. In meiner Iso-Matte sind wohl einige der Kammern geplatzt, so dass die Matte eine große Blase hat. Und wenn ich neben der Blase liege, wird sie noch größer. Liege ich aber direkt darauf ist es ziemlich unbequem. Uarg, zum Glück sind’s nur noch ca. 60 km bis Reykjahlíð.

Aber zum Ausgleich dafür ist das Wetter endlich mal gut. Die Sonne scheint schon aufs Zelt, es wird richtig warm. Auch beim Aufbruch weiterhin Sonne, nur mit ein paar Wölkchen und lauer aber kalter Wind.

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Direkt von der Quelle

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waskucksu?!

Entlang der Suðurá – hier noch direkt im Quell­gebiet. Grün, Lava und der klare Fluss sind ein extremer Kontrast zu den letzten Tagen. Bald schlängelt sich der Weg vom Fluss weg – von einem direkten Weg keine Spur mehr. Ein paar neugierige, aber dann doch ängstliche Schafe, ein Vogel mit einem Warnruf „Möp“ (der bekannte Möp-Vogel) sind die Be­gleiter auf diesen ersten Kilometern.

An zwei markanten Stein­männern komme ich vorbei – diese habe ich noch von meiner ersten Tour in diesem Gebiet in Erinnerung.

Schließlich ganz von der Suðurá weg und gen Norden. Leider ist der Weg nun weniger interessant und auch längst nicht mehr so idyllisch wie zuvor. Die Erosion hat so einiges von der Graslandschaft entrissen, so dass kleine Sand- und Dünen­land­schaften ent­standen sind.

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Sellandafjall

Sellandafjall und Bláfjall (dieser auch mal ohne Wolken) kommen zwar näher, jedoch schlängelt der Weg von links nach rechts und wieder zurück. Vielleicht hätte ich schon direkt von Beginn eine weglosen Pfad einschlagen sollen, statt einer Jeep­piste zu folgen (ein Auto überholt mich heute).

Kleine Track- und Pistenkunde. Es gibt auf Island

  • Jeep Tracks
  • Cheap Tracks
  • Sheep Tracks

Heute ist es ein cheap Jeep Track mit Sheep. Es frischt auf, setzt auch wieder Regen ein, aber diesmal nur als kurzer Schauer. Der Punkt „noch 45 km bis zum Ziel“ ist er­reicht. Damit ist es realistisch, schon am Sonntag in Reykjahlíð anzukommen. Ein paar Kilo­meter kann ich ja auch heute noch gehen. 2 kleine Schluchten mit Bach durch­quere ich noch, dann bin ich praktisch am Sellandafjall. An der Südseite müsste es laut Karte ein paar Flüsschen geben.

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Unterhalb des Sellandafjall mit Mystery Schuppen

Bis dorthin will ich noch. Die beiden zuletzt auf der Karte gefundenen Flüsschen gibt es hier auch tatsächlich, daher mein Optimismus. Aber… Kein Fluss, kein Wasser. Der nächste Fluss (nach Karte) ist in über 3 km Entfernung. Ist mir zu riskant, daher gehe ich fast 2 km bis zum letz­ten tatsächlich existenten Fluss zurück. 18:30, Ende für heute.

Der Platz ist nicht so schön wie an der Suðurá. Nördlich ganz klotzig der Sellandafjall, in allen anderen Richtungen Torf und Tundra, alles leicht ansteigend, daher keine besondere Aussicht. Zeltaufbau, danach vorsichtig mit der Iso-Matte umgehen.

Es ist vollkommen ruhig hier, kein Wind, nichts. Ich höre nur das Blut in meinen Ohren pulsieren. Später nur ein leichter Wind. Die Zahnschmerzen haben sich noch immer nicht entschieden, ob sie mich nur beunruhigen oder wirklich nerven wollen.

 

Sellandafjall – Seljahjalli

Etappe 15

Sellandafjall

Trotz der Iso-Matte mit Blase einigermaßen geschlafen. Über Nacht und jetzt total ruhig, überhaupt kein Wind. Aber ziemlich kalt: 5° messe ich im Zelt gegen 5:00 morgens. Draußen dürfte es nachts nahe 0° gewesen sein. Aber jetzt (ca. 7:30) scheint schon etwas Sonne aufs Zelt. Mein Nerv-Zahn wacht aber auch auf.

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Mystery Schuppen

Aufbruch kurz nach 9:00, Wetter sieht weiterhin gut aus. Aber es ist recht frisch geblieben. Leicht bergauf, bis zu einem Schuppen oder so, in dem nur alter Schrott liegt. Unklar, wozu dies dient(e). In der Umgebung sind mehrere Steine gelb markiert – dies sieht neu aus. Vielleicht ein Hangar für Hubschrauber oder Flugzeuge nebst Landepiste? Oder für Außerirdische, für die NSA? Man weiß es nicht…

Egal, nun kommt auch die Sonne gut raus; ich kann bis zur Askja sehen, wo heute nur ein paar Schönwetterwolken hängen. Bald bin ich an der Südostseite des Sellandafjalls. Von Wasser aber weiterhin keine Spur. Nur gut, dass ich gestern umgekehrt bin.

Kurzer Vorgriff: Bis zum Endpunkt der heutigen Etappe werde ich keinen einzigen Tropfen Wasser finden.

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Bláfjall

Der Bláfjall kommt nun als „Hauptberg“ in Sicht. Ich schlage wieder Richtung Nord ein. Da kom­men mir 2 Wanderer entgegen! Schon wieder Franzosen – auch sie wollen über Askja, Landmannalaugar nach Skógar. Die beiden sind Ultralight unterwegs – mit besseren Turn­schuhen und Tarp. Nun, ob das beim isländischen Wetter klappt? Naja, wird schon! Ich erfahre noch, dass auf ihrer Strecke vom Mývatn fast kein Wasser zu finden war. Erst weit an der Nordseite des Bláfjall gab es etwas. Ich notiere mir die GPS-Ko­or­dinaten.

Weiter über eine Sand- und Steinwüste. Von einigen höheren Hügeln ist erstmals der Mývatn zu sehen. Die Sonne kommt nun immer besser heraus, es wird richtig warm.

Lang­sam schlage ich Richtung Nord-Ost ein. Es geht nun in eine Lavawüste, hauptsächlich Fladen­­lava. Vielleicht hätte ich besser der Piste folgen sollen (1 Auto überholt mich) aber diese windet sich umständlich zwischen dem Gestein umher. Der Weg wird dadurch aber ziemlich mühselig.

Entweder über die Lava – zwar meist flach, trotzdem muss ich auf­passen wohin ich trete. Oder über sehr weichen Sand, übersät mit kleinen Steinen. Bei jedem Schritt sinke ich leicht ein. Weiterhin kein Wasser! In der Ferne sind nun kleine Birkenwäldchen an den unteren Hängen des Bláfjall zu sehen. Pause unter diesen schiefen Birken. Noch ca. 2km (Luftlinie) bis zum (an­geb­lichen) Platz mit Wasser.

Dazu immer wieder Zahnschmerzen. Bei kaltem Wind oder leichter Anstrengung meldet sich der Zahn… vielen Dank!

Interessante Lava­formationen gibt es hier. Be­wachsen mit Moos, teilweise auf dem Gestein angeschmiegte Bäume und Sträucher.

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Sel­jah­jalli

End­lich ist der Zielpunkt Seljahjalli erreicht. Sieht hübsch hier aus. Ein Taleinschnitt, Birken­wäldchen, Scha­fe und ein wasserloses(!) Flussbett. Ich gehe etwas „flussaufwärts“. Immerhin gibt es mehrere größere Pfützen mit Regenwasser. Das Wasser schaut aber ok aus. Genau diese Stelle hatten mir auch die Franzosen empfohlen. Geschafft!

Im Zelt, das Übliche und längeres Ausruhen. Muss mich wieder mit der blöden Iso-Matte abplagen. Gegen 21:00 nochmals ein kurzer Spaziergang. Leider ist es größ­ten­­teils wolkenverhangen. Gen Norden zum Mývatn bricht die Wolkendecke aber noch spektakulär auf.

Morgen werde ich Reykjahlíð erreichen, es sind noch ca. 20 km. Heute also da letzte Mal wirklich draußen im Zelt. Einerseits schade, dass es fast vorbei ist. Andererseits bin ich auch froh. War die letzten Tage schon ziemlich an­strengend. Bin aber bereit für die letzte Etappe!

 

Seljahjalli – Reykjahlíð

Etappe 16

Seljahjalli

Aufstehen 6:30, gut geschlafen. Wie meistens ist es morgens noch total ruhig, kein Wind. Die Sonne ist schon raus, jedoch noch längst nicht auf meinem Zelt, das von einem Hügel ab­ge­schirmt wird.

Kein früher Aufbruch, da ich mich mit meinem Zahn rumärgern muss. Los geht’s um kurz nach 9:00. Gemäß Karte gehe ich von knapp 20 km für die heutige letzte und 16. Etappe aus. Wetter weiterhin vielversprechend. Erst mal wieder auf den gleichen Hügel wie gestern Abend. Tolle Aussicht, der Mývatn ist aus dieser Entfernung aber nur als dünnes Band zu erkennen. Die Anstrengung langt schon, um die Zahnschmerzen aufkommen zu lassen.

Sehr sonnig mit einem kalten Wind. Der Weg führt nun zwischen dem Rand eines Lavafelds und dem Berg­rücken von Aus­läufern des Bláfjalls. Direkt durch das Lavafeld zu gehen erspare ich mir nach der Plackerei von gestern. Eigentlich wäre swp_bd_Island2014_20_00_1076pchnelles Vorankommen nun möglich, aber es gibt einfach „zu viel“ zu sehen: Blick auf den Mývatn und die bunten Berge in Geh­richtung, dann das Lava­feld. Die Piste steigt nun deutlicher an, ich merke es an meinem Zahn! Aber für den besseren Ausblick hat sich gelohnt.

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In der Höhle

Plötzlich eine Art Bogen mit Loch im Lava­ge­stein. Ich lasse meinen Rucksack liegen und schaue mir das genauer an. Nicht nur ein Bogen, sondern eine kleine Höhle! In der Höhle sind die Wände und die Decke mit dick­schwülstiger roter Lava bedeckt. Sieht richtig frisch aus, als sei sie gerade erst erkaltet. Nun, hier haben Erosion und Bewuchs das Gestein kaum verändert. Toller Platz! Viele Fotos.

Im Folgenden ist der Krater (Tuffring) Hverfjall immer wieder im Blick­punkt. Dann ver­läuft der Weg etwas außer Sicht­weite dieser Berge und des Lavafelds. Dies gibt die Mög­lich­keit, etwas Kilometer zu machen. Einige km vor dem Hverfjall erst­mals ein Hinweis auf Zivilisation. Ein kleiner Bus parkt neben dem Weg – aber niemand zu sehen. Weiter zum Hverfjall. Merkwürdig, ich hatte diesen Berg von meinem allerersten Island-Urlaub viel kleiner in Er­innerung.

Lasse meinen Rucksack in einem kleinen Birken­wäldchen zurück und mache mich un­belastet auf den Weg. Geht ganz schön steil über Sand und Schotter bergauf. Vor allem das erste Stück hat es in sich, danach führt der Weg in engen Serpentinen hinauf. Oben an­ge­langt, sehe ich dass dies der „Difficult path“ sei, deswegen ist mir beim Auf­stieg nie­mand be­gegnet. Noch ein kleines Stückchen am Grat und ich bin oben.

Mývatn

Mývatn vom Hverfjall

Super Aus­sicht. Zum Mývatn, aber auch Richtung Námaskarð. Der Krater selbst ist eher un­spektaku­lär: Eine kleine Er­höhung im unteren Be­reich. Auf der anderen Seite des Kraters sind deutlich mehr Leute unterwegs. Dort ist’s aber auch deutlich niedriger – das war wohl der Anstieg den ich in Erinnerung hatte.

Nun komme ich zwp_bd_Island2014_20_08_1166um Parkplatz vom „Easy Path“. Ca. 30 Autos, sehr viele Leute. Sand wird auf­ge­wirbelt, bloß weiter. Ein Schild sagt noch 3.8 km bis Reykjahlíð! Nun auf einem schönen Wander­weg durch Lava, Heide und klei­ne Birken­wäld­chen. Die Sonne brennt nun richtig, ich kann kaum noch. Auch hier ist kaum jemand unterwegs. Bis zur Spalte Grjotagjá treffe ich nie­manden, danach ca. 6 Personen.

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Reykjahlíð – die allerletzten Meter

Endlich, die Häuschen von Reykjahlíð sind in Sicht! Der Wanderweg endet. Noch ein paar Meter Straße. Ganz ungewohnt, überall sind Autos unter­wegs.Über die Straße, da ist der bekannte Camping­platz von Reykjahlíð. Gehe Richtung des Ufers des Mývatn, dort stehen schon einige Zelte. Ich plumpse zu Boden, und GESCHAFFT (der Weg und ich). 16:39, nach knapp 300 km und 16 Tagen auf den Beinen habe ich es geschafft!

Zeltaufbau; das geht hier sehr einfach, in weniger als 5 Minuten ist alles fertig. Gönne mir aus dem kleinen Supermarkt noch eine Pommes (leckwp_bd_Island2014_20_10_1175er!) und ein Viking Beer – leider nur light. Heute habe ich überhaupt keine Lust auf mein Outdoor-Essen. Mitt­ler­weile nach 22:00. Weiterhin gutes Wetter. Der Campingplatz ist relativ voll – ähnlich wie beim letzten Mal. Aber der Autoverkehr hat zu­­ge­nommen. Selbst jetzt (spät abends) ist ein ständiges Rauschen zu hören – das nervt schon ge­waltig. Morgen weiter nach Ásbyrgi – aber per Bus!

Das war’s: Tour geschafft, ich bin geschafft. Insgesamt (trotz des teilweise miesen Wetters) war es eine sehr, sehr schöne und interessante Wanderung.

Teil 2  Schluss