Island

Island – was macht das Reisen auf diese Insel aus? Immerhin 11-mal war ich mittlerweile dort; also muss dieses Land (zumindest für mich) etwas Besonderes haben.

Viele klassische Sehenswürdigkeiten wie Museen und Gebäude alten oder auch neuen Ursprungs gibt es nicht. Aus der Landnahme- und Wikingerzeit ist auch kaum etwas dem Laien eindrucksvoll Erscheinendes übrig geblieben. Und das kulturelle Angebot ist gemessen an der Einwohnerzahl zwar sehr groß, interessant und vielfältig, aber: In der Gesamtzahl betrachtet ist dies kaum ein Grund, dort mehrere Tage (und in meinem Fall sind es insgesamt schon mehrere Monate) zu verbringen.

Das Sehenswerte – und mehr noch Erlebenswerte – ist auf Island die Natur. Damit meine ich weniger die auch gerne als „Sehenswürdigkeit“ bezeichneten Stellen längs der Ringstraße, in deren unmittelbarer Nähe sich ein Wasserfall, Lavafeld, schwarzer Sandstrand oder dergleichen befindet. Natürlich, auch diese Orte sind sehenswert. Wirklich interessant wird die Insel aber erst, wenn man sich von den Orten, Dörfern und deren Verbindungswegen entfernt (und da langen meist schon wenige Minuten). Dann befindet man sich schnell in einer Umgebung, die ich so in Mittel- und Westeuropa noch nicht angetroffen habe:

Eine Weite, dass man die Ziele der nächsten Stunden und Tage bis zum Horizont erkennen kann. Es sei denn, es liegen grüne, schwarze und manchmal auch bunte Berge und Hügel in der Wegrichtung. Das Land mit nur einer meist eher spärliche Vegetation zeigt die Auswirkungen der vulkanischen Aktivität manchmal spektakulär an rauchenden, blubbernden Quellen und Schlammtöpfen Dann aber in schier endlosen schwarzen Sandwüsten, die im ersten Moment (aber auch nur im ersten oberflächlichen Eindruck) sehr abweisend und fast langweilig daher kommen. Wind und Wetter sind hier meist unmittelbar zu spüren: Wind- oder Regenschutz gibt’s – wenn überhaupt – nur, wenn man sich auf der richtigen Seite eines Bergs oder Hügels aufhält. Und die wenigen Menschen, die man vielleicht selten trifft oder sieht, sind fast immer ebenfalls Reisende, denn: Für eine dauerhafte Anwesenheit ist diese Natur dann doch zu beschwerlich und wenig geeignet.

Sehen bzw. Erleben kann diese Gesamt-Sehenswürdigkeit aber nur, wer sich zu Fuß oder auch per Fahrrad auf den Weg macht.